Halo

Gestern Abend ging ich raus und sah einen leuchtenden Halo um den zunehmenden Mond. Ich rief meine Tochter an, um sie darauf hinzuweisen, aber in der Stadt mit den vielen störenden Lichtern konnte sie ihn nicht erkennen. Mein Vater hat mir dieses Phänomen gezeigt, als ich ein Kind war und seitdem weiß ich, daß er durch vom Mondlicht beleuchtete Eiskristalle entsteht und auf Frost hinweist. Und tatsächlich: heute Morgen waren der Garten und die Dächer mit Rauhreif überzogen. Als ich endlich rausgefunden hatte, wie ich mit meiner Kamera Nachtaufnahmen machen kann, war der Halo leider schon ziemlich schwach geworden, siehe oben.

Ich habe gestern übrigens einen zauberhaften Tag gehabt. Ich hatte nach langer Zeit mal wieder den Wetterbericht im Internet angeschaut, der weiterhin dauergrauen Himmel vorhersagte wie die letzten Monate. Aber als ich auf dem Kieler Blüchermarkt war, fing es an aufzuklaren. Der freundliche Mann am Gemüsestand sagte: „Meeno kann sich nicht entscheiden, ob es so bleibt oder ob es kalt wird.“ (Meeno Schrader ist der Wetterpapst des Nordens; alle hören auf ihn und er ist zugegebenermaßen wesentlich zuverlässiger als das, was sonst an Vorhersagen angeboten wird). Beim Bäcker lobte ich die Verkäuferin, die mir ohne mit der Wimper zu zucken Croissant und Brötchen über die Theke reichte, damit ich sie in meinen Stoffbeutel stecken konnte. Ich hatte nämlich schon mit Kolleginnen von ihr zu tun, die sich „aus hygienischen Gründen“ weigerten, obwohl es überhaupt keine Berührung zwischen uns gegeben hätte. „Ich finde das gut“, erwiderte sie trocken.

Das wurde getoppt, als ich Katzenfutter kaufte. Die Frau an der Kasse sagte: „Ich gebe dir 20 Prozent.“ Ich fragte, wie ich zu der Ehre käme. „Du bist immer nett und freundlich“ , erwiderte sie. „Ja, aber das seid ihr doch auch immer“, meinte ich darauf. Und dann erzählte sie mir, wie garstig manche Kunden seien und daß die Coronazeit das noch schlimmer gemacht hätte. „Aber ich finde, gerade jetzt müssen wir lieb miteinander umgehen“, sagte ich und dann erzählte sie mir von einer Freundin, die als Ungeimpfte ganz viel Stress bei der Arbeit hätte und noch einige andere sehr persönliche Sachen. Ich muss dazu sagen, daß meine bisherigen Gespräche mit dieser Frau bisher nie über Smalltalk hinausgingen. Ich ging ganz erfreut zu meinem Auto und mittlerweile schien draußen die Sonne.

Schließlich ging ich in den Lampenladen, wo ich vor einem Jahr eine neue LED-Birne gekauft hatte, nachdem die alte nach nur einem Jahr den Geist aufgegeben hatte. Jetzt ist wieder ein Jahr vorbei und auch diese Birne verhält sich unkooperativ und flackert ständig. Diese Birnen sind ziemlich teuer und sollen laut Hersteller jahrelang halten und besonders nachhaltig sein. Der Besitzer des Ladens meinte, es läge vielleicht am Kontakt und zeigte mir, wie ich ihn mit einem Phasenprüfer in der Lampenfassung ein bisschen hochbiegen könnte. Er sagte dann auch, daß die Versprechungen der Hersteller nicht allzu ernst genommen werden könnten, aber ein Jahr fand er auch zu kurz. Zuhause bin ich seinem Rat gefolgt und das Licht flackerte weiter. LED bringt’s offensichtlich nicht.

Heute habe ich ein interessantes Zeitkonzept kennengelernt. Die Anthropologin Deborah Bird Rose, ursprünglich US-Amerikanerin, die lange in Australien gelehrt und mit Aborigines gelebt hat, beschreibt es in ihrem Buch Reports from a Wild Country – ethics for decolonisation: während wir im Westen die Vergangenheit hinter uns sehen und die Zukunft vor uns, war es bei den Aborigines genau anders herum: die Erde war als erste da, dann kam das Träumen und die Ahn*innen. Die gehen uns voraus und wir folgen ihnen. Eine spannende Vorstellung, die die im Westen weit verbreitete Vorstellung einer Bewegung auf einer Zeitschiene Richtung Fortschritt („alles wird immer besser“) umkehrt. Nun, wir sehen ja, daß eben nicht immer besser wird, im Gegenteil. Wobei: das Wort Forschritt finde ich schon ganz passend, denn wir bewegen uns ja tatsächlich kontinuierlich fort, weg vom Ursprung, weg von der Natur – die Story of Separation eben.

Gestern habe ich gelesen, daß 40 von Elon Musks Satelliten wegen eines Sonnensturms im Orbit verglühen. Ich gebe zu, daß mich das sehr gefreut hat. Könnte es sein, daß die Sonne denen hilft, die noch einen schönen Sternenhimmel sehen wollen statt Zehntausende Satelliten für schnelles Internet und lückenlose Überwachung der Menschheit? Danke, liebe Sonne und mach bitte so weiter!

Spaziergang

Diese Farnwedel aus Eis entdeckte ich gestern Morgen auf meiner Windschutzscheibe. Ich fühlte mich an meine Kindheit erinnert: Wir hatten in den 50er Jahren schon eine Zentralheizung in unserer Wohnung in Hannover. Das Wasser in den Heizkörpern wurde durch einen Kohleofen in der Küche erwärmt, den meine Eltern mit Koks fütterten. Nachts ging das Feuer dann aus und nach frostigen Winternächten, von denen es damals noch viel mehr gab als heute, waren die Fenster morgens mit wunderschönen Eisblumen bewachsen, in die wir Löcher zum Durchschauen hauchten. Was für faszinierende Muster die Natur schafft!

Am Donnerstagabend waren B. und ich in Kiel zum Spaziergang. Als ich mein Auto am Exerzierplatz abstellte, erschreckte mich die große Anzahl an Polizeimannschaftswagen und die vielen mit Helmen ausgestatteten Polizisten. Das wirkte schon ein wenig bedrohlich. Die Initiatorin der Kieler Spaziergänge lobte gleich zu Anfang die Polizei für ihr faires Verhalten und forderte uns auf, ihnen Beifall zu geben. Ich bin nicht mehr so grundsätzlich wie früher gegen die Polizei und habe sie in meinen Berufsjahren auf der geschlossenen Aufnahmestation in der Psychiatrie ab und zu in Anspruch genommen. Dabei habe ich sie oft als hilfsbereit, manchmal sogar regelrecht fürsorglich wahrgenommen. Klar, es gibt auch unangenehme, die ihre Machtgelüste ausleben. Aber am Donnerstagabend war mir nach friedlicher Koexistenz und schließlich sperrte die Kieler Polizei die Straßen, damit wir da gemütlich spazierengehen konnten.

Und das taten wir: sehr viele Menschen trotz des anhaltenden Nieselregens, mit vielfältigen Lichtern behängt, mit Lichterketten verzierte Schirme und andere phantasievolle Beleuchtungen. Ich hatte meine kleine Solarsonne um den Hals hängen. B. fand allerdings, daß sie blendete, obwohl ich sie runtergedimmt hatte. Wir gingen etwa eineinhalb Stunden durch die Stadt: Möllingstraße – Eckernförder Straße – Westring – Gutenbergstraße – Eckernförder Straße – Westring – Hasseldieksdammer Weg – Kronshagener Weg – Exerzierplatz. Immer begleitet von der Polizei. Es herrschte eine wohlig friedliche Stimmung. Nur ab und zu veranstalteten Antifa-Grüppchen am Straßenrand kleine Störfeuer. Sie trugen Pappplakate mit Aufschriften wie „Nazis raus“ und „Antisemiten“ und schrieen uns an: „Nazis raus, Nazis raus“. Ich kann über diese Menschen nur staunen und wünschte, ich könnte mich mit ihnen mal in Ruhe unterhalten. Ich wüsste wirklich gern, warum sie uns für Nazis halten. Übrigens fiel mir auf, daß die Polizei die Gegendemonstranten im Halbkreis abschirmte, als wollten sie uns vor ihnen beschützen. Irgendwie hat mich dieser Anblick gerührt.

Wenn die Antifa-Leute mit ihrem Geschrei anfingen, riefen viele unserer Mitspaziergänger ihrerseits „Nazis raus“. Das war wohl als Spiegelung gemeint und irgendwie ist es ja auch tatsächlich so, daß diejenigen, die uns so hart anschrieen, genau das taten, was man den Nazis zu Recht vorwirft, nämlich keine andere Meinung zuzulassen. Dennoch gefiel mir das nicht. Ich denke über andere Möglichkeiten nach. Vielleicht wäre Schweigen besser. Hier zeigt sich, was auch in den Mainstreammedien mit konstanter Boshaftigkeit verbreitet wird: alle, die sich kritisch gegenüber den Coronamaßnahmen äußern, sind Rechte. Verrückte Welt! Es mag ja sogar sein, daß der eine oder die andere Rechte auf den Spaziergängen dabei ist. Ich habe als überzeugte Anarchistin keinen Vertrag mit rechtem Gedankengut und Nationalismus ist mir schon immer fremd gewesen. Aber ich möchte mit allen reden können und glaube nicht, daß Ausgrenzung irgendwas besser macht, im Gegenteil. Mich interessiert der Mensch hinter der Gesinnung und warum und wie er oder sie zu eben dieser Gesinnung gekommen ist. Ich denke oft an die Erzählungen meines Vaters, der als Kind mitbekommen hat, wie sich auf den Straßen von Hannover die Kommunisten mit den SA-Leuten prügelten. Hat es genützt? Hat es Hitler und die Jahre des Nationalsozialismus verhindert? Wir müssen heute Wege finden, um die zunehmende Spaltung zu heilen. Denn diese Spaltung nützt nur denen, die uns beherrschen. Und wir müssen erkennen, wo der wirkliche Feind, die wirkliche Bedrohung sitzt. Der moderne Totalitarismus kommt nicht von den Rändern, sondern aus der Mitte.

Als wir uns wieder dem Exer näherten, klang aus den Lautsprechern die alte Pink Floyd-Hymne Another Brick in the Wall, die ich so liebe und die immer noch so zutreffend ist:

„We don‘t need no education

We don‘t need no thought control

No dark sarcasm in the classroom

Teachers leave them kids alone

Hey, teachers leave them kids alone

All in all it‘s just another brick in the wall

All in all, you‘re just another brick in the wall.“

Wir brauchen keinen Unterricht

Wir brauchen keine Gedankenkontrolle

Keinen finsteren Sarkasmus im Klassenraum

Lehrer, lasst diese Kinder in Ruhe

Hey Lehrer, lasst diese Kinder in Ruhe

Alles in allem ist das nur ein weiterer Backstein in der Mauer

Alles in allem bist du nur ein weiterer Backstein in der Mauer.

Gestern Abend haben wir zu viert ein schönes Lichtmessritual gefeiert. Das Feuer, für das ich alles schon im Garten vorbereitet hatte, fiel buchstäblich ins Wasser. Also räumten wir Tisch und Sessel im Wohnzimmer beiseite und sangen und tanzten. Danach gab es gutes Essen und gute Gespräche. Seit gestern bin ich wieder in richtiger Tanzlaune. Das ist schön. Und der Lichtmessimpuls zeigte sich dann heute in zwei sehr erfreulichen Mails von Menschen, die diesen Blog gern lesen. Es war, als sei gestern ein heller Funke in die Welt geflogen.

Schenken

In den nächsten Tagen werde ich meine diesjährigen Kräuterspaziergänge planen. Eine Sache, die mich schon lange beschäftigt, ist der finanzielle Ausgleich. Mir hat es immer Schwierigkeiten gemacht, dafür Geld zu nehmen. Andererseits brauchte ich Geld, um Flyer drucken zu lassen und die Materialkosten zu decken. Und dann hatte ich auch das Gefühl, daß etwas, was umsonst gegeben wird, keine Wertschätzung erfährt. Anfangs verlangte ich einen sehr niedrigen Betrag, weil ich einfach Hemmungen hatte, Geld zu nehmen. Eine Frau, die selbstständig arbeitete, rügte mich dafür und meinte, ich versaute die Preise. Dann nahm ich mehr, aber immer noch vergleichsweise wenig und plötzlich kamen vereinzelte Beschwerden, ich sei zu teuer, was ich definitiv nicht war. Wir leben in einem System, was ganz und gar auf Geld aufgebaut ist. Und immer mehr Menschen scheinen zu merken, daß damit etwas ganz falsch ist. Charles Eisenstein, einer der Mitbegründer der Occupy-Bewegung, hat sich nach der Bankenkrise mit unserem Geldsystem befasst und festgestellt, daß es einfach nicht funktionieren kann und immer nur wenige Gewinner und sehr viele Verlierer hervorbringt. Es ist im Grunde zutiefst irrational, genauso wie der Glaube an das Wirtschaftswachstum.

Jetzt lese ich gerade ein wunderschönes Buch, das meine TCM-Frau I. mir geliehen hat: Geflochtenes Süßgrass – die Weisheit der Pflanzen von Robin Wall Kimmerer. Die Autorin ist Angehörige der nordamerikanische First Nations und gelernte Botanikerin und sie flechtet auf sehr schöne Weise Wissenschaft, indigene Mythen, persönliche Erfahrungen zu einem Zopf. Das ganze Buch durchzieht das Thema Schenken und Dankbarkeit und beim Lesen habe ich ständig Aha-Erlebnisse. Die weißen Siedler haben den Indigenen unglaublich viel Leid zugefügt, das wird in diesem Buch noch einmal schmerzhaft deutlich. Ihre Kultur wurde weitgehend zerstört, wie das auch in Afrika und Australien geschehen ist. Aber allmählich werden die alten Weisungen wieder erinnert und die alten Wege wieder aufgenommen. Sie sieht sich selbst als Lernende und ihre Lehrer und Lehrerinnen sind überwiegend die mehr-als-menschlichen Wesen, vor allem die Pflanzen.

Das Lebensprinzip der Erde ist das Schenken. Alles, was wir brauchen, bekommen wir geschenkt. Damit wir leben können, sterben andere Wesen. Das ist übrigens nicht nur bei Fleischessern, sondern auch bei Veganern der Fall, denn auch Pflanzen sind lebendige Wesenheiten, die sterben, wenn wir sie essen. Wir töten Bäume, um Feuer machen zu können und Häuser zu bauen. Die Urvölker wussten noch um diese Gegenseitigkeit: heute nehme ich die Geschenke der Erde, morgen gebe ich mich hin, damit andere leben können. Und wenn es die Würmer sind, die mich nach meinem Tode essen. Diese Gegenseitigkeit wird heute nicht mehr praktiziert. Menschen nehmen und nehmen. Wenn wir die Erde aufreißen und Kohle, Erdöl, Metalle und anderes herausholen, ist das Gewalt und hat nichts mit dem Annehmen von Geschenken zu tun.

Wenn wir uns aber der ungeheuren Großzügigkeit von Mutter Erde wieder bewusst werden und Dankbarkeit dafür zum Ausdruck bringen, vollzieht sich eine große Veränderung nicht nur in uns sondern auch in unserer Mitwelt. Das alles beschreibt sie auf eine Weise, die tief ins Herz dringt.

Was das mit meinen Kräuterkursen zu tun hat? Ich bin zu dem Schluss gekommen, daß das Wissen von den Heilpflanzen Allmende ist, also Gemeingut. So war es früher, als noch jedes Dorf seine Kräuterhexe und seine Hebamme hatte, an die man sich wenden konnte und die ihr Wissen an die weitergab, die es wertschätzten und im Sinne der Gemeinschaft verwendeten. Natürlich muss ich weiterhin meine Materialkosten abdecken können. Das könnte dann in Form einer Spende geschehen, über deren Höhe jede selbst entscheidet. Und übrigens habe ich einfach tierische Lust, auf diese Weise unser destruktives Geldsystem zu unterwandern.

Masken

hier im Norden gibt es viel Wasser und wenig Sonne

Am Tag vor Heiligabend war ich in Kiel auf dem Markt. Da fiel mir auf, daß ungefähr 50% der Marktbesucher*innen Masken trugen, viele von ihnen sogar FFP2-Masken, obwohl es keine solche Verordnung gab. Ich fand dafür nur die Erklärung, daß die Angstpropaganda über die hochansteckende Omikronvariante des Virus voll ihre Wirkung entfaltet hatte. Das hat mich wirklich tief deprimiert. In der darauffolgenden Woche hatte ich schon alles für meinen Marktgang vorbereitet, entschied mich dann aber dagegen, weil mir eine Wiederholung dieses Szenarios geradezu körperlichen Widerwillen bereitete.

Ich finde Masken nur bei sehr wenigen Gelegenheiten sinnvoll: als medizinische Maske im OP ganz klar und als FFP2-Maske bei handwerklichen Tätigkeiten, die mit Staub und ähnlichen lungenschädigenden Substanzen verbunden sind. Ansonsten halte ich das Tragen von Masken für völlig sinnfrei und kontraproduktiv. Ganz furchtbar finde ich, wenn Kinder zum Maskentragen gezwungen werden, oft stundenlang. Über die Auswirkungen auf deren Gehirnentwicklung ist bereits viel geforscht und berichtet worden, aber wie immer bei vom offiziellen Narrativ abweichenden Ansichten gelangen diese Erkenntnisse weder in die Zeitungen noch in die öffentlich-rechtlichen Medien. Wie ist das wohl, wenn Kinder in der Schule nicht mehr die Mimik der Lehrpersonen lesen können? Ich kann mich noch gut erinnern, daß ich als Kind sehr auf die Mimik meiner Mutter achtete und mich gegebenenfalls zurückzog, wenn ihr Gesichtsausdruck Unzufriedenheit und schlechte Laune zeigte. Noch vor wenigen Jahren wurde immer wieder öffentlich diskutiert, ob man muslimischen Frauen nicht den Gesichtsschleier verbieten müsse und in einigen Fällen, etwa bei einer Kieler Studentin, ist das ja auch geschehen. Jetzt sind Maskierungen an vielen Orten vorgeschrieben, teilweise auch im Freien. Dabei weiß eine doch aus dem Physikunterricht, daß die warme Atemluft immer sofort nach oben aufsteigt.

Die Maske soll uns vor der Lungenkrankheit Covid19 schützen, die in schweren Fällen zu Atemnot oder sogar Ersticken führen kann. Dieser Schutz besteht nun darin, daß wir die verbrauchte Luft nicht mehr vollständig, wie eigentlich vorgesehen, an die Umgebung abgeben können, wo sie von grünen Pflanzen und Bäumen eingeatmet und zu Sauerstoff recycelt werden kann. Stattdessen atmen wir einen Teil dieser verbrauchten Luft wieder ein. Das ist besonders krass bei FFP2-Masken.

In unserem weisen Körperuniversum gibt es drei große Entgiftungsorgane: die Leber, die Haut und die Lunge. Letztere hindern wir mit der Maske also am Entgiften. Mal davon abgesehen können die roten Blutkörperchen nicht mehr ausreichend Sauerstoff in alle Organe transportieren und Sauerstoffmangel im Gehirn führt zu Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Das heißt also: wir sollen Masken tragen, um eine Krankheit zu verhindern, die in seltenen Fällen zum Tod durch Ersticken führen, und uns damit in einen chronischen Zustand von Sauerstoffmangel bringen.

Ich habe noch eine andere Vermutung: wenn ich mich mit einer Maske gegen eine mögliche Gefahr verrammele und verriegele, behindere ich nicht nur den naturgegebenen Gasaustausch sondern auch den Austausch von anderen unsichtbaren Stoffen, mit denen wir kommunizieren, ohne daß unser Bewusstsein beteiligt ist. Denn man weiß doch, daß Kommunikation über Worte nur einen kleinen Teil ausmacht. Es gibt neben der Kommunikation über Körpersprache und Mimik, die ja wie oben beschrieben wegen der Maske nicht mehr stattfindet, auch noch einen Austausch über z.B. Pheromone statt, also diese nicht bewusst wahrnehmbaren hormonartigen Substanzen, mit denen wir andere auf einer viel tieferen Ebene spüren können als über Worte. Das ist sehr lange schon bekannt, davon zeugen Sprüche wie: „Ich kann den nicht riechen“ oder „Sie roch nach Angst“, aber auch „Ich kann dich gut riechen“.

Meine Katze hat eine Angewohnheit, die mich sehr rührt: ab und zu kommt sie mit ihrer Nase ganz dicht an meine und schnuppert. Ich nehme das als Zeichen einer großen Vertrautheit. Vielleicht erfährt sie auf diese Weise auch, wie es mir gerade geht oder gibt mir die Gelegenheit zu erfahren, wie es ihr gerade geht.

noch mehr Wasser

1986 bis 1987 während meiner Körpertherapie, habe ich buchstäblich das Atmen gelernt: tiefes Ein- und Ausatmen, das meinen ganzen Körper durchströmt hat. Mit dem Atmen kamen verschüttete Gefühle an die Oberfläche und ich habe dadurch auch meine Verbindung zur Wildnis, zur Freiheit wiedergefunden. Später habe ich bei meiner Arbeit manchmal Patienten mit Panikattacken durch gemeinsames Atmen helfen können: ich habe mich dann vor sie gesetzt und wenn ich wusste, daß es für sie in Ordnung war, habe ich ihre Hände genommen oder ihre Knie berührt, um unsere beiden Nervensysteme zu verbinden (was allein schon beruhigend wirken kann). Und dann habe ich sie aufgefordert, mir ins Gesicht zu sehen und mit mir gemeinsam zu atmen, mit hörbaren Geräuschen. Das hat in kurzer Zeit zum Nachlassen der extremen Angst geführt. Eine so einfache und effektive Hilfe ist mit Maske nicht möglich.

Holunder mit Moosbällchen

Bleib zu Hause

Ich muss öfter an eine Geschichte denken, die sich vor etwas mehr als einem Jahr ereignet hat. Eine Freundin hat sie mir erzählt und ich finde sie richtig schön und passend für die heutige Zeit:

Sie hatte sich zu einem Seminar oder Retreat angemeldet und wollte von den Veranstalter*innen wissen, wie sie es mit den Coronamaßnahmen hielten. Die Antwort, die sie erhielt: „Wenn du Angst hast, bleib zu Hause.“ Kurz und knapp! Als ich diese Geschichte hörte, dachte ich „Wow! Wie toll!“

Heute habe ich gehört, daß das Unwort des Jahres Selbstverantwortung ist. Es ist noch gar nicht lange her, da galt Selbstverantwortung als etwas Positives. Aber in heutigen Zeiten ist es mit den Worten wie in Georges Orwells Dystopie 1984. Begriffe werden umgedeutet und zwar in ihr exaktes Gegenteil: Krieg ist Frieden, Hass ist Liebe, Lüge ist Wahrheit, eine natürliche Immunisierung mit dem Virus ist eine „schmutzige Impfung“ (wörtliches Zitat unseres neuen „Gesundheits“ministers). Daß Menschen ein Bewusstsein dafür haben, daß sie für sich selbst verantwortlich sind, ist in meinen Augen ein Zeichen für Erwachsensein. Natürlich muss ich das ein wenig relativieren: ich bin selbst für meine Gesundheit, mein Leben verantwortlich, aber es gibt heute eine Menge gesundheitsschädliche Faktoren, denen ich mich nicht oder nur schwer entziehen kann, z. B. Pestizide, 5G-Strahlung und was sonst so an Giften in der Atmosphäre rumschwirrt. Dennoch habe ich in vielen Bereichen die Wahl. Und es liegt mir fern, von einer anderen Instanz zu erwarten, daß sie für meine Gesundheit sorgt. Das verbitte ich mir sogar ausdrücklich. Ich übernehme auch keine Verantwortung für die Gesundheit von anderen Menschen, ausgenommen von Kindern, wenn sie mir anvertraut wurden.

Mein Vater hat mich sicher geliebt auf seine zurückhaltende Art. Und ich ihn auch. Aber als ich in die Pubertät kam, hat er mir alles verboten, was junge Mädchen in dem Alter tun wollen: Partys feiern (damals hieß das Fete), mich mit Jungen treffen. Ich weiß, daß er große Angst hatte, daß ich schwanger werden würde. Ich habe nicht gehorcht. Ich habe alles gemacht, was er mir verboten hat. Das war schwierig und anstrengend und mit viel Trickserei und Lügen verbunden. Und der Druck von seiner Seite wurde immer schlimmer. Ich musste dann in sein Arbeitszimmer zum Gespräch. Da hat er auf mich eingeredet und mir gedroht. Die schlimmste Drohung war, als er mir sagte, daß ich ein labiler Mensch sei und wenn ich so weiter machte, würde ich schizophren werden. Ich konnte dem nichts entgegensetzen und hatte insgeheim tatsächlich Angst vor dem Wahnsinn, den er mir in schillerndsten Farben an die Wand malte. Er sagte auch, daß mein Leben quasi vorbei sei, wenn ich ein uneheliches Kind bekäme und kein Mann sich dann noch für mich interessieren würde (tatsächlich war damals in den 60er Jahren ein außereheliches Kind ein ganz übler Makel für eine Frau, aber nicht für den Mann, der sie geschwängert hatte). Ich habe meinen Vater in der Zeit gehasst; er war der Inbegriff des Unterdrückers für mich. Keine meiner Schulkameradinnen und Freundinnen wurde so gegängelt wie ich. Der ganze Horror hörte erst auf, als ich mein gerade begonnenes Studium aufgab, auszog und anfing mein eigenes Geld zu verdienen.

Warum ich das erzähle? Weil es mich an die Vorgänge, die sich derzeit weltweit ereignen, erinnert: Regierungen gängeln die Menschen unter dem Vorwand, für ihre Sicherheit und Gesundheit zu sorgen. Sie arbeiten mit Angstmacherei, Verboten und Drohungen. Sie behandeln Menschen wie Kinder, die noch nicht für sich selbst sorgen können. Der Vergleich hinkt natürlich insofern, als ich nie und nimmer davon ausgehe, daß irgendeine Regierung so etwas wie Liebe für die Bürger empfindet.

Ich bin übrigens heute mit meinem Vater im Reinen. Und diese schlimme Zeit zwischen meinem vierzehnten und neunzehnten Lebensjahr hatte etwas Gutes: ich bin damals zur Rebellin geworden, habe gelernt zu mir selbst zu stehen und eine große Sensibilität für Unrecht und subtile Gewalt entwickelt. So gesehen war das damals mein Trainingslager für heutige Zeiten.

Zum Schluss noch der Link zu einem neuen Artikel vom großartigen Charles Eisenstein zum Thema Nachrichtenfasten, leider nur auf Englisch: https://charleseisenstein.substack.com/p/wanna-join-me-in-a-news-fast?token=eyJ1c2VyX2lkIjo2OTY1NjEwMiwicG9zdF9pZCI6NDcyMTczNDgsIl8iOiIyTGJYSSIsImlhdCI6MTY0MjQ0Nzk4MCwiZXhwIjoxNjQyNDUxNTgwLCJpc3MiOiJwdWItNDI3NDU1Iiwic3ViIjoicG9zdC1yZWFjdGlvbiJ9.yzWDjUNcRlYPOli-ADr00No0L86-xCW0FrFrxdtRM1k

Imagozellen

H. sagte in einem unserer Videotelefonate, er suche nach einer Form des Widerstands, die den Prinzipien der asiatischen Kampfkünste folgte, indem sie die Energie des Gegners nutzt statt der eigenen. Ich habe darüber viel nachgedacht und finde die Idee ziemlich attraktiv. Vor langer Zeit habe ich mal auf der psychiatrischen Aufnahmestation erlebt, wie mein damaliger koreanischer Kollege, der Taekwondo praktizierte, eine Patientin zu Boden brachte, die auf uns beide losging. Ich stand neben ihm und habe keine Bewegung gesehen, aber die Frau lag plötzlich, übrigens ohne sich wehzutun. Sie war so verblüfft, daß ihre Rage völlig verflogen war.

Was kann also in Zeiten des zunehmenden Drucks, der Drohungen und immer massiveren Einschränkungen der Grundrechte getan werden? Widerstand bindet viel Energie, die besser anders eingesetzt werden könnte. Ich sehe da zur Zeit viele hoffnungsvolle Ansätze. Immer mehr Menschen organisieren sich in kleinen Gruppen, bilden Genossenschaften und Arbeitsgruppen, arbeiten an neuen Modellen für ein Gesundheitswesen, das wirklich diesen Namen verdient, visionieren ein Wirtschaften ohne Tauschlogik, stärken regionale Kreisläufe, bilden Initiativen für freie Schulen. Es ist einfach nur erfreulich. Nicht alles wird bleiben, nicht alles wird sich bewähren, aber auf jeden Fall werden neue Erfahrungen gemacht, die uns dann weiterbringen können. Diese kreativen Kräfte entsprechen für mich den Imagozellen im Raupenkokon, die in sich schon das Bild des Schmetterlings haben. Und es scheint mir auch sehr hilfreich zu sein, den Drohungen und dem Panikschüren einfach keine Beachtung mehr zu schenken. Ich fahre damit ganz gut, indem ich kaum noch Mainstreammedien konsumiere. In denen wimmelt es so dermaßen von Diffamierungen Desinformation und Hetze, das brauche ich nicht. Ich bin allerdings auch wählerisch bei den Alternativmedien und habe mittlerweile einige Übung beim Auswählen von für mich relevanten Informationen.

Ich bekomme in den letzten Wochen vermehrt Anfragen, ob ich wieder Kräuterkurse mache. Es besteht ein großes Bedürfnis, sich von der Schulmedizin unabhängiger zu machen. Das finde ich sehr erfreulich. Ja, ich werde dieses Jahr wieder Kräuterkurse anbieten und das demnächst auf meiner Homepage öffentlich machen. Die Winterwochen nutze ich gerade dazu mich weiterzubilden: die liebe I. hat mich auf die Gemmotherapie aufmerksam gemacht, also die Behandlung mit Zubereitungen aus Baum- und Strauchknospen, die pflanzliche Stammzellen enthalten. Ein sehr spannender Bereich. Bei meinen täglichen Spaziergängen schaue ich mir jetzt die Bäume noch genauer an und ganz besonders die Knospen, die schon alle angelegt sind und auf den richtigen Moment warten, sich dem Licht zu öffnen. Wie schön, daß es immer wieder etwas Neues zu lernen, zu entdecken und auszuprobieren gibt!

männliche Haselkätzchen

Widerstand muss in meinen Augen absolut gewaltfrei sein. Die Geschichte zeigt, daß alle Revolutionen letztlich gescheitert sind, wenn sie gewaltsam waren. Ob nach der französischen Revolution, in der ehemaligen Sowjetunion oder in China: aus anfänglich guten Ansätzen, die die unterdrückte und ausgebeutete große Mehrheit der Bevölkerung befreien wollten, sind dann neue totalitäre Systeme geworden. Das haben wir zur Genüge gehabt. Es reicht! Oder „Ya basta!“ wie die Zapatisten sagen. Ich bin davon überzeugt, daß wir jetzt die Chance haben, die schönere Welt zu erschaffen, „die unser Herz kennt“(Charles Eisenstein). Ich finde es ganz besonders wichtig, daß wir es uns auch schön machen und darauf achten, daß es uns gut geht. Da zitiere ich gern mal wieder die Anarchistin Emma Goldmann: „Eine Revolution, bei der ich nicht tanzen kann, ist nicht meine Revolution.“ So isses!

Übrigens ist die Freundin, die an Covid erkrankt war (ich habe davon berichtet), wieder gesund und munter. Sie hat mich besucht und mir ausführlich vom Verlauf ihrer Krankheit berichtet. Geholfen haben ihr Artemisia annua und homöopathische Medikamente, die ihr Hausarzt ihr nach Telefonkonsultationen verschrieben hat. Ich glaube, daß auch die völlige Akzeptanz ihrer Krankheit die Genesung erheblich gefördert hat.

Zwischen den Jahren

Über die Weihnachtsfeiertage waren meine Kinder und mein Schwiegersohn da. Wir hatten es ruhig und gemütlich. Es gab Schnee und Kälte, wie ich das aus meiner Kindheit kenne. Leider fing das Tauwetter in dem Moment an, als ich mich an meine alten Schlittschuhe erinnerte, die im Schuppen liegen. Na, vielleicht gibt es noch eine Chance. Auch wenn ich mich wiederhole: ich habe es ziemlich gut mit meiner Familie und dazu gehören auch meine Schwiegerkinder!

Silvester war ich dann allein zu Haus. I, bei der ich viele, viele Male den Jahreswechsel gefeiert habe, wohnt ja nicht mehr in der Nähe. Ich habe nichts vermisst. Es war sehr ruhig im Dorf, ganze zwei Böller waren zu hören, sehr angenehm und kein Stress für die Tiere.

Mittlerweile ist es wieder seit Tagen grau und meine Stimmung ist das auch. Es ist so, als wäre ich zur Zeit ohne Schutz und das ganze Elend der Welt käme ungebremst bei mir an. Ich gehe gut mit mir selbst um, mache Spaziergänge, höre weder Nachrichten noch lese ich Zeitungen und nehme montags an den Spaziergängen teil, die jetzt in allen Städten stattfinden. Das tut gut. Gestern habe ich einen schönen Podcast mit Charles Eisenstein gehört, den meine Tochter mir empfohlen hat: da geht es um Covid, Totalitarismus, Widerstand, Impfungen, das Nicht-Zulassen von Spaltung und die „dunkle Nacht der Seele“, mit der so viele Menschen derzeit zu tun haben. Das Ganze ist auf Englisch: https://podcasts.apple.com/us/podcast/a-higher-perspective-with-charles-eisenstein/id1544014917?i=1000544552904

Es ist ja auch nicht erstaunlich, wenn eine von einer düsteren Stimmung heimgesucht wird: wird doch immer offensichtlicher, wie wir Menschen kollektiv und als Einzelne soviel Schaden auf der Erde angerichtet oder zugelassen haben. Das zu erkennen ist schmerzhaft. Und gleichzeitig glaube ich, daß wir in dieser Zeit des Großen Wandels die Chance haben, endlich unser volles Potential zu verwirklichen. Denn wie Charles Eisenstein sehe ich es so: wir können es besser! Und es gibt keinen Retter, keinen Messias, keinen, der uns erlöst. WIR sind die Menschen, deren Visionen, Tatkraft und Mut jetzt gefragt sind. WIR sind diejenigen, die jetzt wach werden, um dem Lebendigen zu dienen.

Ich höre und lese in den letzen Wochen immer wieder das Wort „Menschheitsfamilie“. Das gefällt mir sehr. Ich möchte es gern noch erweitern, weil ich mich nicht nur Menschen verwandt fühle, sondern allen Wesenheiten der Erde, den sichtbaren und den unsichtbaren: Ich bin Angehörige der Erdenfamilie.

Ich habe gerade ein schönes und kluges Buch gelesen: Aktivismus heißt Verbindung – indigene Weisungen zur Heilung der Welt von Sherri Mitchell. Die Autorin stammt aus der Penobscot Indian Reservation in den USA und ist Juristin. Ich habe es von Freundin K. zum Geburtstag bekommen. Danke, liebe K., das war genau das, was ich brauchte!

Wintersonnenwende

Katzen lieben seltsame Plätze

Die Wintersonnenwende verbrachte ich allein. Ich hatte recht kurzfristig zum Ritual eingeladen und die beiden Frauen, die eigentlich kommen wollten, sagten dann wieder ab. Eine aus familiären Gründen, die andere, weil sie an Covid erkrankt ist. Das ist nun die erste Erkrankung in meinem unmittelbaren Umfeld und ich verfolge den Verlauf mit großem Interesse. Sie befindet sich zu Hause, gut betreut von ihrem homöopathischen Arzt, und genießt, wie sie mir per SMS mitteilte, das völlige Nichtstun, weil sie zu nichts anderem in der Lage ist. Das erinnert mich an die Grippe, die ich vor vielen Jahren hatte: 40 ° C Fieber lassen dir keine Wahl. Das ist gut, weil dann die weise Selbstregulation in aller Ruhe und ohne ständige Einmischung des Verstandes übernehmen kann. Ich habe ihr meine pflegerische Hilfe angeboten. Bis jetzt hat sie die nicht gebraucht. Allerdings habe ich in ihrem Auftrag für sie eingekauft. Ehe jetzt hier der Verdacht aufkommt, daß ich mich mit Infizierten treffe und als Spreaderin betätige: es gab bis jetzt keinen persönlichen Kontakt. Und sollte es dazu kommen, was ich nicht ausschließen kann, werde ich mich in Quarantäne begeben. Das würde ohnehin zu den Raunächten passen. Und es gilt immer noch: ich habe keine Angst vor dem Virus.

Überhaupt Angst: nachdem ich meinen ohnehin schon nicht so reichlichen Mainstreammedienkonsum sehr heruntergefahren habe (nur noch ein- bis zweimal in der Woche Radionachrichten und einmal in der Woche die Welt, das einzige Blatt, was ich einigermaßen ohne Brechreiz lesen kann), muss ich sagen, daß auch die Alternativmedien teilweise dazu neigen, Angst zu verbreiten, Angst vorm Einfrieren der Konten, Angst vor Blackouts und anderen Mangelszenarien, Angst vor einem Krieg zwischen Russland und USA usw. Ich finde Angstmachen keine gute Idee, ist auch schädlich fürs Immunsystem, also bin ich noch wählerischer im Hereinlassen von Informationen in mein Nervensystem. Ich halte all das, was da an die Wand gemalt wird, für möglich. Aber erstens wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird und zweitens sehe ich mit großer Freude, wie sich Parallelstrukturen bilden. Diese Zeit ist unsere große Chance, endlich die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und in allen Bereichen Strukturen zu schaffen, die wirklich der Menschheitsfamilie und der mehr-als-menschlichen Welt dienen: z. B. können wir endlich ein Gesundheitswesen kreieren, das wirklich diesen Namen verdient und nicht dem Profit, sondern uns dient. Es gibt genug Menschen, die jetzt den sogenannten Gesundheitssektor verlassen, all die Pflegekräfte und Ärzt*innen, die wegen der drohenden Zwangsimpfung ihre Arbeitsplätze verlieren. Und auch im Bereich der Wirtschaft tun sich neue Möglichkeiten auf. Wer, wenn nicht wir, kann das auf eine gute Art gestalten? Ich sage ja nicht, daß es einfach sein wird und wir sind noch nicht durch die Talsohle durch, aber dennoch: dies ist unsere Zeit!

Einer meiner Kraftplätze, eine sogenannte Holsteiner Kammer

Und noch was finde ich extrem wichtig: wir müssen mit allen reden und allen zuhören, dürfen niemanden mehr ausgrenzen. Wir gehören alle zur Menschheitsfamilie, die Linken und die Rechten und die dazwischen, die Demonstrierenden und die Polizist*innen, die Geimpften und die Ungeimpften usw. Das ist sicher nicht immer leicht, aber es scheint mir absolut notwendig. Niemand ist im Besitz der ganzen Wahrheit. Ich freue mich nicht, wenn ich wie neulich von einer Frau eine sehr vehemente Rede über die „unsolidarischen Leute“, die keine Masken tragen, höre. Aber ich höre ihr zu. Und ich möchte auch, daß man mir zuhört, wenn ich sage, was ich am Maskentragen so überaus schädlich finde. Und die Kunst besteht vielleicht darin, diese beiden Meinungen einfach nebeneinander stehenzulassen: Ah, so sieht sie das also! Irgendwann werden wir es alles besser wissen – vielleicht.

Die Maulwürfe haben die winterliche Gartengestaltung übernommen

Das Wilde

Ich war mal wieder auf Reisen, dieses Mal nach Münster zu meiner Mutter und habe ein zauberhaftes Buch gelesen, das mir die liebe L. zum Geburtstag geschenkt hat: An das Wilde glauben von der französischen Anthropologin Nastassja Martin. Die Autorin hat in Kamchatka eine Begegnung mit einem Bären gehabt, der sie im Gesicht und am Schädel schwer verletzt hat. Sie beschreibt diese Begegnung, ihre Auseinandersetzung damit und ihren Heilungsweg auf eine sehr intensive und ungewöhnliche Weise. Ihre Sprache ist poetisch und assoziativ, das liest sich einfach wunderbar und ich habe gestern auf dem Rückweg im Zug den größten Teil des Buches in einem Rutsch gelesen.

Sie beschreibt die Gewalt, die sie in einem russischen Krankenhaus und später noch massiver in der Pariser Salpêtrière erlebt hat. Ich weiß genau, wovon sie spricht, denn ich habe Ähnliches selbst erlebt: die Bevormundungen durch Ärzte, die unerschütterlich an ihre eigene Überlegenheit glauben, deren Unfähigkeit, mit den Gefühlen dieser schwer verunstalteten Frau in Resonanz zu gehen, die Eindimensionalität der Psychologin. Aber sie schreibt auch von ihrer Weigerung, den Anordnungen zu folgen und ihnen letztendlich zu entkommen. Schließlich treibt es sie wieder nach Kamchatka, wo sie das, was geschehen ist, weiter verarbeitet. Eine Passage hat mich besonders angesprochen, als die indigene Frau, in deren Jurte sie lebt, ihr vom Zusammenbruch der Sowjetunion erzählt: „Nastja, sagte sie, eines Tages ist das Licht ausgegangen und die Geister sind wiedergekommen. Und wir sind in den Wald zurückgekehrt. … Bei mir ist das Licht nicht ausgegangen und die Geister sind geflohen. Ich sehne mich so sehr danach, das Licht zu löschen. Heute Nacht kehre auch ich in den Wald zurück.“

Oh ja, diese Sehnsucht habe auch ich in mir: nach dem Wald, nach dem natürlichen Licht, nach dem Wilden. In Münster bin ich zwischen den Besuchen bei meiner Mutter viel spazieren gegangen. Die Wohnung meiner Eltern liegt im Stadtrandgebiet und es gibt viel Grün, der Aasee ist nicht weit. Aber das Rauschen der Autobahn ist immer da, in der Nacht blinken die Lichter, es gibt keine richtige Dunkelheit und ständig ist das Brummen von Flugzeugen zu hören. Im Bus waren die meisten mit ihren Smartphones beschäftigt, von den Gesichtern sind nur noch die Augen zu sehen, seit wir zum Maskentragen gezwungen sind. Was für eine traurige Welt. Ja, ich sehne mich danach, daß auch bei uns das Licht ausgeht und ich weiß, daß es geschehen wird, vielleicht schon bald. Und dann ist unsere Kreativität gefragt, dann können wir herausfinden, welches Leben uns wirklich glücklich macht, wenn all diese Ersatzbefriedigungen wegfallen. So gesehen finde ich es übrigens überhaupt nicht schlimm, daß man als ungeimpfter Mensch keinen Zutritt mehr zu diversen Geschäften, Kinos und Restaurants hat. Das alles fehlt mir nicht und ich greife auch nicht auf den Online-Handel zurück. Auch den brauche ich nicht. Und auch hier werden die Geister zurückkehren.

In der Welt, die ich mir seit kurzem einmal in der Woche leiste (mal sehen, wie lange noch), nachdem mich die Süddeutsche und die TAZ wegen ihrer Coronaberichterstattung schwer anwidern, stand am Montag ein Erklärungsversuch, warum die Impfquote in den deutschsprachigen Ländern so niedrig ist: das läge an der Romantik, die zu einer „Naturvergötzung“ geführt habe. Tja, das spricht für sich selbst. Aber am letzten Donnerstag hat Otto Schily, den ich mal gut fand und dann nicht mehr, als er als Innenminister der Schröder-Fischer-Regierung zum Oberscharfmacher der Nation mutierte, einen Kommentar geschrieben, der mir gefiel. Er hält die geplante Einführung der Impfpflicht für verfassungswidrig und ist, obwohl selbst dreifach geimpft, strikt dagegen.