Corona #2

Heute habe ich unsere Familienreise ins Elsass storniert. Wir wollten in zwei Wochen nach Barr fahren, die Gegend erkunden und in den Vogesen wandern. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, die Kirche von Andlau wiederzusehen: den Bärenfelsen in der Krypta, das Tierfries an der Außenmauer und das riesige Bild der schamanischen Richardis mit ihrer Bärin. Richardis wurde ebenso wie Odile mit haarsträubenden Schauergeschichten zur christlichen Heiligen umgedreht. Ich hatte mich auch auf die gute elsässische Küche und die Gelegenheit Französisch zu sprechen gefreut . Gestern Abend hörte ich im Radio, daß die französische Regierung Grenzschließungen erwägt. Und ich möchte lieber zu Hause unter Quarantäne stehen als im Elsass.

Gestern traf ich mich mit einer Freundin zum Kaffee. Sie hat Angst vor dem Virus. Ihr Gesundheitszustand ist nicht der beste und sie fürchtet sich vor einer weiteren Einschränkung ihrer körperlichen Möglichkeiten. Angesichts meiner Unbekümmertheit wandte sie ein: „Aber die vielen Toten!“ Aber tatsächlich weiß keiner, wie hoch die Todesrate wirklich ist. Wie bei einer Influenza haben natürlich ältere und geschwächte Menschen ein höheres Risiko in Folge einer Infektion zu sterben. Im Radio berichtete man, daß Italien 15 000 Coronainfizierte hat, auf die 1000 Todesfälle kommen. Das wären dann ca. 7%. Aber kein Mensch weiß, wieviel nicht registrierte Krankheitsfälle es gibt. Dann relativiert sich das mit der Sterblichkeit schon wieder.

Böse Zungen reden davon, daß der Coronavirus gezüchtet wurde, um Menschen an Zwangsmaßnahmen wie in Diktaturen zu gewöhnen. Andere argwöhnen, daß der Virus dazu dient, in Zukunft Zwangsimpfungen durchführen zu können. Ich bin keine Anhängerin von Verschwörungstheorien. Dazu müsste es ein globales Mastermind geben, das sich alle möglichen Szenarien und ihre Folgen ausdenkt. Wir Menschen sind aber – zumindest in unserem Kulturkreis – gänzlich unfähig, die Konsequenzen unserer Handlungen für die nächsten sieben Generationen abzuwägen, sonst hätten wir jetzt keinen menschengemachten Klimawandel, kein Plastikmüllproblem, keine Nitratbelastung, kein Glyphosat und weder Atomkraftwerke noch Atombomben, ganz zu schweigen von Nationalismus und anderen völlig überflüssigen Sachen. Daß der Coronavirus aber das gefundene Fressen für die Pharmakonzerne ist und die sicher schon ganz heiß darauf sind, einen Impfstoff zu entwickeln, dafür braucht man keine Verschwörungstheoretikerin zu sein.

Ich habe keine Ahnung, was dieses Virus uns bringen wird. Grundsätzlich bin ich ja der Ansicht, daß nichts ohne Grund existiert, auch Viren nicht. Wir reagieren erst mal wie auf alles Fremde: mit Angst und Abwehr. Es klingt vielleicht ungewohnt oder sogar verrückt: wie wäre es, wenn wir dieses Virus willkommen heißen? Wir können es ja nicht besiegen. Selbst der Versuch der Politiker, seine Ausbreitung zu verlangsamen, ist fraglich. Für mich sieht das so aus, als wolle man die einzelnen Zellen eines Körpers voneinander isolieren. Wir sind doch ein einziger globaler Organismus. Keine Zelle kann ohne die anderen leben. Der Gedanke von K., daß die ganzen Quarantänemaßnahmen eine weitere Zuspitzung der Story of Seperation sind, ist bedenkenswert. Was wäre, wenn wir die Begegnung mit dem Virus nutzen, um zum Wesentlichen zu kommen? Zu uns selbst, zum Kontakt mit Anderen – und damit meine ich auch zur mehr-als-menschlichen Welt?

Die Flyer für meine diesjährigen Kräuterkurse sind fertig und Lenchen hat es sich im Deckel des Kartons bequem gemacht.

Was hält mich gesund? In den letzten Tagen habe ich so viele erfreuliche kleine Sachen in meinem unspektakulären Alltag erlebt, viel gelacht, mich jeden Tag darüber gefreut, daß es so schön bei mir zu Hause und in dieser Landschaft ist – das hält mich gesund. Und dazu gehört auch die Nähstube, die ich mittlerweile jeden Dienstagnachmittag besuche. Sie wurde von einer Mitflüchtlingshelferin vor ein paar Jahren auf die Beine gestellt, als Ort, wo geflüchtete und deutsche Menschen zusammen zu nähen und sich austauschen. Das war eine richtig gute Idee. Zur Zeit arbeite ich an einem Sommerkleid aus Leinen. Ich kann mir Tipps von näherfahreneren Frauen holen, man erzählt sich Geschichten, hilft sich gegenseitig beim Abstecken und holt sich Rat. Frauen bringen Kuchen mit und zeigen ihre selbstgenähten Sachen. Schnittmuster werden ausgetauscht. Es gibt viel Lob und Zuspruch, es wird laut und durcheinander geredet. Das macht Spaß und gehört für mich zu dem, was wesentlich im Leben ist.

Corona

Heute Morgen hörte ich im Radio, daß die Bauern mal wieder eine Treckerdemo veranstalteten. Ich hätte es gern vermieden in die Stadt zu fahren, aber ich hatte eine Verabredung in Kiel, außerdem ist heute mein Markt- und Einkaufstag und mein Kühlschrank war leer. Ich vermied also die B76 weitgehend und fuhr über Wellingdorf und das Ostufer Richtung Innenstadt. Ja, und da stand ich dann. Eine schier endlose Schlange von HighTech-Treckern, die bestimmt Vermögen gekostet haben, fuhr Richtung Landeshaus, eskortiert von der Polizei. Als ich die Plakate las, kochte in mir kalter Zorn hoch. Ich kann dieses Opfergelaber nicht mehr hören: die Bauern jammern herum, daß sie nicht mehr soviel Gülle ausbringen dürfen und zurückhaltender mit Glyphosat und dergleichen sein müssen. Mit anderen Worten: sie demonstrieren dafür, daß sie ihren Vernichtungsfeldzug gegen die Natur fortsetzen dürfen. In meinen Augen ist das eine groteske Dummheit: sie schaden sich doch letztendlich selber. Und sie lamentieren, daß ihnen keine Wertschätzung entgegengebracht wird. Nee, die bekommt ihr von mir erst dann, wenn ihr aufhört uns alle zu vergiften und Tiere unter entsetzlichen Bedingungen zu halten und stattdessen ökologisch arbeitet. Daß das geht, zeigt der indische Bundesstaat Sikkim, der ab 2003 schrittweise zu Ökolandbau überging und seit 2016 zu 100% biologisch anbaut. Vielleicht mal von anderen Ländern lernen? Mir ist schon klar, daß unsere Politiker wenig dafür tun, daß sich das Blatt wenden kann: wie wäre es, die Agrarsubventionen zurückzufahren und stattdessen Bauern zu unterstützen, die Biolandbau betreiben wollen? Und natürlich sind die Menschen gefragt, die meinen, daß man Fleisch und andere Nahrungmittel für Centbeträge kaufen können muss. Für jeden Scheiß ist Geld da: für’s neue Smartphone, für Klamotten (die natürlich auch billig sein müssen), für allerhand Schrott, den eigentlich keiner braucht.

Mittags traf ich mich mit K. zum Essen. Das war schön. Wir umarmten uns zur Begrüßung genüsslich wie immer trotz Coronavirus, und wie ich hatte sie kein bisschen Angst vor ihm, obwohl seit Wochen in zunehmend hysterischer Weise über seine Ausbreitung berichtet wird. Neulich bekam ich mit, wie einige meiner Mitflüchtlingshelferinnen mit mitgebrachten Desinfektionsmitteln hantierten und jeglichen Körperkontakt ablehnten. Ich mag diese Frauen und sagte ganz freundlich: „Ihr tut euch nichts Gutes mit diesen Desinfektionsmitteln. Ihr sorgt nur damit, daß noch mehr Resistenzen entstehen. Wascht euch die Hände und zwar mit richtiger Seife, nicht mit diesen Flüssigseifen aus Plastikflaschen, die angeblich hygienischer sein sollen als Seifenstücke und noch mehr Müll produzieren.“ Ich glaube nicht, daß meine Worte auf fruchtbaren Boden fielen. Das Schlimmste ist die Angst: die macht krank.

Auch im Radio wird Angst geschürt: eine Moderatorin stellte ihrem Gesprächspartner die völlig legitime Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn man dem Coronavirus einen schnellen Durchlauf erlaubte, um zu einer Herdenimmunität zu kommen. Der, wahrscheinlich ein Arzt, fand diese Idee „egoistisch“, genau wie „Masernparties“. Egoistisch fand er aber auch, daß die Leute Hamsterkäufe machen. Ja, was denn jetzt? Natürlich decke ich mich mit Grundnahrungsmitteln und Klopapier ein, wenn ich damit rechnen muss, demnächst unter Quarantäne gestellt zu werden.

K. liest gerade Charles Eisensteins Klima – eine neue Perspektive und ist davon genauso inspiriert wie ich. Sie hatte eine interessante Idee: daß nämlich der Umgang mit dem Coronavirus in die Story of Seperation passt, von der Charles Eisenstein spricht. Die Regierenden handeln in der Logik dieser Geschichte der Trennung, die alles Fremde, alles Natürliche als potentiell gefährlich einstuft und automatisch in den Kriegsmodus schaltet. Auf einer anderen Ebene sehen wir das gerade auch an der Grenze zwischen Türkei und Griechenland. Ach, es ist so abscheulich, daß ich manchmal nur schreien möchte.

Was ich zum Virus denke? Ich habe positiven Respekt vor Viren jeglicher Art. Sie scheinen eine ganz eigene und uns fremde Intelligenz zu haben. Bei den Kinderkrankheiten, die ja mittlerweile zunehmend durch Zwangsimpfungen verhindert werden (siehe Masern), scheinen Viren eine entwicklungsfördernde Wirkung zu haben. Das ist meine Erfahrung bei meinen Kindern, die alle Kinderkrankheiten bekommen durften. Daß eine Masernerkrankung tödlich oder mit Komplikationen verläuft, kommt extrem selten vor. Ich vermute, daß Viren eine wichtige Rolle in der Evolution spielen. Ich glaube, daß bei einer Virusinfektion eine Art von Kommunikation mit dem Immunssystem stattfindet. 1987, als ich in meiner Körpertherapie an einem entscheidenden Punkt angekommen war, erkrankte ich an Influenza mit 40° C Fieber. Ich lag drei Tage flach und machte nichts als vor mich hindämmern und ab und zu etwas zu trinken. Ich nahm natürlich keine Medikamente und gab mich völlig dem Geschehen hin, schon weil auch gar nichts anderes möglich war. Diese Zeit war der Wendepunkt meiner Therapie. Seitdem habe ich ein ausgesprochen positives Verhältnis zu Viren. Ich hatte aber auch Glück mit meiner Herkunftsfamilie, in der solche Krankheiten immer sehr entspannt behandelt wurden: Bettruhe, vielleicht mal ein Wadenwickel und Wunschkost, wenn der Appetit zurück kam. Da gab es einfach dieses Vertrauen: Krankheiten kommen und gehen, sie gehören zum Leben dazu. Und der Tod auch irgendwann einmal.

Ich befasse mich gerade ganz praktisch mit dem Wurzelchakra, daß am unteren Ende der Wirbelsäule liegt, da wo sich auch unsere Fortpflanzungs- und Ausscheidungsorgane befinden. Das ist der Ort des Urvertrauens. Ich glaube, dieses Urvertrauen ist bei den meisten Menschen massiv gestört und unsere Kultur sorgt dafür, daß keine Heilung stattfinden kann.

Luisa Francia schreibt mir auf www.salamandra.de zum Thema Coronavirus aus der Seele (vor allem ihr Post vom 4.3.). Und zum Wurzelchakra fand ich heute (welche Synchronizität!) auch was Schönes bei Ilan Stephani: https://www.kalis-kuss.de/texte/erstes-chakra-urvertrauen

Das Wurzelchakra verbindet uns mit der Erde. Offensichtlich praktiziert Lenchen das auf ihre eigene Art

Qual

Campact hat mir eine Mail geschickt, in der zum Protest gegen die Kastenhaltung von Muttersäuen aufgerufen wird. Das dazu gehörige Bild einer in einen engen Käfig aus Eisenstangen eingesperrten Sau, der zwar den Ferkelchen erlaubt, an ihre Zitzen zu kommen, der Sau selbst aber kaum Bewegung, geschweige denn zärtlichen Körperkontakt mit ihren Kindern erlaubt, blieb in meinem Kopf, als ich ins Bett ging und war heute Morgen beim Aufstehen wieder da. Die Qual mitanzusehen, wie meine Gattung mit fühlenden Wesen umgeht, ist mal wieder kaum auszuhalten. Was kann ich tun? Ich finde, ich tue schon viel und es wird, je mehr ich weiß, immer mehr. Ich lebe weitgehend vegetarisch. Wenn ich Fleisch esse, muss ich wissen, daß es aus einigermaßen artgerechter Tierhaltung stammt. Das ist in der Regel nur bei Demeterfleisch der Fall. Und ich bin mir bewusst, daß nur wilde Tiere artgerecht leben können. Ich esse fast keinen Fisch mehr, obwohl ich ihn mag. Thunfisch ist schon seit vielen Jahren vom Speisezettel gestrichen, auch der angeblich delphinfreundlich gefangene. Fische aus anderen Ländern kommen gar nicht in Frage. Wenn eine weiß, daß die europäischen Fangtrawler die afrikanischen Küsten leerfischen und den einheimischen Fischern nur noch die Flucht nach Europa bleibt (wenn sie das Geld haben, Schleuser zu bezahlen), vergeht einer der Appetit. Ich esse keine Shrimps und Garnelen, auch nicht, wenn sie angeblich bio sind. Nordseekrabben sind auch gestrichen, weil die Fangmethoden verheerende Folgen haben. Dorsch, Schollen und Makrelen gehen ebenfalls nicht mehr. Sie stehen kurz vor der Ausrottung. Es bleibt für mich nur noch Hering, aber auch dessen Tage sind gezählt, weil ihm die Erwärmung der Meere nicht bekommt. Milch kaufe ich auf dem Markt beim Demeterbauern und gelegentlich von den Ökomelkburen, weil diese die Kälbchen bei den Müttern lassen.

Und um ehrlich zu sein, selten erlaube ich mir eine Ausnahme: wenn wir im Café K. in Flensburg frühstücken, esse ich gern den „Dänen“. Da gibt es ein paar Scheiben Lachs und Heringssalat. Auch Lachs kann ich eigentlich nicht verantworten, weil er aus Aquakultur kommt. Sie kann sich tausendmal ökologisch nennen, aber es ist einfach nicht artgerecht, diese wilden Fische, die natürlicherweise solch lange Wanderungen machen, in Käfigen zu halten, auch wenn die geräumig sind.

Jedenfalls habe ich beim Anblick dieser elenden gequälten Muttersau, deren einziger Lebenszweck die Produktion von billigen Fleisch ist, mal wieder den Gedanken gehabt, daß es gut ist, wenn die menschliche Gattung demnächst von der Erde verschwindet, einfach, damit diese unendliche Qual ein Ende hat. Übrigens sind diese Käfige in vielen europäischen Ländern längst verboten. Aber Deutschland hinkt mal wieder meilenweit hinterher, genau wie beim Tempolimit auf den Autobahnen und bei der Legalisierung von Cannabis (na, immerhin muss die Regierung endlich Dank eines richterlichen Urteils ihr Sterbehilfeverbot kippen). Und auch hier zeigt sich, daß Frauen keinesfalls die bessere Politik machen: Julia Klöckner als Landwirtschaftsministerin tritt konsequent in die Fußstapfen ihrer Vorgänger.

Neulich las ich in einer alten TAZ (die bekomme ich von I., um Feuer damit anzumachen) einen Artikel, in dem es um die Reaktionen von Menschen ging, die von der Autorin auf ihre unökologisches bzw. klimafeindliches Verhalten angesprochen wurden. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich es sinnvoll finde, in meinem Umkreis direkte Konfrontationen zu wagen, etwa: Ich finde es scheiße, daß du einen SUV fährst. Ist dir klar, daß die Tabletten, die du nimmst, unter entsetzlichen Bedingungen an Tieren getestet wurden? Findest du es in Ordnung, dich mit deinen billigen Klamotten zu brüsten, wo doch jeder weiß, daß sie unter Sklavenbedingungen hergestellt wurden? Weißt du, daß auch deine ganzen Kosmetika, Hairconditioner und dergleichen an Tieren getestet und für die rote Farbe deines Lippenstifts und Nagellacks Tausende Cochenilleläuse getötet wurden?

Ich werde das in dieser Form nicht machen. Menschen ändern ihr Verhalten nicht, wenn ihnen jemand so an den Karren fährt. Als ich noch starke Raucherin war, bin ich oft darauf angesprochen worden, daß das schädlich ist, oder Leute haben ihr Unverständnis geäußert, weil sie die Diskrepanz zwischen meinen ansonsten eher bewussten Lebensstil nicht mit einer so schlechten Angewohnheit wie Rauchen zusammenbringen konnten. Aber wie jeder Raucher, Alkoholiker, Drogensüchtiger wusste auch ich natürlich Bescheid, aber ich konnte einfach nicht aufhören. Ein Leben ohne Zigaretten war nicht denkbar. Bis es irgendwann dann doch ging.

Aber ich verkneife mir nicht, gelegentlich Hinweise zu geben wie neulich, als eine Bekannte mir mal wieder einen Link zu einem Youtube-Video schickte und ich sie in meiner Antwort auf das Shiftproject und Digital Detox aufmerksam machte. Sie antwortete mir mit dem alten Satz von Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Als ich diesen Satz in den 70er Jahren zum ersten Mal hörte, hat er mich sehr beunruhigt. Ich hatte damals noch keine Übung darin, die Meinungen von Denkerkoryphäen kritisch zu hinterfragen. Und auch wenn es angeblich bewiesen ist, daß das Verhalten der einzelnen Person kein bisschen am Klimawandel ändert, für mich macht es einen Unterschied. Das Gefühl von Ohnmacht und Ausweglosigkeit schwächt sich in dem Moment spürbar ab, in dem ich meinen eigenen Einsichten folgend handele. Ich lerne immer mehr dazu, werde immer konsequenter – und das fühlt sich richtig und gut an. Und auch wenn es mir oft verdammt schwer fällt, das zu akzeptieren: dasselbe muss ich Anderen auch zugestehen, jedem und jeder in seinem und ihrem Tempo. Auch ich bin, was Lebensstiländerungen angeht, noch längst nicht am Ende der Fahnenstange angelangt.

Verantwortung

Am Wochenende war ich in Flensburg. Es hat fast ununterbrochen geregnet. Eigentlich geht das schon den ganzen Winter so, aber laut einer Meldung im Radio sind die Wasserreservoirs nach den trockenen Sommern noch nicht wieder aufgefüllt. Mir geht es ja wie wohl den meisten Menschen: sonniges Wetter macht mir gute Stimmung. Aber mittlerweile nehme ich auch Regen ohne zu hadern. Wir leben in Zeiten des Klimawandels. Das einzig Sinnvolle, was ich tun kann, ist mit aller Leidenschaft zu leben und mich an dem zu freuen, was schön ist. Und das ist viel.

Wir sind also bei Regen nach Holnis gefahren, eine kleine Landzunge bei Glücksburg, die teilweise nur den Vögeln gehört, und haben dort einen Spaziergang gemacht. Ansonsten gab es gutes Essen wie immer: vormittags Frühstück im Café K., abends vegetarische Pasta bolognese mit Linsen zu Hause. Sehr lecker, ich werde es in mein Repertoire aufnehmen. Wenn man den Pecorino wegließe, wäre es vegan.

In der letzten Zeit kommt es mir so vor, als begegnete ich ständig Menschen, die in ihren negativen Mustern feststecken. Das sieht so aus: es geht einer Person schlecht, sie macht Andere dafür verantwortlich, daß eigene Erwartungen nicht erfüllt werden, die anscheinend die unverzichtbare Voraussetzung für das persönliche Wohlergehen sind. Wenn ich versuche, einen Perspektivwechsel herbeizuführen, stoße ich auf massiven Widerstand: nein, es ist immer schon schlecht gewesen, es wird nie gut werden, man war schon immer ungeliebt, hatte keine Freunde, wird nie welche haben usw. Ganz offensichtlich wurde ich da Zeugin, wie eine sich in eine handfeste Depression hineinschraubte. Ich habe schon mal gesagt, daß meiner Meinung nach Depression durch falsches Denken entsteht. Und bevor sich einige meiner Leser*innen jetzt vielleicht angegriffen fühlen, weil ich ihre Depression nicht als Krankheit sondern als fatale Angewohnheit sehe: Ich weiß, wovon die Rede ist, ich habe diese Zustände selber vor langer Zeit gewohnheitsmäßig gehabt und durch immer die gleichen Gedankenschleifen aufrechterhalten: Keiner versteht mich, keiner nimmt mich wahr, wie ich wirklich bin, keiner interessiert sich für mich, es liegt ein Fluch auf mir, für mich ist Glück in diesem Leben nicht vorstellbar. Ich kenne es, daß eine dann Verantwortliche sucht. Das sind im Zweifelsfall natürlich die Eltern, vor allem die Mutter. Dann kann man lange und ausführlich darüber lamentieren, was die Eltern alles falsch gemacht haben. Freund*innen, die noch nicht die Flucht ergriffen haben, bemühen sich dann vielleicht, eine auf bessere Gedanken zu bringen, aufzumuntern, Ratschläge zu geben. Aber damit scheitern sie in der Regel. Weil es da diese heimliche Sucht gibt, sich unglücklich zu fühlen. Weil es eine Art Lust ist, sich dem Elend hinzugeben, darin sozusagen zu schwelgen. Oft gibt es dann noch Streit, und ich behaupte, daß dieser Streit von der unglücklichen Person auch gewollt wird, nicht ganz bewusst, aber doch als Bestätigung für ihre Überzeugung, daß sie sowieso die ärmste Sau auf der ganzen Welt ist. Depression ist eine schlechte Angewohnheit, behaupte ich.

Bei mir kam der Wendepunkt Weihnachten 1985. Da bekam ich einen Brief von meiner Freundin P., die mir mitteilte, daß sie Weihnachten nicht mit mir verbringen wollte wie eigentlich geplant. Sie habe das Gefühl, daß unsere Wege auseinander gingen, sie fühle sich nicht mehr wohl in meiner Gegenwart. Die Depression, die danach folgte, war tief und düster. Aber anders als sonst gab es einen Teil in mir, der das Ganze beobachtete: wie ich mich mit meinen Gedanken in die Tiefe schraubte, wie die Musik, die ich hörte, mich vollends ins tiefe Loch rissen (Heart and Soul von Joy Division), wie all meine Energie in ein schwarzes Loch gezogen wurde. Und am nächsten Tag wusste ich mit großer Klarheit: ich will diese Zustände nicht mehr. Ich brauche Hilfe. Ich brauche eine Körpertherapie.

Von da an ging es aufwärts mit mir. Ja, es gab noch Zeiten, wo ich für kurze Zeit in mein altes Muster rutschte, aber der Bann war gebrochen, der ewige Grauschleier war verschwunden. Gelernt habe ich dabei, daß es gut sein kann, eine Person zu haben, die in diesem Prozess Hilfestellung gibt. Aber die Grundvoraussetzung ist der klare Wille, etwas Neues zu lernen und dran zu bleiben. Das ist Arbeit, die über Jahre geht und sie lohnt sich.

Im Nachhinein bin ich P. dankbar für ihren Brief. Wir waren danach keine Freundinnen mehr, aber sie hat mir die Verantwortung für mein Leben zurückgegeben. Und damit hat sie mich auf den Weg zur Heilung gebracht.

Veredeln und verbessern?

Die Mail einer meiner Leserinnen regt mich zu folgenden Erwägungen an: in der anthroposophischen Medizin und Landwirtschaft wird viel Wert darauf gelegt, der Natur entnommene Substanzen durch Bearbeitung zu verbessern, bzw. zu veredeln. Ich vermute, daß Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie seine diesbezüglichen Inspirationen aus der Alchemie bekommen hat.

Vorab: ich habe mit der anthroposophischen Medizin wesentlich bessere Erfahrungen als mit der Schulmedizin gemacht. Was die Landwirtschaft angeht, gibt es einige Methoden, denen ich folgen kann: z. B. das lange Rühren von Pflanzenbrühen und Tees, um die Substanzen zu potenzieren. Das wird ja auch in der Homöopathie gemacht, mit der ich übrigens gemischte Erfahrungen gemacht habe.

Es gibt da aber auch viel, was ich richtig falsch finde: z. B. wird in einem anthroposophischen Gärtnerbuch empfohlen, die Beete vor dem Winter umzugraben wegen der Frostgare. Oder man soll oft zu bestimmten Zeiten seine Beete durchhacken, um „kosmische Einflüsse“ in die Erde zu bringen. Das habe ich früher brav so gemacht (na ja, mit dem Hacken kam ich aus Zeitmangel nicht so richtig hinterher). Heute weiß ich, daß das Umgraben richtig schädlich ist, weil es die organische Ordnung des Boden völlig durcheinander bringt und Bodenorganismen massiv stört. Ich arbeite mittlerweile viel mit Mulch und hacke nur noch oberflächlich. Sehr harten Boden lockere ich, indem ich mit der Grabgabel reinsteche und sie einige Male vor und zurückbewege. Dann kann ich auch unerwünschte Pflanzen einigermaßen leicht rausziehen.

Wenn ich Pflanzentinkturen herstelle, setze ich auf Einfachheit. Das habe ich von Susun Weed gelernt, und es hat mir von Anfang an eingeleuchtet: ich lasse die frisch gesammelten und zerkleinerten Pflanzen zusammen mit hochprozentigem Alkohol (meistens ist das Wodka, manchmal Weingeist) in Gläsern auf der Fensterbank sechs Wochen lang ziehen und setze sie damit dem Einfluss von Sonne und Mond aus. Das genügt, um wirksame Medizinen herzustellen.

Ich finde nicht, daß wir Menschen kosmische Einflüsse in den Boden oder sonstwohin bringen müssen, damit etwas besser wird. Ich halte dieses Denken für überheblich, weil es voraussetzt, daß wir kleinen Lichter besser wüssten als die freie wilde Natur, was gut ist. Die kosmischen Kräfte kommen schon von selbst, wenn sie Lust dazu haben.

Wild und frei lebende Tiere wissen, welche Pflanzen sie bei Krankheiten zu sich nehmen müssen. Das funktioniert offensichtlich gut bei ihnen. Sie brauche keine Impfungen, keine Antibiotika, keine Hygienevorschriften, keine Desinfektionsmittel. Ja, und manchmal werden sie nicht wieder gesund und sterben. Das ist normal. Das ist das Leben. Erst wir Menschen haben alles so kompliziert gemacht. Gesünder sind wir dadurch nicht geworden, im Gegenteil.

Neulich hörte ich im Radio, daß man jetzt einen Impfstoff gegen Gürtelrose habe. Der ganze Bericht war übrigens eine einzige Warnung: Gürtelrose sei eine gefährliche Krankheit, sie sei hochansteckend (was absolut nicht wahr ist) und heile oft nicht aus. Dieses Hysterieschüren geht mir gewaltig auf den Geist, und ich frage mich, welche Pharmafirma da schon wieder hintersteht. Ich hatte vor zwei Jahren eine Gürtelrose, die ich ohne jegliche Medikamente auskuriert habe. Die Schmerzen waren moderat und es wurde nur dann unangenehm, wenn ich mich angestrengt hatte. Also folgte ich meinem Körper: ich ließ mich krank schreiben und erlaubte mir Ruhe, gutes Essen und trank Tees aus Mädesüß und Melisse. Außerdem vermied ich den Kontakt mit anstrengenden Menschen.

Mal wieder Sturm

Dieses freundliche Rind habe ich bei meinem Strandspaziergang letzte Woche getroffen

Vorgestern waren die Nachrichten voll mit der Ankündigung eines gewaltigen Orkans. Was mich daran nervt: ständig wird wegen irgendeiner Sache Panik geschürt. Meine Güte, wir leben im Norden, wo Stürme an der Tagesordnung sind. Die Menschen, die hier leben, wissen, was das bedeutet und richten sich darauf ein. Es ist ja eine richtige Sucht, alles Mögliche so dramatisch wie möglich darzustellen. Angst ist ein wichtiges Gefühl, das uns beim Überleben helfen kann, weil es die notwendige Handlungsenergie liefert. Panik ist (selbst)gemacht. Sie hilft nie weiter, sondern treibt Menschen entweder in die völlige Handlungunfähigkeit oder zu wenig sinnvollen Handlungen. Das bemängle ich auch an Greta Thunbergs oft wiederholtem Satz: „I want you to panic.“ Ich weiß, daß sie da von ihrer eigenen Panik redet und werfe es ihr daher nicht vor.

Ich jedenfalls liebe Sturm. Das ist so, seit ich Kind war. Ich habe Sturm als lebendige Wesenheit erfahren. Damit bin ich nicht allein: die westafrikanische Oya ist eine Sturmgöttin und auch im Deutschen findet sich im Begriff „Windsbraut“ eine Personifizierung des Windes. Daß es auch Anderen geht wie mir, habe ich gestern abend im Schleswig-Holstein-Magazin gesehen: die Menschen an der Westküste, die richtig glücklich aussahen, weil sie diese Naturkraft mit allen Sinnen erfahren durften.

Ich traf mich gestern nachmittag mit M. in Hohwacht zum Kaffeetrinken. Bei der Gelegenheit sah ich mal wieder, daß mir dieser Ort überhaupt nicht zusagt: so hundertprozentig touristisch, und jetzt hat man direkt am Strand mehrere schnieke Häuser errichtet, deren untere Etagen mit Sicherheit nach jedem größeren Sturm überflutet sein werden.

An der Steilküste von Hubertsberg

Dann fuhr ich allein nach Hubertsberg und machte eine Spaziergang an der Steilküste. Unten war es geradezu windstill. Auch das Meer wirkte fast glatt. Mir begegnete ein Paar, das offensichtlich Bernsteine im angeschwemmten Tang suchte und fand. Ich war ein bisschen neidisch, denn ich habe bis jetzt noch kein Auge für Bernstein, wohl aber für Lochsteine und Donnerkeile. An einer geeigneten Stelle kletterte ich nach oben. Da musste ich dann aber einen respektvollen Abstand zur Abbruchkante halten, weil der Sturm hier so stark blies, daß er mich mühelos in die Tiefe geweht hätte.

Auf dem Heimweg dämmerte es schon. Hinter dem Ortsausgangsschild von Selent in der Kurve standen drei Autos. Zwischen ihnen lag eine schenkeldicke Fichte. Ich schaltete die Warnblinkanlage an, zog mir tatendurstig schon mal meine Handschuhe an und stieg aus dem Auto. „Schaffen wir’s den Baum gemeinsam aus dem Weg zu räumen?“ fragte ich die Leute, die abgefallene Äste wegräumten. Aber natürlich hatten sie das schon vergeblich versucht. Einer telefonierte und sagte, daß die Feuerwehr gleich käme. Ich überlegte kurz, ob ich den Waldweg nehmen sollte, den ich immer zu Fuß nach Selent gehe. Aber da wäre ich wahrscheinlich im Schlamm versunken, und eine Garantie, daß dort keine weiteren umgestürzten Bäume lagen, gab es auch nicht. Also fuhr ich zurück bis Bellin und nahm den Feldweg von hinten ins Dorf. Das ging gut und dann machte ich es mir am warmen Ofen gemütlich und hörte dem Brausen des Sturms zu.

Ostsee bei Sturm

Kein Verständnis

Nachdem S. mir meine Homepage ganz neu gestaltet hat, muss ich mich an die neuen Funktionen gewöhnen.

Die Bauern sind sauer, weil sie nicht mehr soviel Gülle verspritzen dürfen und diese ganzen EU-Umweltauflagen einhalten müssen. Deshalb haben sie im letzten Jahr einige Male den Verkehr auf den Straßen mit ihren Treckern aufgehalten. Böse Zungen munkeln sogar, daß sie dafür mit subventioniertem Diesel gefahren sind. Offensichtlich hat das unsere Regierung beeindruckt, jedenfalls kriegen die Bauern jetzt Geld. Ich nehme an, damit sie größere Tanks für die Gülle bauen können, wo die doch nicht mehr auf den Acker darf.

Tut mir leid, aber ich habe kein Verständnis und kein Mitgefühl für diese Bauern. Was ich hier sehe, finde ich einfach nur noch skandalös dumm. Jeder Bauer müsste wissen – an Information fehlt es nun wirklich überhaupt nicht – daß es so wie bisher nicht weitergehen kann, auch ohne EU-Vorgaben. Weil die bisherige Betriebsweise unser aller Lebensgrundlagen ruiniert. Weil sie nicht zuletzt die Gesundheit auch der Bauern zerstört. Wenn es zuviel Gülle gibt und damit zuviel gesundheitsschädliches Nitrat im Boden, dann liegt das daran, daß es zuviele Tiere gibt, sprich an der Massentierhaltung. Damit man die vielen Kühe und Schweine satt bekommt, wird Soja aus anderen Ländern importiert, z. B. aus Brasilien, wo dafür noch mehr Regenwald abgeholzt wird.

Eine Regierung, die wirklich was drauf hat, hätte gesagt: Ihr Bauern bekommt nur dann Geld, wenn ihr auf ökologische Betriebsweise umstellt und mit der Massentierhaltung aufhört.

Dazu passt ein Text aus der neuen, wieder mal ganz tollen Brennstoff (gibt es als Printausgabe oder auf www.brennstoff.com):

Tatsache ist, dass die Menschheit den einzigen Planeten, den sie hat, durch ihre profitorientierte Produktionsweise zerstört und dieser in naher Zukunft unbewohnbar wird.

Tatsache ist, dass unter den Machteliten, Geheimdiensten und Militärs weltweit keinerlei Zweifel hieran besteht und diese sich bereits darauf vorbereiten, ihr Überleben gegen das der 99 Prozent zu verteidigen.

Tatsache ist, dass der Kampf um die wenigen Tickets auf der neuen Arche längst begonnen hat und daher gilt, was der Pulitzer-Preisträger Chris Hedges auf den Punkt brachte, als er schrieb: „Den Planeten zu retten heißt die herrschenden Eliten zu stürzen.“

Die Öko-Katastrophe, herausgegeben von Jens Wernicke und Dirk Pohlmann, aus dem Kapitel Die neue Arche von Rainer Mausfeld.
Na, dann gute Nacht!

Letzte Woche hat Gnani Thambiah, Bienenseuchensachverständiger und Imkermeister aus Hamburg, im Kollhorst einen Vortrag über die völlige Brutentnahme zur Varroabehandlung gehalten. Erst wollte ich nicht hingehen, weil ich die Brutentnahme nicht für wesensgemäß halte. Ich ging dann doch und das war richtig. Gnani hat uns eindringlich klargemacht, daß man zwar die Bauern mit ihrer Giftspritzerei für den Insektenschwund verantwortlich machen muss. Aber daß die Honigbienen von der Varroamilbe hingerafft werden, liegt an den Missetaten der Imker. Sie haben Bienen so gezüchtet, daß sie möglichst nicht stechen und große Mengen Honig produzieren. Sie haben zu diesem Zweck Königinnen künstlich befruchtet (wie das geht, wird im Film More than Honey gezeigt und ist einfach nur ekelhaft). Um die erwünschten Eigenschaften zu erzielen, musste Inzucht betrieben werden. Normalerweise paart sich eine Königin mit etwa 15 bis 20 Drohnen und sichert auf diese Weise die Vielfalt, die für Gesundheit so wichtig ist. Die durch Zucht entstandenen Bienen haben gar keine Zeit mehr, sich zu putzen und gegenseitig von den Varroen zu befreien, wie sie das in Asien noch tun. Sie müssen ja ständig Honig einbringen und große Völker bilden. Es werden neue Medikamente zur Behandlung der Varroose entwickelt, die Resistenzen erzeugen und das Grundproblem nicht angehen. Oder man behandelt mit organischen Säuren, ca. dreimal im Jahr: im Sommer mit Ameisensäure, im Winter mit Oxalsäure, Schwärme werden mit Milchsäure behandelt. So habe ich es auch gelernt.

Daß die Behandlung mit Ameisensäure für die Bienen eine gewaltige Strapaze ist, war mir bekannt. Durch Gnanis Vortrag weiß ich jetzt, daß diese Säure, die wir Menschen nicht einatmen können, ohne uns die Nasenschleimhäute zu verätzen, bei den Bienen dazu führen können, daß sie sich die Fühler ausreißen, mit denen sie riechen. Immerhin haben sie den Ameisensäuregeruch mehrere Tage ununterbrochen um sich herum. Manche sterben an der Ameisensäure, vor allem junge Bienen. Und anders als ich es gelernt habe, macht natürlich auch Ameisensäure die Varroen resistent.

Ich habe mich nach dem Vortrag erst mal drei Tage ziemlich schlecht gefühlt und ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich es wie Gnani mache und die Imkerei ganz aufgebe. Ich habe in den letzten Jahren einiges versucht: die Behandlung mit ätherischen Ölen (Thymovarplättchen), statt der Schwammtuchmethode Ameisensäure in den Nassenheider Verdunster gegeben und einen Sommer lang habe ich mit einem homöopathischen Mittel gearbeitet. Das hat letztendlich nichts gegen die Varroa gebracht. Ich weiß, daß es Bienenvölker gibt, die friedlich und gesund jahrelang leben. Aber das funktioniert nur, wenn man sie weitgehend in Ruhe lässt, sie ein gutes Nahrungsangebot haben, sie im Abstand von ca. 1 km untereinander und am besten in Baumhöhlen leben. So wie für die Erde die meisten Bauern ein Problem sind, so sind es für die Honigbienen die Imker*innen.

Nachdem ich drei Tage lang mit dem Bienenthema gegangen bin, habe ich eine Entscheidung getroffen: ich werde nur noch ein Volk halten. Ich werde keine Ameisensäure mehr anwenden, sondern Oxalsäure. Die ist auch nicht fein für die Bienen, aber nicht ganz so heftig. Ich werde eine Klotzbeute bauen, die kommt der ursprünglichen Bienenwohnung in einem Baumstamm ziemlich nahe. Und ich werde soviel ich kann für die Wildbienen und Hummeln tun, denn die sind mindestens so bedroht wie die Honigbienen, allerdings nicht durch die Varroa, sondern die Gifte auf den Feldern und den Verlust der Artenvielfalt. Einiges habe ich in den letzten Jahren schon anders gemacht als ich es gelernt habe: ich habe auf die ständigen Durchsichten verzichtet und keinen Honig entnommen.

Ach, es ist so traurig, was wir Menschen machen: wir nehmen Tieren die Wildheit und machen sie damit krank und abhängig. Wenn wir von artgerechter Tierhaltung sprechen, müssen wir wohl zugeben, daß es die nicht geben kann. Artgerecht ist nur die Freiheit. Und das gilt ja auch für uns Menschentiere.

Frauenarbeit

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Laut Oxfam leisten weltweit Frauen die allermeiste unbezahlte Arbeit. Das ist ja nicht wirklich was Neues, daß Frauen nach wie vor diejenigen sind, die für die Pflege- und Fürsorgearbeit zuständig sind. Ich habe an anderer Stelle schon mal festgestellt, daß diese Arbeit unsichtbar ist, obwohl ohne sie jede Gesellschaft zusammenbrechen würde. Das ist einer der beiden Gründe, warum ich mich überhaupt nicht mehr danach sehne, mit einem Mann zusammen zu leben. Ich habe zweieinhalb Mal die Erfahrung gemacht, daß die allermeiste Hausarbeit an mir hängen blieb (in meinen beiden Ehen und mit Exfreund K., der mal für wenige Wochen bei mir und meiner Tochter wohnte bis ich ihn rauswarf, weil ich es nicht mehr ertrug, nach der Arbeit nach Hause zu kommen und zu sehen, daß er keinen Handschlag getan hatte, obwohl er damals arbeitslos war. Mit meinem zweiten Ehemann ging es mir haushaltsmäßig besser, aber trotzdem schliff sich nach einiger Zeit ein, daß er weniger und ich mehr machte. Und es hat mich gewaltig angekotzt, daß es immer wieder Ärger um den Abwasch gab, obwohl wir einen Plan hatten. Er wollte diesen Plan nicht und meinte, das regelte sich doch von allein. Ja, es hätte sich von „allein“ geregelt: ich hätte täglich abgewaschen, weil ich es nicht ertragen hätte, in einer Küche mit Bergen von ungewaschenem Geschirr zu kochen. Ich habe es gern ordentlich und verwende trotzdem nicht viel Zeit auf die Hausarbeit, einfach weil ich alles gleich erledige und sich gar nichts anhäufen kann. Nicht, daß Hausarbeit zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, aber sie muss halt getan werden. Ich mache sie einfach und denke gar nicht drüber nach. Außerdem nehme ich sie als Gelegenheit Radio zu hören und erfahre so, was ich vom Weltgeschehen wissen muss.

Übrigens bekomme ich immer wieder zu hören, auch und gerade von Männern, daß sie sich bei mir wohl fühlen, gerade weil alles ordentlich und überschaubar aussieht. Ja, ich fühle mich auch bei mir sehr wohl. Ich mag Männer, aber zusammenleben, nee! Der Keks ist gegessen!

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Ein weiterer Grund, warum ein Zusammenleben als Paar für mich nicht mehr denkbar ist, ist die Erfahrung, daß ich viel allein sein muss, um mich gut zu fühlen. Ich glaube, daß ich da zu einer eher seltenen Spezies gehöre. Die meisten Menschen, die ich kenne, brauchen die mehr oder minder ständige Anwesenheit von Anderen. Das kann ich nur mit wenigen Menschen länger aushalten: mit meinen Kindern und meinem Schwiegersohn, wenn sie zu Besuch oder wir im Urlaub sind, mit Freundin I., die sich auch gut allein beschäftigen kann. Bei Lebensgefährten allerdings habe ich regelmäßig erlebt, daß es da viele unausgesprochene Ansprüche und Erwartungen gibt. Wenn die nicht erfüllt werden, ist Ärger vorprogrammiert. Ich glaube, daß es in vielen Beziehungen die Erwartung gibt, der Andere sei dazu da, einen Mangel, eine innere Leere zu füllen. Das kann nur schief gehen. Ich war sehr jung, als ich das erste Mal geheiratet habe und ich kannte damals sowohl das Mangelgefühl als auch die Erwartung, daß mein Mann gefälligst meine Leere zu füllen habe. Hat er nicht getan (hätte er auch nicht gekonnt, selbst wenn er es gewollt hätte), und das hat zu viel Streit geführt. Immerhin habe ich im Laufe meines Lebens gelernt, mir selbst genug zu sein und das ist großartig! Alle Freundschaften und Beziehungen, die ich mittlerweile habe, bestehen in einem Feld großer persönlicher Freiheit: ich erwarte nichts und ich freue mich über gelungene Begegnungen. Und wenn es mal Unstimmigkeiten gibt, dann können wir mit großer Aufrichtigkeit damit umgehen.

Und wofür brauche ich das Alleinsein? Um mich mit der Natur zu verbinden, um in das Feld der mehr-als-menschlichen Welt einzutauchen. Meine Empfindungen sind intensiver, meine Wahrnehmungsfähigkeit wird weiter, wenn ich allein bin. Das ist mein Lebenselixier. Wenn ich in der Vergangenheit diese täglichen Zeiten ohne andere Menschen nicht hatte, bekam ich schlechte Laune. Eigentlich sagt das Wort allein schon alles: all-eins. Im Alleinsein kann ich meine Zugehörigkeit zum Großen Ganzen am besten fühlen. Und wenn ich dann das Bedürfnis habe, tauche ich wieder in die Welt der Menschen ein und kann das ebenso genießen.

Priesterin

Ich stimme dem Post von Luisa Francia zum Thema Hohepriesterin am 9.1. voll und ganz zu (salamandra.de). Ich möchte noch weiter gehen: das ganze Priesterinnenkonzept (ohne Hohe-) finde ich mehr als fragwürdig. Es ist ziemlich gleichgültig, ob wir es mit einem Priester oder einer Priesterin zu tun haben, egal welcher Glaubensrichtung: diesem Konzept liegt nämlich die Überzeugung zu Grunde, daß es einen Vermittler/eine Vermittlerin zwischen Menschen und dem Spirituellen geben muss, daß ein „normaler“ Mensch gar nicht in der Lage ist, selbst eine Verbindung mit dem Bereich einzugehen, den einige göttlich nennen. Das ist ein sehr elitäres Denken, das Missbrauch Tür und Tor öffnet. Jeder Mensch, der den starken Wunsch nach einem Zugang zu diesem Bereich in sich spürt, wird Mittel und Wege finden, sich ihm zu nähern. Manchmal geschieht das auch von selbst, wird quasi geschenkt. Und bei jedem Menschen wird dieser Zugang und das, was er und sie hinter der Tür findet, anders aussehen, und all diese Erfahrungen sind gleich-gültig (haben die gleiche Gültigkeit).

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Raunächte

Ich war zehn Tage nicht im Netz und es hat mir nichts gefehlt. Eigentlich ist das nichts Außergewöhnliches: wenn ich auf Reisen bin, gehe ich nicht ins Internet und lese auch keine Mails. Aber zu Hause schaue ich fast täglich rein. Dieses Mal hatte ich keinerlei Bedürfnis. Ich denke, wer etwas von mir will, kann das gute alte Festnetz benutzen oder mir eine SMS schreiben. Angesichts des ungeheuerlich ansteigenden Stromverbrauchs durch die Benutzung der digitalen Medien, der mittlerweile in Begriff ist, die Hauptursache für den CO2-Ausstoß zu werden, finde ich diese Internetseite interessant, allerdings nur auf Englisch und Französisch verfügbar: theshiftproject.org/en/article/lean-ict-our-new-report/

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