Linke und Staat

Heute Morgen hörte ich im Radio, daß Herr Söder aus Bayern laut über Zwangsimpfungen für das bisher nicht besonders impfmotivierte Personal in Pflegeheimen nachdenkt. Ich weiß, daß Herr Söder mein Blog nicht liest, sage es aber trotzdem:

Ich halte das für eine sehr dumme Idee. Erstens hat das Pflegepersonal für seine Verweigerung Gründe, für die Sie sich vielleicht mal interessieren sollten. Zweitens könnte ein Impfzwang den Pflegeberuf noch unattraktiver machen. Das können Sie sich aber gar nicht leisten, wenn Pflegekräfte angeblich so systemrelevant sind. Zu wenig Geld, asoziale Arbeitszeiten, zunehmend verschärfte Arbeitsbedingungen schon lange vor Corona und jetzt auch noch eine Impfpflicht – gute Nacht, Gesundheitswesen!

So und jetzt was Erfreuliches: meine Tochter hat mir einen Link geschickt, auf dem Wolf Wetzel auf Telepolis sich mit dem Rätsel auseinandersetzt, warum die Linke seit einigen Monaten staatlicher als der Staat agiert, wie es sich bei den Anti-Querdenkerdemos gezeigt hat. Mich hat das erschreckt, bin ich doch als Anarchistin auch eine Linke und habe nun wirklich gar nichts und noch nie was mit dem Staat am Hut gehabt.

Hier ein schönes Zitat: „Während die Bundesregierung, die staatstragenden Medien, und viel zu viele Linke damit beschäftigt sind, die Corona-Regel-Verbrecher zu outen und sich gegenseitig um die Ohren zu schlagen (zuletzt waren es die Rodler auf Schneepisten, die doch tatsächlich im Freien ihren Spaß haben wollen), um die Schuldigen für das Scheitern des Lockdowns ausfindig zu machen, gehen dieselben – in aller Regel – ohne ein Mucks acht (und mehr) Stunden zur Arbeit, in geschlossenen Räumen, mit vielen Menschen zusammen – als wäre das mit Corona so abgesprochen.“

Der ganze Artikel: https://www.heise.de/tp/features/Solidaritaet-statt-Verschwoerungstheorien-5020525.html?seite=all

Fassungslos

Heute Morgen hörte ich einen Vertreter der Grünen, der schon mal ankündigte, daß der Lockdown wohl länger als bis Ende Januar gehen wird. Was mich in Wellen immer wieder völlig fassungslos macht, ist der Umstand, daß die Regierungen weltweit (es gibt wohl einige wenige Ausnahmen) mit Maßnahmen auf das Virus reagieren, die vor einem Jahr noch kaum einer für möglich hielt, nämlich einer dauerhaften Einschränkung aller Grundrechte. Ihre Chefberater sind eine Gruppe von Virologen.

Währenddessen schmilzt der Eisschild Grönlands ab und etliche Wissenschaftler sagen, daß nun der point of no return erreicht ist, also einer der berüchtigten Kipppunkte, wo der Kollaps des gesamten Systems nicht mehr aufzuhalten ist. Was dann geschieht, ist tausendmal vernichtender als das Coronavirus. Aber genau diese viel, viel größere Gefahr wird quasi ignoriert. Warum lassen sich die Regierungen der Welt nicht von den Klimaforscher*innen, Biolog*innen, Anthropolog*innen beraten? Warum statt eines harten Lockdown nicht jetzt sofort Verbot der Braunkohleförderung und sofortige Umstellung auf Ökolandbau, um nur zwei Punkte zu nennen, die ganz wesentlich das Klima beeinfussen. Ich kann es einfach nicht verstehen.

Gestern machte ich ein kleines Ritual an einem meiner Plätze, um mir Stärkung und Unterstützung zu holen. Und die kamen sofort! Solange ich noch meine Verbündeten in den Welten habe, ist das Leben auszuhalten.

Die Barbarazweige haben erst nach dem Perchtentag angefangen zu blühen. Was mir das wohl sagen will?

Eingrooven

Am Sonntag fuhr ich nach Münster und blieb bis Dienstag. Es gab soviel zu regeln wegen der Heimunterbringung meiner Mutter. Aber immerhin konnte ich sie besuchen, nachdem ich am Montag in der Einrichtung einen Corona-Schnelltest gemacht hatte und ihr das gewünschte Leberwurstbrötchen vom Schlachter besorgt hatte. Ansonsten habe ich in der Wohnung meiner Mutter gelebt, Wäsche gemacht, gebügelt, Post bearbeitet, Telefonate geführt, Überweisungen zur Sparkasse gebracht usw. Ich hatte jedenfalls keine Langeweile. Abends sah ich TV. Das hätte ich vielleicht besser nicht tun sollen: in der ersten Nacht schlief ich schlecht und wenig. Dafür dann aber in der zweiten Nacht gut. Nicht nur meine Mutter muss mit der neuen Situation umgehen lernen, auch ich bin noch dabei mich einzugrooven.

Hier in meinem kleinen Dorf sitze ich ja früh morgens immer mit meinem Milchkaffee im Holzschuppen und begrüße den Tag und die Landschaft. Das machte ich in Münster auch. Weil es so ungemütlich und kalt war, saß ich morgens einfach im dunklen Wohnzimmer und sah nach draußen. Durch das hohe Fenster der hässlichen Kirche aus den 70er Jahren leuchteten nacheinander in unendlicher Folge die Spektralfarben. Zwischen den Betonbauten dieser Stadtrandgegend lugte ein Stück Wintermorgenhimmel durch, Straßenlaternen, vorbeifahrende Busse. All die künstlichen Lichter, die versiegelten Straßen und Wege, die sparsame freie Natur – ich dachte daran, wie treffend ich das Wort Zuvielisation finde. Diese Stadt, in der ich so lange gern gelebt habe, ist nicht mehr mein Ort.

Jetzt bin ich wieder zu Hause und fühle mich jeden Tag besser, trotz des durchgehend grauen und feuchten Wetters. Heute Morgen brachte ich mein Auto zur Inspektion und ging dann durch den Regen zurück, watete mit meinen Gummistiefeln durch die vielen Pfützen, freute mich über das reichliche Wasser, das in den letzten Wochen vom Himmel gefallen ist und in den Senken steht. Ich putzte und saugte Staub, hörte eine CD, die ich mal von einer Godenschwester geschenkt bekommen hatte und sang lauthals die Lieder mit und je mehr ich sang und mich dazu bewegte, desto besser fühlte ich mich in meinem Körper. Ich dachte an etwas, was ich vor einigen Wochen in einem Video gehört hatte: „Wir alle sind traumatisierte Kinder in den Körpern von Erwachsenen.“ Wie wahr! Uns allen sitzen die Traumen unserer Ahn*innen in den Knochen. Trauma häuft sich auf Trauma. Und traumatisierte Leute fügen unweigerlich ihren Kindern neues Trauma zu. Und immer dabei ist die Angst. Die Angst regiert unser Leben, mit Angst manipulieren die Mächtigen das Volk, Angst macht eng, lässt keine neuen Gedanken mehr zu. Angst ist ein überlebensnotwendiges Gefühl oder vielleicht eher eine Empfindung, also etwas sehr Körperliches. Aber chronische Angst lähmt. Was hilft, ist Bewegung, Stimme und Atem. Diese drei Dinge sind eigentlich fast immer verfügbar und einfach elementare Heilmittel.

Für die Kräuterkurse 2021 habe ich noch keinen Plan. Keiner weiß, wie es mit den Restriktionen weitergeht. Ich werde spontan entscheiden. Wer und welche Interesse hat, kann mir eine Mail schicken. Ich melde mich dann, sobald es etwas Konkretes gibt. Ansonsten freue ich mich auf Zeit und Muße, um endlich noch tiefer in die Welt der wilden Planzen einzutauchen.

Der Lockdown stört mich wenig. Ich fahre einmal in der Woche in die Stadt und gebe wenig Geld aus. Der Französischunterricht fängt ab nächste Woche per Zoom an, besser jedenfalls als kein Unterricht. Ich mache Yoga im Wohnzimmer (natürlich ist es in der Gruppe schöner) und fühle mich danach gelassener und mehr in meinem Körper. Ich bedanke mich beim Regen und bei den Bäumen, daß sie da sind, ich sehe den Vögeln an der Futterstelle zu und lausche den Gänsen, Kranichen, Kolkraben und Singschwänen und finde, daß ich ein glücklicher Mensch bin. Und ich habe mit vielen sehr freundlichen Menschen zu tun, das fällt mir immer wieder , auf, ob in der Bahn, am Telefon, in den wenigen Geschäften, die noch geöffnet haben. Sogar der junge Mann von der Krankenversicherung meiner Mutter, mit dem ich heute telefonierte, hat sich so nett und ausgiebig mit mir unterhalten, daß ich ihm am Schluss aus ganzem Herzen dafür dankte. Ich weiß nicht, ob das an Corona liegt. Wie auch immer und bei all dem Chaos, den Ungereimtheiten der Herrschenden, ich glaube immer noch, daß die Erde uns das Virus geschickt hat und daß sich etwas verwandeln will.

Neues Jahr

Weihnachen an der Ostsee

Weihnachen feierte ich gemütlich und mit gutem Essen mit meiner Familie. Eigentlich wollten wir mit meiner Mutter in ihrer Wohnung feiern, da sie am 23.12. aus der Reha kam. Aber dann stellte sich heraus, daß das sehr kompliziert geworden wäre, weil sie einen Coronatest brauchte, bevor sie in die Kurzzeitpflege kam. Wegen der Feiertage hätte das so lange gedauert, daß ich ungefähr 14 Tage bei ihr hätte bleiben müssen. Außerdem standen Verschärfungen der Coronamaßnahmen im Raum und ich wusste nicht, ob ich dann überhaupt noch hätte reisen können. Also kam sie direkt aus der Reha ins Heim. Es ist unglaublich, wieviel zu regeln ist und ich bin froh, daß die Zusammenarbeit mit meinem Bruder so supergut klappt. Ich habe ganze Vormittage mit diversen Telefonaten verbracht, was ich wirklich hasse, vor allem, wenn ich zigmal anrufen muss, weil Anschlüsse besetzt sind oder ich die falsche Person an der Strippe habe oder auf Unverständnis stoße, weil ich nicht mal so eben Kopien meiner Betreuungsvollmacht machen kann, weil es im weiten Umkreis keinen zugänglichen Kopierer gibt (dank des Lockdowns). Die Leute mussten dann akzeptieren, daß sie erst mal nur eine Fotografie der Dokumente per Mail geschickt bekamen. Damit meine Mutter Anrufe entgegen nehmen kann, brauchte sie ein Handy. Damit kann sie aber nicht umgehen; ihre Sehfähigkeit ist mittlerweile so eingeschränkt, daß sie die Tasten nicht erkennen kann. Selber wählen geht gar nicht und das Pflegepersonal hat verständlicherweise keine Zeit, immer sein Diensttelefon zur Verfügung zu stellen, zumal Telefonate mit meiner Mutter eine ziemlich zeitaufwendige Angelegenheit sind. Sie hat einfach ein großes Redebedürfnis und befand sich die ersten Tage in Quarantäne, hatte also nur Kontakt zum Pflegepersonal, was natürlich keine Zeit für Unterhaltungen hatte. Mittlerweile hat mein technikaffiner Bruder eine Lösung für das Telefonproblem gefunden, meine Mutter hat angefangen, sich mit der neuen Situation zu arrangieren und ich fange an, mich zu entspannen.

An den Feiertagen machten wir lange Spaziergänge. Das gehört zu meinen persönlichen Erste Hilfe-Maßnahmen bei Stress: bewegen, bewegen, bewegen. Auch fünf Schüttmeter Brennholz im Schuppen aufstapeln, tiefes Atmen und Yoga waren hilfreich.

Den Jahreswechsel erlebte ich in Kiel bei der lieben I. mit leckerem Raclette. Wir waren sehr erstaunt, daß trotz der Einschränkungen soviel geböllert wurde. Ich kann auf das ganze Sylvesterspektakel gut verzichten. Es ist mir zu laut, zu stinkig und ich muss unweigerlich immer an die armen Tiere denken, die bei der ganzen Knallerei gar nicht wissen wohin in ihrer Panik.

Neulich auf dem Markt kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die hinter mir in der Warteschlange stand. Ich fand sie sympathisch und sie erinnerte mich an eine Alma mater-Schwester. Eine Frau ohne Maske ging an uns vorbei. Ich sehe sie öfter und vermute, daß sie ein Attest hat. Die Frau hinter mir sprach sie an: „Haben Sie Ihre Maske vergessen?“ Die Angesprochene antwortete: „Nein.“ Da rief die Frau hinter mir sehr laut: „Ah, eine Querdenkerin!“ Da war es mit meiner Lust auf Unterhaltung vorbei. In Zeiten der Angst scheint das Blockwarttum wieder voll im Trend zu sein.

Ich habe nach wie vor keine Angst vor Covid-19, wohl aber vor den Maßnahmen der Politiker. Keine Frage, ich kann krank werden, ich kann auch schwer krank werden, ich könnte auch sterben. Krankheit und Tod gehören einfach zum menschlichen Leben dazu, auch wenn beides immer mehr tabuisiert wird. Wenn der Zeitpunkt da ist, muss ich diese schöne Erde verlassen und diese Vorstellung hat für mich nichts Bedrohliches. Ich habe in meiner Patientenverfügung Reanimation, Intubation und intensivmedizinische Behandlung explizit ausgeschlossen.

Letztlich muss jede*r für sich selbst entscheiden und Strategien entwickeln mit der derzeitgen Situation umzugehen. Meine Strategie ist außer Bewegung, möglichst an der frischen Luft, nur ganz wenig Nachrichten zu hören. Ich schalte das Radio oft einfach aus, wenn schlechte Stimmung in mir aufsteigt. Das ist z. B. dann, wenn Angela Merkel mal wieder ihre moralischen Appelle an die Bevölkerung richtet. Bei mir lösen Appelle massiven Widerstand aus und ich glaube, das geht vielen ähnlich. Auch wenn der Oberpanikmacher und Scharfmacher Lauterbach auf den Plan tritt, drücke ich sofort auf den Ausknopf. Ich vermeide den Kontakt zu Menschen, die Angst haben. Sie tun mir leid, aber ich weiß, daß es unmöglich ist, ihnen die Angst zu nehmen. Und ich finde es extrem Energie fressend, mich in einem Feld von Angst aufzuhalten. Mit anderen Worten: ich sorge dafür, daß es mir gut geht. Dazu gehört gutes selbst zubereitetes Essen, Menschen, mit denen ich mich wohl fühle, ein warmes Feuer in meinem Ofen und guter Lesestoff. Zum Lesen kann ich mal wieder Charles Eisenstein empfehlen: From QAnon’s Dark Mirror, Hope und The Conspiracy Myth. Der letzte Text bezieht sich auf Verschwörungstheorien und es gibt auf seiner Seite sogar eine deutsche Übersetzung. Ich finde beide Texte extrem klug und klar. Und Charles schafft etwas, was ich noch üben möchte, nämlich völlig auf das Gut-und-Böse-Narrativ zu verzichten. Und hier ist was zum Lachen: Coronakrise in Entenhausen (findet man auf YouTube).

Oberlehrer

Wie beim letzten Lockdown komme ich gut klar. Ich bin immer schon gern für mich gewesen und kann mich gut allein beschäftigen. Ich brauche das Alleinsein für meine seelische Gesundheit. Und natürlich brauche ich auch andere Menschen. Der Lockdown hat nichts daran geändert, daß ich meine freundschaftlichen und nachbarschaftlichen Kontakte pflege und genieße.

Gestern bekam ich eine Mail von Campact. Dieses Mal wollten sie keine Unterschrift wie sonst und auch keine Spenden, sondern daß ich ein von der TAZ entwickeltes Dossier bestelle, um Fake-News zu begegnen. Es ist eine Sache, daß ich es schlecht und falsch finde, daß Campact die Gemeinnützigkeit abgesprochen wird. Ich unterschreibe ab und zu ihre Appelle oder Briefe an Abgeordnete, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob solche Aktionen überhaupt was bewirken. Aber immer häufiger finde ich den Schreibstil von Campact unangenehm, er hat für mein Gefühl oft etwas Reißerisches und Aufpeitschendes, so in Richtung Bildzeitung. Sie erwähnen dieses Mal einige Punkte, die sie als Fake-News klassifizieren, z. B. den von einigen behaupteten Sauerstoffmangel unter den Masken. Das kann ich jetzt nicht unwidersprochen stehenlassen. Ich brauche kein Dossier von der TAZ oder Campact, sondern allein meine persönliche Erfahrung, um zu wissen, daß das Tragen von Masken zu Sauerstoffmangel führt. Wenn ich mit dem Fahrrad ins Nachbardorf fahre, dabei ordentlich in die Pedale trete und dann beim Betreten des Supermarkts meine Maske aufsetze, noch ziemlich außer Puste, spüre ich ganz deutlich, daß ich nicht genug Luft bekomme. Das fühlt sich extrem unangenehm an. Ein weiteres Beispiel: eine Frau aus meinem weiteren Umfeld trägt seit einigen Wochen eine von diesen hässlichen FFP2-Masken. Sie will um jeden Preis eine Covid-Infektion vermeiden. Aber wenn sie spricht, zieht sie die Maske immer ein paar Zentimeter von Mund und Nase weg. „Ich kriege sonst nicht genug Luft,“ sagt sie. Alles klar?! Ich brauche keinen Oberlehrer, der mir sagt, was richtig und was falsch ist. Keiner ist im Besitz der vollständigen Wahrheit und aus der Vergangenheit weiß ich, daß die Hintergründe vieler weltgeschichtlichen Ereignisse oft erst Jahre oder sogar Jahrzehnte später ans Licht kommen.

Zu den Verschwörungstheorien: ich glaube nicht an Verschwörungen, stimme aber mit Lisa Fitz überein, daß der Glauben an solche immer dann auftritt, wenn tatsächlich irgendetwas faul ist. Menschen spüren, daß etwas nicht stimmig ist und machen sich ihren Reim darauf und das kann dann zu einer Verschwörungsgeschichte führen. Ich glaube, daß etwas viel Banaleres geschieht. Seit dem Feudalismus haben wir eine in den Grundzügen gleichbleibende Situation: es gibt Reiche und es gibt Arme, Oben und Unten, Herrscher und Beherrschte. Ein Unterschied ist, daß wir heute verbindliche Gesetze habe und die Justiz (noch), zumindest in den unteren Instanzen, unabhängig ist (in die oberen kommen sowieso nur solche Personen, die gute Verbindungen zur Politik haben (hat mir ein Jurist erzählt). Und im Unterschied zu früher dürfen wir wählen, auch wenn es ziemlich egal zu sein scheint, wer da gerade die Regierung stellt. Aber die eigentlich Einflussreichen sind die reichen Lobbyisten. Das zeigt sich gerade mal wieder in der Landwirtschaft: Frau Klöckner will erneut Neonicotinoide zulassen, obwohl die verboten und nachweislich tödlich für Bienen und andere Insekten sind. Es fällt schon auf, daß man mit den Landwirtschaftsminister*innen fast immer den Bock zum Gärtner macht. Einzige Ausnahme war die Grüne Renate Künast. Das zeigt sich in den Waffenexporten an kriegführende Länder, an der Verkehrspolitik, die ganz klar die klimaschädliche Autobranche fördert. Wenn also Bill Gates, der erklärtermaßen die ganze Weltbevölkerung durchimpfen will und einfach so wahnsinnig viel Kohle hat, daß er nicht nur die WHO großzügig finanziell unterstützen kann und sie damit von sich abhängig macht, sondern auch großangelegte Impfkampagnen in Afrika bezahlt, eine Audienz bei Frau Merkel bekommt, dann hat er damit Einfluss auf die Politik. Das ist doch klar. Das war zu Zeiten des Feudalismus genauso: damals hatte das Handelshaus Fugger enge Verbindungen zum Kaiser Maximilian und hat sowohl seine aufwendige Hofhaltung als auch seine Kriege finanziert. Dreimal kann man raten, in wessen Sinne der Kaiser dann gehandelt hat. Das hat nichts mit Gut und Böse zu tun. Übrigens, warum sind denn Leute wie Bill Gates und Jeff Bezos so reich? Weil sie fast keine Steuern bezahlen müssen. Und wenn Elon Musk Tausende von Satelliten in den Orbit schießen lässt, die den Blick auf den schönen Sternenhimmel verschandeln, dann nur deshalb, weil er stinkreich ist und die Regierungen ihm das erlauben.

Es wird Zeit für einen radikalen Systemwandel!

Strömung

Ab Mittwoch haben wir also den zweiten Lockdown in diesem Jahr. Bis vor kurzem habe ich es nicht für möglich gehalten, daß die Regierenden, die doch sonst die Wirtschaft so anbeten, ein weiteres Mal zu dieser Maßnahme greifen. Man kann sich natürlich schon fragen: Wie lange? Wie oft noch? Denn eins ist klar: Viren verschwinden nicht einfach. Sind sie einmal da, vergnügen sie sich immer weiter und erlauben sich dabei die eine oder andere Mutation. Ich denke, auf die Dauer bleibt uns nur die vielgeschmähte Herdenimmunität. Herr Lauterbach von der SPD zeigt sein Unverständnis darüber, daß gerade Ärzt*innen und Pflegepersonal so wenig Interesse an einer Impfung haben. Daß gerade die Profis Vorbehalte haben, sollte Herrn Lauterbach zu denken geben.

Heute fuhr ich nach Kiel, um alle Einkäufe zu erledigen. In zwei Tagen geht das nicht mehr, wer weiß wie lange. Es war schon vormittags erwartungsgemäß voll in der Stadt, aber wie immer fand ich einen Parkplatz und konnte alles erledigen, was ich vorhatte. Es gab sogar noch ausreichend Dinkelmehl und Hefe im Bioladen. Ich war auch bei meiner Friseurin, die gerade 15-Stunden-Schichten macht, um möglichst viele ihrer Stammkund*innen noch zu versorgen. Glücklicherweise stand mein Termin schon seit zehn Wochen. Das ist der Zeitraum, in dem ich mir einen Haarschnitt gönne.

In einem Laden stand eine sehr lange Schlange an der Kasse. Ein Mann hinter mir regte sich darüber auf und versuchte, mich als Verbündete zu gewinnen. Auf die Rolle hatte ich keine Lust. Auch in mir wallt immer mal wieder Ärger über alles, was derzeit geschieht auf, aber gut fühlt er sich nicht an. Vor etwa zwei Wochen erlebte ich auf einer schamanischen Reise, wie die Strömung eines Gewässers das Holzboot, in dem ich mich befand, sanft ans andere Ufer brachte. Ganz kurz hatte ich eine Stakstange in der Hand, die aber plötzlich verschwand. Da war ich ganz auf die Strömung angewiesen. Irgendwie passt dieses Bild zur aktuellen Situation: Ich habe keine Kontrolle über das, was geschieht, also überlasse ich mich der Strömung, bin Zeugin und schaue mir alles mit Interesse an.

Ich bin mal wieder so froh, daß ich auf dem Lande wohne, weit weg von hektischen Menschen, Maskenpflicht und langen Schlangen im Nieselregen vor den Läden. Es gibt zur Zeit viel zu erledigen, da meine Mutter nicht mehr zu Hause wohnen kann, wenn sie aus der Reha kommt. Glücklicherweise muss ich mich nicht allein kümmern: die Zusammenarbeit mit meinem Bruder funktioniert richtig gut. Ich mache lange Gänge, wenn bedrängende Gedanken kommen. Der Wald tut mir gut. Vor einer Woche machten J. und ich einen langen Spaziergang und dabei fand ich den großen Lebensbaum wieder, den ich einige Male vergeblich gesucht hatte. Im Garten mache ich die letzten Herbstarbeiten: Blätter harken, Kompost umsetzen, Brombeerranken zurückschneiden, Sense dengeln, die Bienen mit Oxalsäure behandeln. Dieser banale und notwendige Alltagskram tut gut und ist wie ein Anker im Chaos, das sich auf der Erde ausbreitet. Ich koche leckere Sachen für mich und backe für Weihnachten. Meinem Bauch geht es wieder gut und ich habe auch schon etwas zugenommen. Was mir geholfen hat, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht die energetische Behandlung von Dr. P., sicher hatte auch die Löwenzahntinktur einen Anteil mit ihren lösenden und ins Fließende bringenden Eigenschaften.

Empfehlung

Als ich heute im Radio den bayrischen Ministerpräsidenten Söder hörte, wurde mir schlecht. Ich erwarte ja seit Jahrzehnten nichts Gutes von denen, die über uns herrschen, aber seine Angstmacherei finde ich das Allerletzte. Da hilft es mir nur wenig, daß ich in einem Bundesland mit einem deutlich moderateren Ministerpräsidenten lebe.

Meine Mutter ist mittlerweile in der Reha. Sie sitzt allein in ihrem Zimmer, ihre Bewegungsmöglichkeiten sind sehr begrenzt, sie hat keinen Kontakt mit Mitpatientinnen. Sie kann kaum noch sehen und bleibt allein mit dem schlechten Fernsehprogramm. Meine Mutter ist trotz ihres Alters eine geistig noch ziemlich fitte Frau. Sie vergammelt dort. Und das alles wegen des angeblich so gefährlichen Virus.

Heute habe ich Luisa Francias Statement zu den neuerlichen Coronarestriktionen gelesen (salamandra.de vom 7.12.2020). Ich finde es so gut und treffend, daß ich gar nichts mehr hinzufügen kann.

Und ansonsten möchte ich das Buch Wann, wenn nicht wir empfehlen. Es geht um die globale Bewegung Extinction Rebellion. Eine Freundin hat es mir geschickt. Es enthält eine Reihe von Aufsätzen von XR-Aktivisten und ist wirklich faszinierend zu lesen.

Im Kapitel Sicherheit in selbstorganisierenden Systemen von Linus Neumann wird sehr gut beschrieben, was ich bei Beginn der 68er-Bewegung erlebt habe und was wir jetzt auch gerade wieder erleben: wenn der Staat mit einer Bewegung konfrontiert ist, die einen Systemwechsel herbeiführen möchte, wird er alles unternehmen, um das zu verhindern und hat dafür einige bewährte Strategien. Eine davon ist Diskreditierung. Das haben wir gerade jetzt wieder. Die mit dem Staat eng verknüpfte Berichterstattung diskreditiert alle, die die derzeitigen Anti-Corona-Maßnahmen kritisieren, als „Corona-Leugner“, „Rechte“, „unsolidarisch“ etc. Ich habe bisher nicht einmal erlebt, daß sachlich über inhaltliche Anliegen der Menschen aus der Querdenkerbewegung berichtet wurde. Ich höre im Radio immer nur das Empörungsgeheul irgendwelcher Journalist*innen: „Die tragen keine Masken, die halten keinen Abstand, die gefährden unser aller Gesundheit“ usw. Ich kenne einige Leute, die bei Demos der Querdenker waren. Sie alle sind kein bisschen rechts. Das sind Menschen, die entsetzt sind, daß in Deutschland immer mehr diktatorische Strukturen eingeführt werden. Alles andere wird dem untergeordnet: Klimaschutz, die Plastikverseuchung der Meere usw. usw. Und es werden Maßnahmen ergriffen, die mich fassungslos machen: Mit Billigung der Grünen dürfen Cafés und Kneipen in Hamburg wieder die extrem klimaschädlichen Heizpilze aufstellen, um nur ein groteskes Beispiel zu nennen. Amazon ist der große Corona-Profiteur, muss aber weiterhin fast keine Steuern zahlen. Dafür dürfen wir Rentner*innen im nächsten Jahr eine Nullrunde hinnehmen – wegen Corona natürlich.

Alt und krank

Steilküste am Eitz

Vorletzte Woche kam meine Mutter nach einem kleinen Schlaganfall ins Krankenhaus. Ich rief dort an und erfuhr, daß es ein totales Besuchsverbot in allen Krankenhäusern in Münster gibt – wegen Corona natürlich. Meine Mutter ist 93 Jahre und ich finde es wirklich das Allerletzte, was hier geschieht. Die Politiker*innen und ihre verbündeten Virologen begründen die Restriktionen mit dem Schutz unserer Gesundheit. Auf diesen „Schutz“ verzichte ich gern und meine Mutter übrigens auch. In der TAZ erschien vor einiger Zeit ein sehr aufschlussreiches Interview zum Thema, warum die Regierung so harte Maßnahmen ergreift, aus dem auch hervorgeht, daß die Anzahl der Grippetoten in der Saison 2017/2018 wesentlich höher lag als die Anzahl der Covid-19-Toten: https://taz.de/Ethikraetin-Graumann-zu-Massnahmen/!5726067/ . Warum also der erneute Lockdown? Um den Zusammenbruch des Gesundheitswesens zu verhindern. Da packt mich die Wut: der Zusammenbruch unseres Gesundheitswesens geht auf das Konto der vergangenen Regierungen, die die Privatisierung der Krankenhäuser vorangetrieben hat. Wir, die wir im Gesundheitswesen arbeiten bzw. wie ich gearbeitet haben, haben dabei zugesehen, wie damit alles schlechter wurde. Na klar, wenn plötzlich Profit das Hauptziel ist, muss an allem anderen gespart werden, zuallererst an Personal. Wir haben immer und immer wieder darauf hingewiesen, daß wir unsere Arbeit nicht schaffen. Das hat die Verantwortlichen nicht interessiert. Wenn Kolleg*innen Überlastungsanzeigen schrieben, kam von einigen Geschäftsführungen eine scharfe Reaktion, nach dem Motto: „Wenn Sie nicht in der Lage sind, Ihre Arbeit ordnungsgemäß zu erledigen, haben Sie den falschen Job“. Oder es kam zu Versetzungen auf wesentlich ungünstigere Stellen.

Dann kam plötzlich das Gejammer: wir haben nicht genug Pflegepersonal. Tja, wie kommt das denn wohl? Jahrelang habt ihr unsere begründeten Warnungen ignoriert und jetzt dürfen wir kollektiv die Fehler unserer Regierungen ausbaden, indem man uns zwingt, auf alles zu verzichten, was menschlich ist: Kontakt, Berührung usw. Na, ich weiß, ich wiederhole mich. Zurück zu meiner Mutter: Dank meines rechtskundigen Sohnes haben wir dann doch eine Sonderbesuchsgenehmigung bekommen. Ich fuhr also nach Münster. An der Pforte des Krankenhauses musste ich einen Zettel mit meinen Daten ausfüllen, ob ich krank bin, Schnupfen, Husten, Durchfall, Fieber habe. Dann wurde mir Fieber gemessen. Statt meiner Stoffmaske musste ich einen Klinikmundschutz tragen. Das sind die Dinger, die wir auf meiner ehemaligen Station benutzen mussten, wenn wir mal wieder eine Noroviruswelle hatten. Sie riechen extrem unangenehm.

Meine Mutter hat bis jetzt allein gelebt und außer einer Reinigungskraft keine Hilfe gebraucht. Sie hat selbstständig eingekauft, gekocht und ist sogar noch zum Nordic Walking und bis vor dem ersten Lockdown zum Kiesertraining gegangen. Mittlerweile hat aber ihre Sehkraft so stark nachgelassen, daß sie in Zukunft nicht mehr allein leben können wird. Also gibt es für meinen Bruder und mich viel zu organisieren. Ich kann nicht behaupten, daß mir das Spaß macht und ich denke viel darüber nach, wie ich das alles meinen Kindern in Zukunft ersparen kann. Ich hatte in den zwei Tagen, die ich in Münster verbrachte, alle Hände voll zu tun und war nicht in allerbester Stimmung. Aber es gibt auch Gutes zu berichten: eine Freundin meiner Mutter lud mich am Abend meiner Ankunft zum Abendessen und am Tag meiner Abreise zum Frühstück ein. So konnte ich mich mit ihr und ihrem Mann, beide sehr freundliche Menschen, austauschen und beraten. Das tat gut.

Am letzten Dienstag fuhr ich wieder nach Hause. Der Zug hatte wegen technischer Probleme 40 Minuten Verspätung. Ich würde also meinen Anschlusszug in Hamburg nicht bekommen. So saß ich auf dem Bahnsteig in der frischen Luft (ich hätte gern stattdessen im Café gesessen, aber auch das ist ja derzeit nicht möglich) und beobachtete mich selbst dabei, wie ich mich mal wieder über die Deutsche Bahn ärgern wollte. Bei der Bahn sind Verspätungen und technische Probleme seit Jahren die Regel. Mein Ärger ebbte ab, ehe er sich voll aufbauen konnte. Es ist wie es ist. Wir wissen alle, was wir von der Bahn erwarten können. Pünktlichkeit gehört nicht dazu. Ich sah zu, wie drei nebeneinander stehende Kräne Lasten hochhievten; ich wurde von einer Frau, die gerade ihren Zug verpasst hatte, um Rat gebeten; ein alter Mann fragte mich, ob die Anzeigetafeln die richtigen Züge angaben. Als ich einen Schritt auf ihn zukam, um ihn besser verstehen zu können, sagte er fast panisch: „Bleiben Sie da, wo Sie sind.“ Daß die Panikmache von Merkel, Spahn, Drosten und Co. bei so vielen Menschen auf fruchtbaren Boden fällt, finde ich am schlimmsten. Angst macht krank. Dann kam mein Zug. Ich hatte eine gemütliche Fahrt, las Zeitung, döste ein wenig, freute mich über den Zugbegleiter, der meine Bahncard nicht sehen wollte und zu mir sagte: „Ich vertraue Ihnen.“ In Hamburg lungerte ich wieder eine gute halbe Stunde auf dem Bahnsteig herum und wunderte mich über die Reklame einer Onlineversandfirma, die schmusende Menschen mit der Unterschrift „Wir werden uns wieder umarmen“ zeigte. Im Regionalzug saßen hinter mir ein Vater mit seinem dreijährigen Sohn. Ich hörte bis Kiel zu, wie die beiden sich unterhielten und Ich sehe was, was du nicht siehst und Wer als erstes ein Tier sieht spielten. Der Vater ging so liebevoll, authentisch und entspannt mit seinem kleinen Sohn um, daß es eine Freude war. In Kiel angekommen sagte ich ihm: „Es war mir ein Genuss, Ihnen zuzuhören. Ich finde es ganz toll, wie Sie Ihrem kleinen Sohn behandeln.“ Er war ganz überrascht und freute sich. Als ich dann zu meinem Auto ging, konnte ich dem verspäteten Zug doch noch etwas Gutes abgewinnen.

Übrigens: Natürlich lasse ich mich nicht impfen!

Diagnose II

Gestern testete Dr. P. aus Lütjenburg kinesiologisch, ob die Diagnose kollagene Colitis stimmt und fand keinerlei Anhaltspunkte dafür. Und abends teilte mir Inke mit, daß bei den Laboruntersuchungen, die sie veranlasst hatte, keine Anzeichen für eine Entzündung gefunden wurden. Damit ist die Diagnose für mich hinfällig. Ich habe keinen Durchfall mehr, mein Gewicht geht wieder nach oben, das Essen schmeckt mir.

Am Wochenende war ich in Flensburg, meine Tochter hatte Geburtstag. Es war ein netter Abend, gute Unterhaltung, gutes Essen. Zufälligerweise deckte sich die Anzahl der Besucher mit den aktuellen Corona-Auflagen. Ansonsten ist das Thema allgegenwärtig. Ich würde ihm gern ausweichen, aber das ist oft nicht möglich. In der Fußgängezone hat bereits das große Geschäftesterben begonnen, überwiegend Cafés und Gaststätten. Und wenn ich in den Nachrichten höre, welche weiteren Restriktionen die uns Beherrschenden überlegen, dann wird mir schlecht. Ich erinnere mich an ein Radiointerview mit Professor Drosten, dem Hofvirologen der Bundesregierung, im März bevor der erste Lockdown kam. Er sagte, daß ein Land wie China ja harte Maßnahmen ergreifen könne, da es eine Diktatur sei. Und es war deutlich herauszuhören, daß er sich für diesen Fall wünschte, auch Deutschland sei eine Diktatur. Wenig später war es dann soweit und seitdem werden unsere Grundrechte immer weiter eingeschränkt. Alles, was Menschen gut tut, wird gestrichen bzw. reduziert. Jetzt stehen die privaten Kontakte auf dem Programm. Ich beginne die Verschwörungstheoretiker zu verstehen: wenn so offensichtlich weltweit – mit wenigen Ausnahmen – Menschen immer härter eingeschränkt werden und das bei einem Virus, der nicht gefährlicher als eine Grippe ist, dann kann man schon auf ganz komische Gedanken kommen. Man macht das, um das Gesundheitswesen vorm Zusammenbruch zu bewahren, sagt man. Ach Leute, das Gesundheitswesen geht seit 20 Jahren den Bach herunter, seit die Regierungen angefangen haben, die Krankenhäuser zu privatisieren. Seitdem ist auch vom drohenden Pflegenotstand die Rede. Nur hat das jahrzehntelang keinen der Verantwortlichen interessiert. Die Vorstände haben sich die dicke Kohle eingesteckt, das Personal wurde runtergekürzt, weil es der teuerste Posten in der Gesamtrechnung ist. Und jetzt plötzlich will man das Gesundheitswesen nicht belasten. Ich sehne mich sehr nach dem Tag, an dem die Herrschenden öffentlich ihre Machtlosigkeit erklären. Man kann ein Virus nicht besiegen und man kann Menschen nicht über einen sehr langen Zeitraum zu Verhalten zwingen, das uns Menschen nicht im mindesten entspricht und auch gar nicht gesund fürs Immunsystem ist. Mein Immunsystem jedenfalls braucht Kontakt, auch Körperkontakt. Und den bekommt es, dafür sorge ich.

Heute vormittag stand ich unter der Dusche, als das Wasser aufhörte zu fließen. Ich hatte es noch geschafft, meine Haare auszuspülen, aber was jetzt mit der ganzen Seife auf meinem Körper machen? Ich nahm das Wasser aus dem Wasserkocher, füllte es ins Waschbecken und wusch mich mit einem Waschlappen ab. Dann ging ich in den Schuppen und räumte ihn auf. Ich machte einen Stapel für den nächsten Sperrmüll, einen mit Sachen, die ich weitergeben kann und entsorgte Dinge, die ich wahrscheinlich nie wieder brauche. Ich fegte den Schuppen aus und fühlte mich anschließend ziemlich gut. Ich werde jetzt nach und nach meine Wohnung entrümpeln. Es sammelt sich im Laufe der Jahre soviel an, aber eigentlich brauche ich gar nicht viel. Das ist mir durch Corona klargeworden: ich kaufe überhaupt nicht mehr gern ein, auch keine Klamotten. Und wenn ich in meinen Kleiderschrank gucke, brauche ich auch gar nichts mehr. Nur meine ehemals schwarze Jeans beginnt sich nach sechs Jahren aufzulösen. Wenn ich wieder mein altes Gewicht habe, kaufe ich mir eine neue. Aber die wirklich wichtigen Sachen in meinem Leben sind die freie Natur und Kontakt.

Herbsttag

Heute hatte ich einen richtig schönen Tag. Grau, verhangen der Himmel, bunt die Bäume. Viele mögen den November nicht. Ich fühle mich in ihm zu Hause, immer schon. Ich ging raus und mähte am Knick, wo die Komposthaufen sind. Das ging mir gut von der Hand und ich genoss die rythmische Bewegung. Später saß ich unter den beiden Fichten und sah in die Landschaft und fühlte die Präsenz der Frau Holle, der alten mütterlichen Vegetationsgöttin des Nordens. Eine großen Zufriedenheit durchströmte mich, Corona war sehr fern. Im Moment ist mir nicht nach Aufregen – damit ändert sich ja nichts, nur die Stimmung ist versaut.

Auch sonst lasse ich es mir gutgehen. Ich muss ja wieder was auf die Rippen kriegen! Heute Abend gab es Linsencurry mit Reis, sehr lecker! Und gestern habe ich Apfelcrumble gebacken und esse den jetzt peu á peu mit Schlagsahne.