Maske

Die Pflicht, beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmittteln Gesichtsmasken zu tragen, hat neben all den berechtigten Zweifeln an ihrer Sinnhaftigkeit eine lustige Seite: jetzt plötzlich gilt das Vermummungsverbot nicht mehr. Bei Demos standen Teilnehmer*innen unter Terrorverdacht, wenn sie ihr Gesicht mit Tüchern, Mützen oder anderen Mitteln bedeckten. Jetzt aber müssen wir uns alle vermummen. Na ja, ich habe schon in der Klinik äußerst widerwillig mit Maske gearbeitet. Das war nur selten vorgeschrieben, etwa wenn wir das Norovirus oder Influenza auf der Station hatten. Man atmet sein eigenes CO2 wieder ein, was sicher nicht gesund ist. Außerdem ist es heiß unter der Maske und mich persönlich stört es sehr, daß ich die Mimik meiner Gesprächspartner nur noch ahnen kann. Sogar unter Ärzt*innen wird diese Maßnahme stark angezweifelt. Ich habe hier den Eindruck, daß sie, wie alle anderen Restriktionen seit Beginn der Coronawelle in Deutschland, einem mehr oder minder blindwütigen Aktionismus geschuldet sind. So zeigt man dem Volk: wir tun was für eure Sicherheit. Meine Gesichtsmaske hat übrigens eine Teilnehmerin meiner Kräuterkurse für mich genäht. Danke, liebe K.!

Ich möchte gern selbst entscheiden, was ich für meine eigene Sicherheit tue. Nun neigen Staaten bekanntermaßen dazu, ihre Völker zu bevormunden. Regierungen sehen sich durch die Wahl als autorisiert, ihre Bürger wie unmündige Kinder zu behandeln. Vor Corona erfuhr ich, daß der Staat Stellen einrichten wollte, an die Bürger sich wenden sollten, die erhebliche Widerstände gegen die Einrichtung von 5G haben. Man wolle den Bürger*innen zuhören und ihre Sorgen ernstnehmen. Der Schlusssatz war dann, daß man sie davon überzeugen wolle, daß 5G absolut unschädlich sei. Also stand das Ergebnis schon fest. Warum soll ich mich als Bürgerin dann an so eine Stelle wenden?

Gebetsmühlenartig wird immer wieder gesagt, der Shutdown diene dazu die Alten und Kranken zu schützen (vom drohenden Zusammenbruch des Gesundheitswesens redet keiner mehr, ist mir aufgefallen). Soweit ich weiß, hat man aber gar nicht daran gedacht, die Alten und Kranken mal zu befragen, was sie denn wollen. Ich weiß mittlerweile von einigen alten Menschen, die sich wenig Sorgen um eine mögliche Coronainfektion machen („Lieber an Corona sterben als jahrelang ein Pflegefall sein.“) Aber sie wollen nicht ihre letzten Lebensmonate einsam und isoliert verbringen. Lasst die alten Leute doch selbst entscheiden und gebt den Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, die Verantwortung für ihr eigenes Leben zurück. Wer Angst hat, kann ja eine Maske tragen und sich an die soziale Distanzierung halten. In diesem Zusammenhang kann ich auch über den Shitstorm, der gerade über den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer niedergeht, nur den Kopf schütteln. Er hat im Fernsehen folgende Bemerkung gemacht: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären – aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen.“ Seitdem regen sich alle möglichen Menschen öffentlich auf, nennen ihn zynisch und menschenverachtend. Ich kann an dieser Bemerkung nichts Zynisches erkennen. Es ist doch lediglich eine nüchterne und zutreffende Feststellung.

Ansonsten kann ich dem Lockdown mittlerweile durchaus etwas abgewinnen. Ich habe soviel freie Zeit wie nie und genieße das ungemein. Ich bin vom Naturell her eher ein langsamer Mensch. Aus alten Postkarten von meiner Oma an meine Mutter erfuhr ich, daß ich als kleines Kind Schnecke genannt wurde. In der Schule hatte ich deswegen Probleme in Sport und Mathe: die Bundesjugendspiele waren für mich ein Graus, weil ich beim Sprint immer als Letzte im Ziel ankam. Und wenn wir in Mathe Wettrechnen machten, bei dem diejenigen sich setzen konnten, die die Aufgabe als erste gelöst hatten, blieb ich immer bis zum Schluss stehen. Als ich anfing zu arbeiten, lernte ich schnell zu sein. Gefallen hat mir das nicht. Ich hatte immer das Gefühl, das geht nur, wenn ich pfusche. Ich bin eine gründliche und genaue Arbeiterin und das kann ich nur sein, wenn ich keinen Zeitdruck habe. Ich habe auch festgestellt, daß ich viel mehr wahrnehme, wenn ich Zeit habe.

Am 1. Mai besuchte ich eine Freundin und machte eine schönen Spaziergang durch den Wald an der Steilküste. Wir hatten Glück und waren zwischen zwei Regenschauern unterwegs. Der Wald ist so schön. Waldmeister blühte in dichten Teppichen unter den hohen Buchen. Sturm und Meer hatten wieder an der Küste genagt und es lagen entwurzelte Bäume auf dem Strand. Es waren viele Menschen unterwegs und alle grüßten freundlich, wir auch. Irgendwie hat sich atmosphärisch was geändert im Kontakt und das gefällt mir sehr gut.

Am Samstag holte ich den bestellten 25 kg-Sack mit Biozucker für die Bienen bei einem Imkerkollegen in der Nähe von Rendsburg ab. Da traf ich einige andere aus meinem Imkerverein. J. führte uns durch seinen riesigen Garten. Er liebt Bäume und hat im Laufe der Jahrzehnte eine schöne Sammlung an exotischen Bäumen gepflanzt, darunter eine schon recht große Sequoia. Am liebsten mag er aber Apfelbäume. Er wollte mir auch gleich ein kleines frisch veredeltes Bäumchen mitgeben, aber in meinem Garten gibt es dafür keinen Platz. Stattdessen bekam ich drei Teufelsabbisspflanzen, die auf der Roten Liste stehen. Ich hoffe, sie fühlen sich bei mir wohl. Ich finde es schön und ermutigend, daß es Menschen wie J. gibt, der einen so schönen Garten angelegt und seine ganze Seele hinein gelegt hat. Ich hatte ein paar nette Gespräche und zum Abschluss gab es noch Kaffee und Kuchen im Schuppen. Aber die Umarmungen fehlen mir doch sehr.

Abstand

Gestern fand der erste Kräuterkurs dieses Jahres statt. Es gab nur eine Teilnehmerin, die noch nie dagewesen war. Ich hatte ihr vorgeschlagen, daß sie selbst entscheiden solle, ob sie unter dieser Voraussetzung kommen wolle. Ich wusste nicht, worauf ich mich da einlasse. Mit einer einzelnen Person kann es anstrengend werden, wenn die Chemie nicht stimmt. Aber dann hätte ich die Aktion schnell beendet. Geld wollte ich in diesem Fall sowieso nicht; gegen eine Spende hatte ich natürlich nichts einzuwenden.

Die Frau kam, wir klärten sofort, wie wir es mit dem Abstand halten wollten und gingen los. Es war angenehm und einfach mit ihr. Sie ließ sich schnell auf die Pflanzen ein und zeigte ein erstaunliches Gespür für sie. Das machte wirklich Spaß.

Der optimistisch stimmende Löwenzahn

Ab morgen müssen wir beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln Mund-Nasenschutz tragen. Sinn dieser Maßnahme ist sehr umstritten. Ich möchte auf keinen Fall den Wegwerfmundschutz tragen, den ich aus der Klinik kenne. Überhaupt ist die Branche, die Einmalmaterial herstellt, wohl eine der wenigen, die von Corona profitiert: Ob man Kaffee to go kauft oder etwas zu essen, die mitgebrachten Kaffeebecher und Dosen für den Käse auf dem Markt werden nicht mehr angenommen. Und in den Kliniken, wo schon in nicht pandemischen Zeiten ungeheure Mengen an Plastikeinmalmaterial täglich verbraucht werden, kommt wahrscheinlich die Müllabfuhr gar nicht mehr hinterher. Daß es anders geht, zeigt das Flensburger Restaurant Le Camping: Sie liefern Menüs in Porzellan- und Glasbehältern in einer Kiste, die am nächsten Tag wieder abgeholt wird. Aufwendig aber konsequent, sowas gefällt mir sehr gut. Ich habe vorm Spiegel schon mal mit Schal und Tüchern vor Mund und Nase posiert. Alles nicht wirklich befriedigend. Jetzt bekomme ich ein paar Mund-Nasen-Masken genäht. Die brauche ich nicht wegwerfen und kann sie in die Waschmaschine tun. Ich hätte am liebsten eine in den Anarchistenfarben schwarz-rot dem großen A im Kreis.

Als ich Donnerstag in der Schlange vorm Gemüsestand wartete, vertrieb ich mir die Zeit mit einem neuen Spiel: ich versuchte, die Menschen, die direkt hinter und vor mir standen, energetisch zu spüren. Dabei fiel mir auf, daß wir Menschen das mit dem Abstand normalerweise ganz instinktiv regeln. Manchen Menschen mögen wir näher kommen, andere halten wir lieber etwas auf Distanz. Das läuft ohne Beteiligung des Bewusstseins ab. Jetzt ist diese Fähigkeit zur Selbstregulation per Gesetz außer Kraft gesetzt. Was macht das mit Menschen, daß sie ihre Instinkte unterdrücken müssen, um kein Bußgeld zu bekommen? Und was macht es, wenn wir bei anderen Menschen die Mimik nicht mehr erkennen können? Was wollen wir noch alles brav und folgsam im Namen der Sicherheit opfern? Immerhin habe ich mich in den letzten Tagen mit einigen Menschen über diese Fragen sehr gut unterhalten. Dabei stellte sich heraus, daß die Bereitschaft, diese Restriktionen gehorsam zu befolgen, sehr brüchig ist. Und ich gehe davon aus, daß das mit jeder weiteren Woche Kontaktsperre noch deutlicher werden wird.

Aber eigentlich ist die Sache mit dem Abstand nur die Steigerung einer Entwicklung, die ich schon länger beobachte: während früher Diagnostik in Arztpraxen mit den Händen und allen Sinnen betrieben wurde, wird das seit geraumer Zeit den diversen Maschinen überlassen. Viele Ärzte geben seit einigen Jahren ihren Patient*innen auch nicht mehr die Hand, aus Infektionsschutzgründen. Das ist für mich übrigens ein Ausschlusskriterium: ein Händedruck sagt soviel aus. Wenn ein Arzt den nicht will, gehe ich da nicht mehr hin.

Gundermann lebt gern in der Nähe von Menschen und steht in Verbindung mit den kleinen Völkern

Morgen werde ich mich wieder für unbestimmte Zeit von meinem Laptop trennen. Er funktioniert immer noch nicht gut, kann keine Updates verarbeiten und ist extrem langsam geworden. Ich hatte gehofft, daß ein paar Tipps per Telefon mir helfen könnten, alles wieder hinzubekommen, aber der Mann vom Computerladen sagte, das sei ein größeres Ding. Wer mich also in den nächsten Tagen erreichen will, muss das Festnetz benutzen. Ich habe hier keinen Handyempfang und dementsprechend auch kein Internet auf meinem Smartphone. Ohnehin bin ich ein Smartphonemuffel und habe es so eingestellt, daß ich nicht so leicht getrackt werden kann. Das heißt auch, daß die zukünftige Corona-App nicht installiert werden wird.

Geht es wirklich ums Leben?

Vor einigen Tagen hat unser sehr forscher Gesundheitsminister von sich gegeben, das Gesundheitswesen in Deutschland sei zu keiner Zeit überlastet gewesen. Da ich nicht mehr in der Klinik arbeite, kann ich die dortige Lage nicht überprüfen. Ich weiß aber von einer Krankenschwester aus Flensburg, die von leerstehenden Betten spricht. Soweit so gut. Jedenfalls hat Herr Spahn keine Ahnung von den Zuständen im deutschen Gesundheitswesen. Das ist nämlich schon seit Jahren mehr als überlastet. In meinem ehemaligen Bereich, der Psychiatrie, waren wir im Vergleich noch relativ gut aufgestellt. Aber auch wir haben, in den letzten Jahren zunehmend, Situationen erlebt, die weder gesetzeskonform waren noch menschenwürdig. Gesetzeskonform war es z. B. nicht, wenn wir wegen zu wenig Personal auf der geschlossenen Akutstation nicht mehr in der Lage waren, die Monitore zu beaufsichtigen, was für in der Fixierung liegende Patienten vorgeschrieben sind. Manchmal haben wir die diensthabenden Ärtzt*innen angefleht, niemanden mehr aufzunehmen, weil wir noch nicht mal mehr eine Grundversorgung gewährleisten konnten. Aber natürlich mussten die aufnehmen, weil der Amtsarzt eine Zwangseinweisung veranlasst hatte und es ihm scheißegal war, ob wir damit klarkamen oder nicht. Dann boxte der Papst auf der Station, die fixierten Patienten schrieen den ganzen Tag in ihren Gurten und wir kamen einfach nicht hinterher. Auch habe ich oft allein gearbeitet und keine Pause nehmen können (die übrigens auch gesetzlich vorgeschrieben ist). Aber richtig beschissen ging und geht es schon seit Jahren den Pflegekräften, die auf den Intensivstationen arbeiten.

Ich habe übrigens heute mit meinem Sohn telefoniert und ihm eindringlich gesagt, daß ich auf gar keinen Fall beatmet werden möchte. Ich habe eine Patientenverfügung, weiß aber aus Erfahrung, daß die nicht unbedingt beachtet wird. Es ist immer gut, wenn Angehörige und Freund*innen genau Bescheid wissen. Wenn eine*r einmal im Krankenhaus und nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen zu äußern, läuft die „Lebensrettungsmaschinerie“ ohne Gnade. Ich habe es oft genug erlebt. Es darf auf keinen Fall mehr gestorben werden.

Und da kommen wir zu einem Merkmal unserer „Leitkultur“: Tod ist der Feind, Sterben darf nicht stattfinden. Auch weit über 80jährige werden noch reanimiert oder den Strapazen einer künstlichen Beatmung ausgesetzt, die in vielen Fällen dann doch tödlich ausgeht. Das ist ein sehr tiefgehendes Thema und ich glaube, wir alle müssten uns fragen: wie wollen wir leben? Wie wollen wir sterben? Wollen wir auf längere Zeit social distancing praktizieren, weil wir dann vielleicht nicht an Covid-19 erkranken. Ich kann für mich sagen: auf keinen Fall. Als Säugetier bin ich auf Kontakt, auch Körperkontakt angewiesen. Was macht es mit Menschen, denen man das verbietet? Und die armen alten Leute, die in den Pflegeheimen seit Wochen keinen Besuch mehr haben dürfen. Die Angehörigen, die ihre Verstorbenen nur noch mit Distanz und ohne richtige Trauerfeier begraben müssen. Ich stelle fest, daß wir gerade mitten in einer Gesundheitsdiktatur leben. Wie lange machen wir das mit?

Die Herrschenden beschwören uns, das Volk, daß es schließlich bei all diesen Maßnahmen um unser Leben gehe. Aber bei den Tausenden, die seit einigen Jahren im Mittelmeer absaufen, spielt das keine Rolle. Ich möchte gern erleben, daß angesichts der ungeheuerlichen Menge an Hungertoten in Afrika mal an deren Leben gedacht wird, zumal der Hunger dort seit der Kolonialzeit durch den globalen Norden und sein lebensverachtendes Wirtschaftssystem verursacht und aufrechterhalten wird. Was ist mit den ganzen sogenannten Zivilisationserkrankungen, der Zunahme an psychischen Störungen, an Suiziden, an Krebserkrankungen? Die Toten, die jetzt schon weltweit auf das Konto des menschengemachten Klimawandels gehen? Die vielen Verkehrstoten? Wo werden da Maßnahmen für das Leben ergriffen?

Aus dem Radio erfuhr ich, daß die deutsche Autoindustrie von der Regierung Abwrackprämien wie 2009 nach der Bankenkrise verlangt. Da könnte ich vor lauter Zorn in die Tischplatte beißen! Also wollen sie noch mehr hässliche spritfressende SUVs auf den Markt werfen. Klimaschutz?

Corona ist das allerkleinste unserer Probleme! Viren kommen und gehen, sie sind unsere evolutionären Weggefährten, ja und ab und zu kann man mal daran sterben. Und sterben werden wir alle sowieso irgendwann und das ist auch richtig so, weil ohne Tod gibt es kein Leben und ohne Leben keinen Tod. Der Tod ist einfach Teil des Lebens. Und wie Charles Eisenstein so wunderschön sagt: „Anyone who has experienced the passing of someone close knows that death is a portal to love.“ (Jeder, der das Sterben eines nahestehenden Menschen erlebt hat, weiß, daß der Tod eine Pforte zur Liebe ist). Ja, das kann ich bestätigen, weil ich es erlebt habe.

Etwas, was mich erfreut hat: letzte Woche in einem Supermarkt fragte der Mann an der Kasse mich, ob er mir mein Wechselgeld in die bereitstehende Schale oder in meine Hand geben solle. Ich hielt ihm meine Hand hin und sagte: „Ich fürchte mich nicht.“ Er gab mir das Geld und antwortete: „Willkommen im Team!“ Und dann fügte er noch hinzu: „Nicht, daß ich glaube, da ist nichts. Aber mir gefällt nicht, wie damit umgegangen wird. Aber das darf man ja nicht laut sagen.“

Ich habe mich über sein Verhalten gefreut. Und es stimmt: sobald man öffentlich seine eigene Meinung zum Coronavirus und dem Umgang damit äußert, riskiert man Beschimpfungen und Empörung. Wie macht man ein Volk gefügig? Indem man ihm Angst macht.

Ich weiß nicht, was los ist – keiner weiß es


Vor einer Woche hatte ich täglich Gedanken, die ich gern in diesem Blog mitgeteilt hätte. Das ging aber nicht: mein Laptop hatte nach einem automatischen Update Schwierigkeiten gemacht und meine Versuche, diese zu beheben, hatten letztlich dazu geführt, daß ich das Gerät in die Hände eines Profis geben musste. Der brauchte dann eine Woche, um den alten Zustand wiederherzustellen. Das Interessante an dieser Woche war, daß mir nach einigen Tagen der Rechner gar nicht mehr fehlte und als er wieder bei mir war, war mein Bedürfnis, mich im Netz rumzutreiben, vergangen.

Ich bekomme oft Links zugeschickt, jetzt noch mehr als sonst und alle haben was zu Corona zu sagen. Einige habe ich mir angesehen, z. B. den als Spinner deklassierten Wolfgang Wodarg, den ich ziemlich klug finde. Es gibt wahrscheinlich soviele Meinungen zum Coronavirus, wie es Virologen und andere Wissenschaftler gibt. Allmählich bin ich aber der Links müde. Es ist ja ohnehin immer ein Schlagabtausch an Argumenten, das kenne ich aus den ermüdenden Diskussionen der Marxisten, die nie zu einem Ende führen, weil es auf jedes Argument ein Gegenargument gibt.

Aber diesen hier möchte ich selbst empfehlen: https://charleseisenstein.org/essays/the-coronation/?_page=6

Den Text findet ihr da auch auf Deutsch. Charles Eisenstein gelingt es mal wieder, die ganze sogenannte Coronakrise auf eine andere und viel umfassendere Art zu sehen als alle Zeitungen und Nachrichtensendungen, mit denen wir tagtäglich zugepfeffert werden. Das ist schön und ermutigend.

Was fange ich mit meinem Leben in Zeiten des Coronalockdowns an? Eigentlich habe ich alle meine Routinen beibehalten. Meine tägliche Yogapraxis habe ich erweitert, das kann nicht schaden. Ich bin viel im Garten. Ich lese, stricke, schaue viel in die Landschaft, mache Spaziergänge, fahre mit dem Fahrrad, telefoniere mit Mutter, Kindern, Freundinnen, erlaube mir faul zu sein.

Und ich nehme wahr, daß wir einen schönen Frühling haben. Das Frühlingsgrün hat diese besondere Leuchtkraft, für die mir immer das Wort „ekstatisch“ einfällt. Vor zwei Tagen sah ich einen bunten Stieglitz im Quittenbäumchen sitzen und wunderschön singen. Die erste Rauchschwalbe zog ihre Kreise mit lautem Zwitschern über dem Garten, die Bienen fliegen und warmer Honig-Propolis-Duft strömt aus dem Flugloch. Es ist einfach nur schön.

Ostern war ich in Flensburg, wir hatten eine gute Zeit trotz Lockdown und Abstandhalten. Man hat ja diese ganzen restriktiven Maßnahmen eingeführt, um das Gesundheitswesen nicht in den Kollaps zu reißen. Was dabei gar nicht erwähnt wird: das Gesundheitswesen lag lange vor Corona schon am Boden. Zuviel Arbeit und zuwenig Pflegepersonal. Das war bekannt und von der Politik billigend in Kauf genommen worden, als man um die Jahrtausendwende anfing, die Krankenhäuser zu privatisieren. Alle wussten, daß es dann schlechter werden würde und es ist schlechter geworden.

Und eins weiß ich sicher: sollte ich eine Coronainfektion mit Atemproblemen bekommen, will ich auf gar keinen Fall beatmet werden. Ein Laie kann nicht wissen, was für eine Strapaze das für einen Organismus ist. Beatmung heißt, in ein künstliches Koma mit all seinen Unwägbarkeiten versetzt werden, weil ein wacher Körper sich gegen die notwendige Intubierung wehren wird. Das weiß jeder, der mal was in den falschen Hals gekriegt hat. Ja, und wenn ich sterben sollte, dann ist das so. Mein Leben geht irgendwann zu Ende so wie unser aller Leben. Das ist evolutionär offensichtlich sinnvoll. Übrigens ist mir aufgefallen, daß etliche wirklich alten Leute gar keine Angst vor einer Coronainfektion haben. Auch meine Mutter, mittlerweile 93 Jahre alt, gehört dazu.

Surreal

Irgendwie fühlt sich das Leben gerade surreal an, das soziale Leben ist weitgehend zum Stillstand gekommen. Mein wöchentlicher Markttag ist in Zeiten von Corona nicht so der Genuss: ich habe mich noch nicht an die auseinandergezogenen Warteschlangen vor den Ständen gewöhnt, die Plexiglasscheiben in Gesichtshöhe an den Supermarktkassen. Letzten Donnerstag stand ich in der Schlange vor dem Zeitungsladen. Es darf ja jetzt nur jeweils eine Person in den Laden kommen. Ein Mann in meinem Alter sprintete an der brav wartenden Schlange vorbei und und in den Laden rein. Dabei rief er: „Ich habe das Geld passend.“ Da waren dann doch zwei Personen im Laden. Er kam mit Zeitung wieder raus. Die Frau hinter mir sagte säuerlich: „Er hätte doch davon ausgehen müssen, daß wir das Geld auch passend haben.“ „Einige Leute haben sich noch nicht an die neuen Gegebenheiten gewöhnt“, antwortete ich, aber das war nicht das, was sie hören wollte. Sie giftete weiter. Ich wollte mich nicht mit ihr gemeinsam aufregen. Natürlich war das frech von ihm, aber diesen großen Gehorsam finde ich auch besorgniserregend. Nach dem Markt kaufte ich mir einen Kaffee im Pappbecher (Nachhaltigkeit und Ressourcenschonen ist in Zeiten von Corona außer Kraft gesetzt), ein Croissant und eine Süddeutsche und frühstückte im Auto.

Ich bin ansonsten meistens zu Hause. Hier mache ich das, was ich jeden Tag mache, also die Alltagsroutinen. Ansonsten bin ich für meine Verhältnisse richtig faul, dümpele herum, schaue aus dem Fenstern, hänge meinen Gedanken nach, lese, stricke, streichele die Katze. Gestern habe ich Torta della nonna gebacken, mein dritter Versuch. Und dieses Mal gelang es mir endlich, den Teigdeckel heil auf die Vanillecremefüllung zu befördern. So hilft die Kontaktsperre mir, meine Konditorinnenkünste zu perfektionieren

Gestern sah ich auf pioneersofchange-summit.org ein ausführliches Interview mit David Holmgren, einem der beiden Begründer der Permakultur. Er ist ein sympathischer Mann, der viel lacht und dessen australisches Englisch ich sehr gut verstehen konnte. Er sagte zu den Problemen in der Welt, es gehe weniger darum, was wir angesichts z. B. des Klimawandels machen können, sondern was wir nicht machen. Sehr gut gefallen hat mir auch das Interview mit Susanne Fischer-Rizzi, deren Heilpflanzenbücher ich ziemlich gut finde. Sie hat so mitreißend gesprochen, mit einer solchen Liebe zur Erde. Sie möchte gern alle Menschen mit dieser Liebe anstecken und ich fühle eine große Verwandtschaft mit ihr.

Stille

In den letzten Tagen kam mir mein kleines Dorf noch stiller vor als all die Jahre. Der Acker hinter dem Garten wurde gespritzt, der Trecker war nicht leise. Trotzdem ist da diese Stille. Nachmittags machte ich mich bei schönstem Sonnenschein auf den Weg nach Selent. Der Autoverkehr hat sich stark reduziert. Bei Edeka waren nur wenige. Es war ein wenig unheimlich: wenn ich in den Gängen an jemand vorbei ging, bemerkte ich, wie der Andere sich quasi zusammenzog, um mich nicht versehentlich zu berühren. Auf der Straße sahen die Leute weg und grüßten nicht, als sei auch Freundlichkeit schon eine Gefahr. Die Süddeutsche Zeitung war bei Edeka ausverkauft. Ich ging zur Tankstelle. Mein Versuch, mit dem Mann an der Kasse einen kleinen Small Talk zu halten, wurde von seiner Seite mit einem unfreundlichen Grunzen gestoppt.

Heute rief ich in meiner kleinen Stammbuchhandlung an, um das neue Buch von Charles Eisenstein zu bestellen: Wut, Mut, Liebe. Die Buchhändlerin verkauft zur Zeit vorbestellte Bücher an der Tür. Sie sagte, daß ihr deswegen mit einer Anzeige gedroht worden sei. Lebensmittel dürfen weiter verkauft werden (und Klopapier, wenn welches da ist – was machen die Leute eigentlich mit den Unmengen Klopapier? Die Franzosen kaufen angeblich verschärft Rotwein und Kondome, was ich eher nachvollziehen kann). Ich plädiere dafür, auch Bücher zu den Lebensmitteln zu rechnen. Natürlich kaufe ich kein Buch bei dem bekannten Onlinehändler mit dem schlechten Ruf, ich unterstütze lieber diejenigen, die sich jetzt vor der Insolvenz fürchten.

Wohlmeinende Menschen schicken mir Links zu irgendwelchen Youtube-Videos, die ich mir unbedingt angucken soll. Das Ansehen von Videos macht mich schnell ungeduldig. Ich glaube, es gibt in mir eine innere Abwehr, mich auf noch mehr Informationen einzulassen. Ich bin voll mit Informationen. Es reicht mir, ich habe keine Lust mehr, mich mit den unterschiedlichen Meinungen zum Coronaviruas zu befassen. Was ist richtig, was falsch? Ich weiß es nicht und ich glaube, ich stehe nicht allein damit in der Welt. Keine Regierung weiß es, alle Maßnahmen sind nur Versuche, aus Hilflosigkeit geboren.

Und währenddessen ist hier der Frühling eingezogen. Alles ist so hell und schön. Ich habe die Fenster geputzt, so kann die Sonne mit ihrem vollen Glanz in die Wohnung scheinen. Ich esse gut (heute selbstgemachte Käsespätzle und Krautsalat), ich lese, ich stricke, ich sitze im Garten und bin ganz zufrieden mit dem Leben.

Auf dem Weg nach Selent habe ich an mehreren Stellen Märzveilchen gefunden. Die habe ich schon jahrelang nicht mehr gesehen.

Retreat

Heute Morgen wachte ich mit dem Wort „Corona-Retreat“ auf. Das gefiel mir und so langsam komme ich auf den Geschmack. Klopapier habe ich jedenfalls genug im Haus (12 Rollen und zur Not gehen auch alte Zeitungen). Die Sonne schien, ich saß im Schuppen und sah in die Landschaft. Ein winziger Zaunkönig kam, hielt sich am Holz der Türöffnung fest und schmetterte laut ein fröhliches Lied. Auf dem Boden saß die Zaunkönigin und hörte zu.

Die Bachstelzen sind zurückgekommen, ebenso das Gartenrotschwanzpärchen, die Bienchen flogen und brachten leuchtendorange Krokuspollen nach Hause, Lerchensporn, Wiesengoldstern, kleine wilde Tulpen und Blausterne blühten. Es war so schön draußen und ich konnte machen, was ich wollte. Keine Verpflichtung, keine Termine. Ich putzte Küche, Bad und Flur, machte Wäsche, hackte Holz, bügelte und backte eine Käsetorte. Jetzt kann der Frühling kommen.

Die freundliche Bitte um Veränderung bringt uns nicht weiter. Wir brauchen Meuterei. (Laurie Penny)

Corona #5

Am Mittwoch traf ich die spontane Entscheidung, nach Flensburg zu fahren. Das war eigentlich der Plan für die nächste Woche. Angesichts der sich täglich verschärfenden Anti-Corona-Maßnahmen rechne ich dann aber mit Ausgangssperren wie in Bayern und Österreich. Auf der Autobahn hörte ich das Interview mit dem Virologen Drosten. Meine Tochter versorgte mich mit einer der Gegenstimmen, der des ehemaligen Arztes Wolfgang Wodag, der konträre Ansichten vertritt. Es gibt soviele unterschiedlichen Meinungen zum Thema. Ich bin es allmählich leid, mich mit diesen ganzen Stellungnahmen zu befassen. Ich glaube, keiner weiß richtig Bescheid. Ich glaube an Herdenimmunität und hielte es für besser, den Menschen, die zur Risikogruppe gehören, die Entscheidung selbst zu überlassen, ob sie unter Leute gehen oder nicht. Aber ich habe mich jetzt auch entschlossen, mich dem Nicht-Wissen hinzugeben und gespannt zu verfolgen, wie es weitergeht.

In Flensburg hatte ich jedenfalls eine gute Zeit. Gestern Vormittag gingen wir in die Stadt. Das Café K. verkauft Getränke und Speisen zum Mitnehmen. Ob sie sich damit in den nächsten Wochen über Wasser halten können? Wir kauften aus Solidarität und weil wir Lust darauf hatten, das französische Frühstück mit Croissant, Brioche und Maronencreme, dazu einen sehr leckeren Galao. Auf dem Markt war Betrieb, aber bis auf Drogerien, Supermärkte und Apotheken waren alle Läden geschlossen. Viele hatten Schilder in die Fenster gehängt und boten Lieferservice an. Die Leute lassen sich was einfallen. Not macht erfinderisch.

Abends sahen wir Solaris von Andrej Tarkowski auf DVD. Das ist ein alter Film, den ich mindestens schon dreimal gesehen habe und jedes Mal entdecke ich noch etwas Interessantes. Das Remake von Steven Soderbergh mit George Clooney kann nicht mithalten, ist halt ein typischer Hollywoodfilm. Im Vergleich zu neueren Filmen ist Solaris langsam. Dadurch dringen die Bilder viel tiefer. Aber vor allem die Idee vom lebendigen Ozean auf dem Planeten Solaris, der die tief verborgenen Bewusstseinsinhalte der Bewohner der Raumstation materialsieren kann, fasziniert mich sehr. Vorlage für den Film war der gleichnamige Roman von Stanislaw Lem, der auch sehr lesenswert ist.

Heute fuhr ich von Flensburg direkt auf den Markt in Kiel. An den Ständen standen lange Schlangen, die Leute bemühten sich um Abstand (2 m wurde empfohlen). Als ich an meinem Gemüsestand zur Metallschale griff, um wie sonst Gemüse darin zu sammeln, hielt einer der Verkäufer sie fest und wies mich darauf hin, daß die gewohnte Selbstbedienung nicht mehr möglich sei. Am Käsestand lehnte man meine mitgebrachte Dose ab und wickelte den Käse in Papier und in den Zeitungsladen durften immer nur zwei Menschen gleichzeitig. Katjas Einweihungsparty für ihre neuen Räume wurde abgesagt, ebenso Yoga.

Wer weiß, wozu das alles gut ist. Was wird uns dieses Virus bringen? Auf jeden Fall schon mal Entschleunigung und eine deutliche Entlastung unserer Mitwelt. M. zeigte mir Fotos von den Kanälen in Venedig: sauberes Wasser. Das Wegbleiben der Touristen zeigt schon Wirkung. M. war im November anlässlich der Biennale in Venedig und hatte die Stadt als dreckig und voll und die Kanäle als stinkend in Erinnerung.

Corona #4

Eigentlich wollte ich gar nichts mehr zum Thema, das alles beherrscht, schreiben. Es gelingt mir nicht. Heute hätte ich in Kiel einen Termin bei meiner Osteopathin gehabt. Sie war nicht da. Später stellte sich heraus, daß sie mir per SMS abgesagt hatte, allerdings unter meiner längst nicht mehr aktuellen Handynummer. Nicht weiter schlimm: ich ging am Blücherplatz frühstücken. Dort bekam ich einen Platz zugewiesen und musste mich auf einer Liste mit vollem Namen und Telefonnummer eintragen. An der Holtenauer Straße waren etliche Geschäfte schon geschlossen. Im Bioladen standen an beiden Kassen so lange Schlangen, wie ich das noch nie erlebt habe. Es stimmt also mit den Hamsterkäufen. Da man in den nächsten Tagen mit Ausgangssperren wie in Bayern rechnen muss, bin ich so froh, daß ich in einem gottverlassenen Dorf lebe. Wenigstens kann ich hier ungehindert frische Luft schnappen.

Im Radio hörte ich einen sehr zutreffenden Kommentar aus irgendeiner polnischen Zeitung: Angesichts des Klimakollapses zeigen sich die Regierungen weltweit quasi handlungsunfähig, aber angesichts der Coronapandemie ist ein in atemberaubendem Tempo stattfindender Lock down ohne Weiteres machbar. VW macht freiwillig ja schon mal den Anfang und setzt die Produktion von Autos aus, leider nicht wegen der Klimakrise.

In der Süddeutschen Zeitung von heute steht im Feuilleton ein sehr genialer Artikel von René Schlott, der mir zu 100% aus der Seele spricht. Ich würde ihn gern vollständig zitieren, was leider nicht geht. Hier eine Kostprobe:

Um jeden Preis?

Die offene Gesellschaft wird erwürgt, um sie zu retten. Ein besorgter Zwischenruf.

(Die Bundeskanzlerin appelliert an die Bevölkerung), jeder solle seine sozialen Kontakte „weitgehend einstellen“. Diese Empfehlung ist ungefähr so sinnvoll, wie die Fische zu bitten, das Wasser zu verlassen, um ihr Überleben zu sichern…

…Der Staat setzt die Menschen einem Experiment mit völlig ungewissem Ausgang aus. Mit atemberaubender Geschwindigkeit und mit einer erschütterndern Bereitwilligkeit seitens der Bevölkerung werden Rechte außer Kraft gesetzt, die in Jahrhunderten mühsam erkämpft worden sind: das Recht auf Versammlungsfreiheit, die Religionsfreiheit, das Recht auf Bildung, das Recht auf Freizügigkeit, die Freiheit von Lehre und Forschung, die Freiheit der Berufsausübung, die Gewerbefreiheit, die Reisefreiheit. Die Reaktionen auf diesen Artikel werden zeigen, wie es um die Meinungsfreiheit bestellt ist und inwiefern vom Primat der epidemologischen Kurve abweichende Einstellungen noch toleriert werden…

…Auf dem Smartphone ploppt der Hinweis auf ein Interview mit dem Titel „Notfalls dürfen Beamte Zwang anwenden“ auf. Was, wenn wir eines Morgens in einer Gesundheitsdiktatur aufwachen?

Die erwähnte Gesundheitsdiktatur ist das, was ich am meisten fürchte. Ich bin bekanntermaßen keine Freundin der Schulmedizin, und das geht auf meine eigenen Erfahrungen zurück. Zu oft habe ich als Patientin bevormundendes und übergriffiges Verhalten erlebt. Das fing an, als die bereits einsetzende Geburt meines Sohnes 1974 mit Wehenhemmer unterbrochen wurde, weil die Hebamme gerade ins Bett gegangen war. Das Empörende daran war, daß ich über diese Maßnahme gar nicht in Kenntnis gesetzt wurde: ich bekam eine Spritze und erfuhr erst hinterher, wozu. Hätte man mich vorab darüber informiert, wäre ich in ein anderes Krankenhaus gefahren. Später bekam ich einen Dammschnitt, weil das damals routinemäßig so gemacht wurde, auch ohne mich darauf vorzubereiten: ich sah, wie die Hebamme die Schere zwischen meinen Beinen ansetzte, und dann war es schon geschehen. Ich bekam die Lachgasmaske mit Gewalt aufs Gesicht gedrückt, obwohl ich mich mit aller Kraft dagegen wehrte, während der Arzt den Dammschnitt nähte. Ich kann noch mehrere solcher Geschichten aufzählen, u. a. mit einer Kinderärztin, die während einer Keuchhustenwelle meiner Tochter prophylaktisch ein Antibiotikum geben wollte, damit es zu keiner Infektion käme. Ich habe damals sofort den Kinderarzt gewechselt. Als ich mit einer schweren Pankreatitis im Krankenhaus lag, habe ich so ungeheuerliche Erfahrungen von Überwältigtwerden und Nichternstgenommenwerden erlebt, daß ich mich damals komplett von der Schulmedizin abgewendet habe.

Der ehrgeizige Herr Spahn hat offensichtlich politisch noch viel vor. Die Zwangsimpfung gegen Masern hat er ja schon erfolgreich durchgedrückt. Das nächste wird dann wohl die Zwangsimpfung gegen Corona sein.

Ich kann nur sagen: Leute, seid doch nicht so gehorsam. Denkt selber! Lernt eure Körper richtig kennen, die sagen meist ganz deutlich, was sie brauchen. Lernt eurer Intuition zu folgen. Habt Vertrauen ins Leben. Das Coronavirus ist nicht unser Feind. Diejenigen, die uns einreden wollen, sie wüssten, was für uns das Beste sei und das sei zur Zeit, daß wir uns voneinander isolieren, sind unsere Feinde. Wir sind Herdentiere, wir brauchen einander, und Isolation macht uns krank.

Corona #3

Ich machte einen Ausflug ins Nienthal, ein Stück Land in der Nähe von Lütjenburg, das von der Stiftung Naturschutz gekauft und weitgehend sich selbst überlassen wird. Einige Hochlandrinder leben ganzjährig und artgerecht auf den steilen Hängen. Sie werden nicht gefüttert, nicht enthornt und tragen auch keine hässlichen Ohrmarken. Als ich mich ihnen näherte, kam eines auf mich zu. Ich sagte: „Ich darf dich nicht streicheln.“ Das hatte ich gerade auf dem Schild am Gatter gelesen. Da setzte sich das Tier sehr schnell in meine Richtung in Bewegung, und ich ahnte, daß es gar nicht gestreichelt werden sondern mir klarmachen wollte, daß ich besser Abstand halte. Ich wendete mich ab, und das Rind fing wieder an friedlich zu grasen. Ich fand den Ausgang nicht, aber zurückgehen wollte ich nicht: ich war auf dem Hinweg bis über die Knöchel im Morast versunken und hatte meine Wanderstiefel in einem Teich einigermaßen gesäubert. Also kroch ich unter dem Stacheldraht auf einen Rapsacker, der mit irgendwelchen Giftgefäßen von BASF bestückt war. Am Eiszeitmuseum hätte ich gern einen Kaffee getrunken, aber es war geschlossen wegen Corona. In Lütjenburg hatte ein Café geöffnet. Dort las ich in der Zeitung, daß Wirte ihre Tische jetzt 2 Meter auseinander stellen sollen, auch wegen Corona. Und im Radio hörte ich, daß in Österreich die Leute nur noch in bestimmten Fällen ihr Haus verlassen dürfen. Da kann ich nur lachen: soviel Polizei habt ihr gar nicht, daß das lückenlos überwacht werden kann. Wie wäre es, einfach mal zu akzeptieren, daß das Virus da ist und unseren Immunsystemen den Kontakt mit ihm zu gönnen, denn dann kann es ihm bei der nächsten Welle gut gerüstet begegnen. Es sterben Menschen daran, ja. Wir alle werden irgendwann mal sterben. Das ist heutzutage ein Tabu. Warum eigentlich? Ich glaube, wer Angst vorm Tod hat, hat auch Angst vor echter Lebendigkeit. Ich glaube nicht, daß das Coronavirus mich töten wird, aber mir kann schon morgen ein Dachziegel auf den Kopf fallen. Nicht, daß ich mir das wünsche, aber ich hätte auf jeden Fall mein Leben voll und ganz gelebt.

Heute telefonierte ich mit E., der einen Bioladen hat. Er ist dabei, auf unverpackte Ware umzustellen. Das ist sehr schwierig, besonders wenn man wie er auf Plastikcontainer verzichten will. Ihm werden allerstrengste Hygienemaßnahmen vorgeschrieben, mit Extraraum und Spülmaschine. Meine Güte, als ich ein Kind war, gab es im Krämerladen gegenüber fast alles lose. Da wurden Kaffee und Zucker und Mehl in Papiertüten gepackt. Keiner trug dabei Plastikhandschuhe, und Desinfektinsmittel waren auch noch nicht auf dem Markt. Und mir scheint, die Menschen waren damals insgesamt gesünder, wahrscheinlich weil ihr Immunsystem gut durchtrainiert war. Wenn in der Schule die Masern ausbrachen, regte sich niemand auf. Kinderkrankheiten waren normal, sie kamen und sie gingen. Hatte man sie einmal gehabt, hatte man lebenslänglich seine Ruhe.

E. findet übrigens, daß dieses Virus die Chance mit sich bringt, sich mal mit dem Thema Tod und Sterben zu befassen. Genau so sehe ich das auch. Leider schwingt mittlerweile auch Campact die Moralkeule und unterstützt die staatliche Reglementierung mit der Begründung, es ginge um Solidarität mit den Alten und Gefährdeten. Meint ihr im Ernst, es fördere die Gesundheit, wenn Menschen sich voneinander isolieren und wie in Österreich nicht mehr an die frische Luft gehen dürfen? Ihr seid doch von allen guten Geistern verlassen! Wenn Menschen Angst vor Ansteckung haben, könnten sie sich entscheiden zu Hause zu bleiben. Der Rest könnte eine solide Herdenimmunität bilden.

Gestern habe ich etwas Schönes in der Oya gelesen: ein Interview mit einer jungen Frau, die eine Ausbildung zur Hebamme macht, allerdings nicht an einer staatlich anerkannten Schule, sondern bei einer Gruppe von erfahrenen Hebammen aus verschiedenen Kulturkreisen. Das ist in Deutschland illegal, andrerseits haben Frauen es zunehmend schwerer, überhaupt eine Hebamme zu finden und sind immer mehr den Klinikärzten ausgeliefert. Früher waren Hebammen erfahrene Frauen aus der Nachbarschaf. Sie wussten, daß die meisten Kinder von allein kommen und die Gebärende eigentlich nur ab und zu mal ein aufmunterndes Wort und eine warme Hand braucht. Ich finde es gut und ermutigend, daß diese junge Frau die Ausbildung macht und damit einen großen Beitrag zur Selbstermächtigung der Frauen leistet. Mit meinen Kräuterkursen habe ich den gleichen Ansatz: es ist mir so wichtig, Menschen die Verantwortung für und das Vertrauen in ihre Körper wieder zurückzugeben. Ein Beispiel: viele Frauen haben mit immer wiederkehrenden Blasenentzündungen zu tun. Wenn ich sie dann frage, was sie bisher gemacht haben, höre ich immer, daß sie Antibiotika genommen haben. Wenig später kommt die nächste Blasenentzündung. Dann gibt es wieder Antibiotika. Sehr häufig bringen Behandlungen mit Antibiotika Folgekrankheiten mit sich: Candida albicans und Durchfall. So geht das immer weiter, oft über Jahre. Im schlimmsten Fall schlägt der Arzt eine OP vor, die in der Regel auch nicht den gewünschten Effekt hat. Es ist eine Dauerleidensgeschichte, die manche Frauen durchmachen. Dabei können Blasenentzündungen ganz prima und effektiv mit Kräutern behandelt werden. Ich hatte meine letzte vor ungefähr 25 Jahren und habe sie erfolgreich mit einer selbst zusammengestellten Teemischung behandelt. Übrigens kann man auch Vaginalpilze sehr gut und nachhaltig mit Heilpflanzen behandeln.