Beziehung

Das gute selbstgebackene Roggenbrot

In Hessen ging ich nach dem Mittag- oder Abendessen in den Wald. Ich kam an einer Wiese vorbei und hörte den jubilierenden Gesang einer Lerche. Wenig später konnte ich sie auch sehen, wie sie über der Wiese auf- und niederflog. Als ich Kind war, gehörten Lerchen zum Frühling und Sommer. Sie waren überall, wo es Wiesen gab. Daß sie dabei sind zu verschwinden, habe ich erst bemerkt,, als ich vor etwa zehn Jahren mal wieder eine hörte und sah, ganz in meiner Nähe in einem Kiesgrubenbiotop. Aber seit einigen Jahren ist sie auch dort verschwunden. Das ist sehr traurig. Diese kleinen Vögel sind für mich der Inbegriff der großen Freude über die Schönheit der Erde: dieser ekstatische Gesang, das Tanzen in der Luft – es ist die reinste Lebensfreude, ein überquellendes Dankeslied an Mutter Erde und ihre Fülle. Es gibt kaum noch naturbelassene Wiesen, in denen sie brüten können.

Noch etwas anderes verschwindet. Vom Zug aus konnte ich, während wir durch Niedersachsen fuhren, sehen, daß die Wälder meiner Kindheit sterben. Es waren Fichten, Hunderte, Tausende toter Fichten, an denen wir vorbeifuhren. Ich habe Bilder vom Harz gesehen, wo man jetzt an einigen Stellen dazu übergegangen ist, den Wald sich selbst zu überlassen, das Sterben geschehen zu lassen und zuzusehen, wie er sich mit anderer Vegetation von selbst erneuert. Das halte ich für die einzig richtige Antwort auf das große Sterben: sich nicht mehr einzumischen, sondern der Selbstregulation zu vertrauen. Ich weiß, daß das Sterben seine Ursache in den Monokulturen, der Trockenheit und dem Befall mit Borkenkäfern hat und daß alles miteinander zusammenhängt.

Meine grünen Verbündeten

Mich beschäftigt immer noch das extreme Verhalten der Teilnehmerin meines letzten Kräuterkurses. Sie hat mir zum Schluss, bevor ich sie wegschickte, noch gesagt, daß sie etwas anderes erwartet hätte. Nun, wenn sie meine Homepage oder den Flyer gelesen hätte (was sie angeblich getan hat) oder wenn sie mir zugehört hätte (was sie nicht getan hat), wäre ihr schon zu Beginn klar geworden, daß ich nicht die richtige Lehrerin für sie bin.

Mir kommt es in meinen Kursen darauf an, Menschen zu vermitteln, wie sie mit den Pflanzen in Beziehung treten können. Dazu braucht es die Bereitschaft sich einzulassen und alle Sinne einzusetzen. Von meiner Seite gibt es ein breites Angebot an Geschichten, Mythen, Erfahrungsberichten mit den Pflanzen, auch Wissenschaftliches und zum Abschluss ein Skript mit den wichtigsten Informationen. Man kann Pflanzen benutzen wie Medikamente, also mit der Einstellung: ich will ein Mittel, was mir meine Krankheit, meine Beschwerden wegmacht. Diese Haltung kennen wir alle, sie ist verständlich. Mit dieser Haltung gehen wir auch in der Regel zum Arzt, der uns schnell von allem befreien soll, was uns plagt. Man bekommt dann Schlaftabletten, Tabletten gegen Schmerzen und Bluthochdruck, Antidepressiva und was heute noch so alles völlig normal geworden ist. Aber all diese Mittel helfen – im günstigsten Fall und längst nicht immer und jedem – nur gegen die Symptome. Sie können nicht heilen. Das gilt auch für Pflanzen, die anstelle der Erzeugnisse der Pharmaindustrie eingesetzt werden: vielleicht helfen sie vorübergehend, aber sie heilen nicht.

Damit Heilung geschehen kann, braucht es nach meiner Erfahrung Beziehung. Das heißt zuallererst Beziehung zu mir selbst, zu meinem Körper. Dabei können Fragen helfen: wozu brauche ich diese Krankheit? Ich glaube, daß jede Krankheit eine Aufgabe mit sich bringt, die erkannt werden will. Im Wort Aufgabe steckt das Aufgeben. Was möchte aufgegeben werden? Welche Einstellungen, welche alten Glaubenssätze sind nicht mehr angemessen? Dazu fällt mir wieder der Satz meines verstorbenen Freundes und ehemaligen Therapeuten Jans ein: „Die Seele sagt zum Körper: sag du’s ihr. Auf mich hört sie nicht.“ Im Fall einer Grippe oder meinetwegen auch Covid ist das einfach: die Aufgabe ist, sich ins Bett zu legen und der Weisheit des Körpers das Feld zu überlassen. Da Fieber, Gliederschmerzen und was man sonst noch an typischen Symptomen hat, den Verstand genialerweise weitgehend lahmlegen, kann der dabei auch nicht stören. Das ist Körperintelligenz! Bei anderen Krankheiten dauert das länger. Ich bin in meinem Leben nicht sehr oft, aber einige Male schwer krank gewesen. Das letzte Mal hat sich in meinem 28. Lebensjahr ereignet und es hat viele Jahre gebraucht, bis ich wieder richtig gesund war. Aber diese Zeit war so wichtig für mich und ich wäre nicht die, die ich bin, wenn ich sie nicht gehabt hätte. Im Rückblick weiß ich, daß sie zu meinem Seelenplan gehörte. Zurück zu den Pflanzen: wenn ich mir wünsche, daß die Pflanzen mir helfen in meinem Genesungsprozess, dann ist es gut, mit ihnen in Beziehung zu gehen, sie als lebendige Wesenheiten zu erkennen und von ihnen zu lernen. Man kann natürlich auch Bücher oder das Internet zu Rate ziehen: welche Pflanzen helfen bei diesen oder jenen Beschwerden? Das ist die gleiche Haltung wie bei der Einnahme von Tabletten. Kann man machen, aber es ist dann eben nur Symptombehandlung. Es ist die Konditionierung des Konsumierens. Es ist eine Frage der Entscheidung. Mein Weg ist ein anderer und ich finde ihn zutiefst befriedigend und erfüllend. Das ist das, was ich in meinen Kursen vermittle.

Etwas abgewandelte Aufforderung von Willem Christiaan Engel, Tänzer und Aktivist, der vor einigen Tagen aus der Untersuchungshaft in Rotterdam entlassen wurde

Und wer noch was anderes über den Ukrainekrieg lesen möchte als das Dauergeschrei der Mainstreammedien: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-deutschen-wollen-den-krieg-in-der-ukraine-gewinnen

Bewusstseinsfeld

Ich war fünf Tage am Edersee als Teilnehmerin des Seminars „Lesen im Bewusstseinsfeld“ mit Stephan Meier und bin am Donnerstagabend völlig erfüllt zurückgekommen. Ich bin schon recht lange mit mir und meinem Leben recht zufrieden und doch gab es auch immer eine Ahnung, daß da noch mehr ist, was ich in meinem jetzigen Erdenleben machen möchte. Manchmal sah es aus wie eine Nebelwand, durch die ich nicht hindurchsehen konnte. Dann sah ich vorletztes und letztes Jahr Interviews, die Judith Haferland im Rahmen ihres Kongresses Die Reise deines Lebens mit Stephan Meier geführt hat und fühlte eine große Resonanz. Dieses Jahr habe ich mich dann kurzfristig für die Teilnahme entschieden und soviel unbeschreiblich Schönes und eine große innere Erweiterung erfahren. Die Nebelwand beginnt sich zu lichten. Und ich habe fünf Tage lang erlebt, wie Menschen wirklich sind/sein können: liebevolle, offene, leuchtende Wesen. Mehr kann/will ich erst mal nicht berichten. Ich brauche jetzt Zeit, um alles zu verdauen und sich setzen zu lassen.

Heute kam das Kontrastprogramm: während des Kräuterkurses verhielt sich eine Teilnehmerin so missachtend den Pflanzen und auch mir gegenüber, daß ich sie weggeschickt habe. Ich habe sowas in all den Jahren noch nie erlebt und verstehe auch nicht, was mit dieser Frau los war. Dabei ist auch klar geworden, daß ich noch mal über das Konzept der Schenkökonomie nachdenken muss. Es scheint für einige Menschen irritierend zu sein, wenn ich keinen festen Betrag vorgebe. Jedenfalls fand gleich zu Anfang darüber eine unerfreuliche Diskussion statt, bei der ich darum gebeten wurde, eine Untergrenze zu nennen. Es ist ja ein Prozess, den ich da durchlaufe. Ich habe übrigens bezeichnenderweise bisher nur mit relativ gut betuchten Menschen Feilschereien ums Geld erlebt, obwohl ich mit meinen Preisen immer im unteren Spektrum gelegen habe. Mit Menschen, die wirklich wenig Geld haben, hat es dagegen noch nie Diskussionen um die Bezahlung gegeben. Ich denke darüber nach und stelle dann einen aktualisierten Text in Früchte > Wilde Medizin.

Tochter und Schwiegersohn, mit denen ich abends telefonierte, sagten zum Vorfall mit der weggeschickten Teilnehmerin, der mich den ganzen Tag beschäftigt hat, sie hätten heute auch seltsame Sachen mit Menschen erlebt. Da ist wohl was im Feld: Schwingungserhöhung? Schumann-Frequenzen? Keine Ahnung!

Frieden

Vor einigen Tagen saß ich in der Sonne und sah den Bienen beim Fliegen und Polleneintragen zu. Die Vögel sangen aus vollen Kehlen, hoch am Himmel zogen drei Seeadler ihre gemächlichen Kreise – ich konnte ihre weißen Schwanzfedern im Licht deutlich erkennen – , eine Eidechse kroch aus dem Steinhaufen und setzte sich auf einen liegenden Baumstamm, so daß ich sie richtig lange betrachten konnte. Es war so ein großer Frieden in mir, wie ich ihn lange nicht mehr gefühlt habe. Wenige Tage später streifte ich durch die Landschaft, um Pflanzen zu entdecken. Ich hockte am Bachlauf im sumpfigen Wald bei den Teichen und schaute mir das noch nicht aufgeblühte Milzkraut und die Bachbunge an, da hörte ich ein Knistern und sah ein sehr kleines Tier, das aus dem trockenen Laub kroch. Ich blieb ganz still und erkannte einen kleinen Molch. Ich glaube, den letzten hat mir mein Vater gezeigt, als ich ein Kind war. Es lohnt sich, ganz ruhig in der Natur zu sein, dann hat eine die Chance, die wilden Wesen zu sehen, die sonst die Menschen scheuen.

Die immer mal wieder aufflammende Angst, nein, nicht vor dem Virus, sondern vor den Plänen der herrschenden Elite, ist deutlich weniger geworden. Geholfen hat dabei der fast völlige Verzicht auf die Mainstreammedien. Auch die Alternativmedien konsumiere ich mit Bedacht, denn auch dort wird gelegentlich mit Angst gearbeitet, ebenso mit Falschmeldungen. Besonders hilfreich finde ich, ganz bewusst darauf zu achten, was mir gut tut und was nicht. Ich bin wählerischer im Umgang mit anderen Menschen geworden und frage mich: Wer tut mir gut? Ja, es stimmt, daß es eine immer deutlichere Spaltung gibt, auch in meinem Bekanntenkreis. Manchmal sind die Gesprächsthemen stark eingeengt, wenn wir Streit vermeiden wollen. Ich lerne zu akzeptieren, daß manche Freundschaften auf der Strecke bleiben werden. Dafür lerne ich immer wieder neue Leute kennen, mit denen ich etwas anfangen kann. Die letzten zwei Jahre haben so viel verändert und das wird wohl auch erst mal so weiter gehen. Manche spirituelle Menschen sprechen von zwei unterschiedlichen Zeitlinien. Ich sehe auch, wie sich immer klarere Parallelstrukturen entwickeln und das kann ich nur begrüßen. Das Alte stirbt und etwas Neues entsteht und beides geschieht gleichzeitig. Neulich wurde ich Zeugin, wie eine Frau in eine heftige Kriegsrhetorik verfiel, nach dem Motto: „Wir Europäer haben jetzt die moralische Pflicht, in den Krieg mit Russland einzusteigen, weil Putin wie Hitler ist.“ Ich fühlte mich sehr unwohl in ihrer Gegenwart, blieb aber ganz bei mir und stieg nicht in eine Argumentation ein, wie das sonst häufig meine Art ist. Solche Menschen vermeide ich aber wo ich kann. Sie tun mir einfach nicht gut. Und wenn ich mit ihnen zu tun habe, lohnt es sich, mich zu fragen, wo meine eigene Kriegsrhetorik ist. Es gibt keinen Frieden durch Krieg, das ist ja eine ganz banale Wahrheit. Ich glaube, der erste Schritt hin zu Frieden ist, wenn ich dem vermeintlichen Gegner aufrecht und mit leeren Händen entgegen trete.

Ich bin immer noch mit Lucia Renés Buch Unplugging Patriarchy beschäftigt und es ist faszinierend, wie sehr das Zeitgeschehen um 2003, auf das sie sich bezieht, dem heutigen ähnelt. Und wie gründllich sie die ganzen Ringe der Macht untersucht hat und durchschaut! Jetzt bin ich gerade bei der Macht der Medien und der Religionen. Seit mindestens fünftausend Jahren gibt es das Patriarchat, das seine Macht mit Angst und Schrecken ausübt. Und es wiederholt sich alles immer und immer wieder: ich sehe durchaus Parallelen zwischen der Inquisition und den heutigen Zuständen, wo es nur noch eine Wahrheit zu geben scheint, wo abweichende Meinungen gar nicht mehr in der Öffentlichkeit erscheinen dürfen, wo Menschen aufs Übeste diffamiert und schlecht gemacht werden, wo der Totalitarismus aus der Mitte der Gesellschaft entsteht.

Vor einigen Jahren kam, während ich morgens im Garten saß und in die Landschaft schaute, plötzlich der Satz zu mir: „Diese Welt wird untergehen.“ Das hat mich damals erschreckt, zumal ich gefühlt habe, daß es die Wahrheit war. Jetzt erleben wir, wie diese alte gewohnte Welt untergeht. Und das muss so sein, damit etwas Neues kommen kann. Und wir gestalten dieses Neue, niemand sonst. Und dann freue ich mich über die kleinen Gesten, die aus einem neuen Traum zu kommen scheinen: heute fuhr ich nach Rendsburg, um drei 25-Kilo-Säcke mit Zucker für die Bienen abzuholen. Zwei davon übergab ich in Kiel an eine Imkerin aus meinem Verein. Dann standen wir neben unseren Autos und unterhielten uns, während der Verkehr an uns vorbeibrauste. Sie wollte mir Geld für meine Spritkosten geben. Ich lehnte ab und sie schenkte mir Eier von ihren Hühnern. Über diese Art von Gegenseitigkeit freue ich mich viel mehr als über Geld.

Kreise 2

Das fiel mir noch zu Kreisen ein: wir müssen gar nicht zu den Indigenen auf anderen Kontinenten schauen, um das Sprechen in Kreisen zu verstehen. Denn auch unsere Ahn*innen kannten diese Art von Kreisen. Einen Hinweis gibt es in der Edda: täglich treffen sich die Götter am Urdbrunnen, dem Wohnsitz der drei Nornen, die älter als alle Götter sind. Dort wird Gericht gehalten. Wie das jetzt genau gemeint ist, geht aus dem Text nicht hervor. Ich verstehe allerdings das Wort Gericht in diesem Zusammenhang nicht so wie wir heute Gerichte kennen, sondern als eine Art Ratsversammlung. Ich gehe stark davon aus, daß die Göttinnen und Götter im Kreis saßen.

Es gibt noch deutlichere Hinweise auf Kreise in unserer eigenen Vergangenheit: unsere germanischen Vorfahren hatten die Things. Das waren Kreise, in denen über alles gesprochen wurde, was das Dorf, die Gemeinschaft betraf. Das Wort Ding geht darauf zurück, ebenso das gleichbedeutende englische thing. Solche Gesprächskreise fanden oft unter Linden statt, die eine freundliche und wohlwollende Atmosphäre verbreiten. Manchmal findet man noch alte Dorflinden, z. B. in Telgte im Münsterland die Marienlinde. Gericht wurde unter Eichen (wie oben abgebildet) gehalten. Eichen haben eine strengere Ausstrahlung als Linden.

Kreise wirken energetisch ganz anders als zum Beispiel ein Plenarsaal. Kreise sind hierarchiefrei: alle im Kreis Sitzenden sind gleichwertig, keiner ist dem anderen über- oder untergeordnet. Gigi Coyle hat mal für Redekreise die Empfehlung W.A.I.T. ausgegeben: Why Am I Talking? (Warum rede ich gerade?) Sich diese Frage zu stellen, scheint mir ziemlich wichtig zu sein. Denn oft ist Reden, vor allem, wenn es länger dauert, eine kontaktlose Veranstaltung: wenn ich lange rede, kann es sein, daß die Anderen keine Lust mehr haben zuzuhören und innerlich wegtreten. Das kann auch passieren, wenn ich nicht wirklich aus dem Herzen spreche. Es gehört eine gewisse Disziplin dazu, im Redekreis zu sein, sowohl für den, der spricht, als auch für die, die zuhört. Es gibt einen schönen Spruch, den ich mal in einer Selbsthilfegruppe kennengelernt habe: „Du kannst über alles reden, nur nicht über zwanzig Minuten.“ Wobei mir persönlich zehn Minuten schon mehr als genug erscheinen. Manche Gruppen üben das auch ein, indem sie einen Zeitwächter bestimmen, der nach einer festgelegten Zeit, z. B. 5 Minuten, eine Klangschale anschlägt. Das hilft der sprechenden Person, auf den Punkt zu kommen, statt die Anderen in Trance zu quatschen.

Kreise

Sehr begeistert war ich vom Interview mit Bastian Barucker im Rahmen des Online-Kongresses Die Reise deines Lebens. Er ist Wildnispägagoge und Prozessbegleiter und im Coronawiderstand aktiv. Er schilderte, wie er im Jahr 2020 ahnte, daß etwas nicht stimmte, als ihm klar wurde, daß mit Angst gearbeitet wurde. Das wurde ja auch später offiziell, als eine Mitarbeiterin des Bundesinnenministeriums ein Schreiben leakte, aus dem hervorging, daß man der Bevölkerung ordentlich Angst machen solle. Ich weiß selbst aus meiner Arbeit im Krankenhaus, daß gerade in Notfällen die Devise „Ruhe bewahren“ das A und O ist. Sobald jemand Panik schürt, gerät alles aus dem Ruder. Ruhe bewahren ist professionelles Verhalten. Einen Arzt, der seinen Patienten Angst macht, etwa um sie von einer Behandlung zu überzeugen, sollte man sofort verlassen. Nun arbeiten alle Regierungen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, mit Angstmacherei. Ich denke da z. B. an den Kalten Krieg. Ein Volk in Angst kann man prima manipulieren. Wie gut das funktioniert, können wir seit zwei Jahren beobachten. Angst setzt das eigenständige Denken außer Kraft und fährt nebenbei auch noch das Immunsystem runter. Als Nächstes wird dann ein Sündenbock eingeführt: in der beginnenden Neuzeit die Hexen, später die Juden, während meiner Kindheit und Jugend die Kommunisten, jetzt die Ungeimpften und die Russen. Aber ich schweife ab, ich wollte ja was von dem Interview berichten.

Bastian Barucker hat ein Jahr mit einer Gruppe von Menschen im Wald gelebt und dort mit ihnen einen radikal ehrlichen Umgang gelernt. Dabei wurde das Sprechen in Kreisen praktiziert: jeder darf reden, bis er oder sie alles gesagt hat, die anderen hören zu. Dann spricht der Nächste. Kein Ping Pong, wie wir das aus unseren Gesprächen kennen, wo weniger das Zuhören praktiziert und mehr die Haltung gilt: ich habe was Wichtiges zu sagen und das muss sofort raus. Ich habe selbst solche Redekreise erlebt und sie unterscheiden sich wesentlich von unserer Kommunikationskultur. Wir sind das nicht gewöhnt und eine wird vielleicht schnell ungeduldig, wenn sie warten muss, bis die Reihe an sie kommt, aber ich habe dabei erlebt, daß Sachen, die ich dringend sagen wollte, ihre Wichtigkeit verloren. Das unvoreingenommene Zuhören schafft einen Raum, in dem die sprechende Person ganz und gar wahrgenommen werden kann. Und das ist doch das, was wir brauchen und oft von Kindheit an nicht gehabt haben.

Bastian Barucker sagte, daß Indigene um die Wichtigkeit wissen, den Minderheiten zuzuhören, also denen, die abweichende Meinungen und Wahrnehmungen haben. Die sind nämlich die ersten, die spüren, wenn etwas schief läuft. Hierzulande werden Minderheiten mittlerweile als Nazis oder Schwurbler entwertet und dürfen sich seit zwei Jahren in den Mainstreammedien nicht mehr äußern oder werden sofort rausgekickt, wenn sie es versehentlich doch mal tun. Das letzte Beispiel ist Lisa Fitz, die sich mittlerweile auf den Nachdenkseiten äußert. Scharfsinnige Frau übrigens!

Gefallen hat mir auch, daß es keinerlei Polemik in diesem tollen Interview gab. Stattdessen sogar ein gewisses Mitgefühl für diejenigen unter den Politikern, die jetzt immer gnadenloser und irrationaler agieren. Wieviel Angst vor Machtverlust steckt hinter diesem Verhalten. Welche seelische Verzerrung, wenn Menschen sich um jeden Preis an Macht klammern. Ich bin ohnehin dafür, daß Politiker nicht länger als zwei Jahre in irgendwelchen Regierungen sitzen dürfen. Die Anfälligkeit für Korruption steigt mit dem Dienstalter, das ist ein Erfahrungswert. Nach Ablauf dieser zwei Jahre müssen sie sich dann vielleicht mit ihrer inneren Leere auseinandersetzen. Das ist sicherlich schmerzhaft, aber es wäre eine Chance, sich selbst besser kennenzulernen und weiterzuentwickeln.

Interessant auch, was er zur Traumaheilung sagte. Es gehe in seinen Augen gar nicht darum, das Trauma zu heilen, wobei offen blieb, was unter Heilung in diesem Zusammenhang zu verstehen sei. Er meinte, es gehe darum, das Trauma und seinen Einfluss auf Denken, Weltbild und Verhalten zu verstehen, also bewusst zu machen. Dann könne sich aus einer traumatischen Erfahrung eine besondere Fähigkeit entwickeln. Das sehe ich genauso: eine Person, die in ihrem Leben starke Ohnmachtsgefühle angesichts von Gängelung und Zwang erlebt hat, kann dann möglicherweise wesentlich eher als andere merken, wenn sich Zwangsstrukturen bilden. Und ich glaube, das geht über individuelles Erleben hinaus: daß die Menschen aus der ehemaligen DDR im Schnitt viel kritischer gegenüber der Coronapolitik und dementsprechend auch widerständiger sind, hat sicher damit zu tun, daß sie nicht nur eine Diktatur sondern im Anschluss noch die Ausplünderung durch die Treuhand erlebt haben, also nach der Wende so richtig übel verarscht wurden. Die glauben nicht mehr jeden Schwachsinn, der ihnen serviert wird.

Heute Morgen fuhr ich mit dem Fahrrad nach Bellin zur Müllsammelaktion. Dabei lernte ich eine Frau aus Bauersdorf kennen, mit der ich mich richtig gut unterhalten habe, während wir die Strecke zwischen Bellin und Friedeburg säuberten. Anschließend gab es Kaffee und Kuchen bei schönstem Sonnenschein vorm Dorfgemeinschaftshaus und noch ein ganz tolles Gespräch mit der Frau vom ehemaligen Bürgermeister. Die kleinen Kinder meiner Nachbarn setzten sich zu mir auf die Bank, darüber habe ich mich auch gefreut. Anschließend ackerte ich im Garten. Es wehte allerdings ein eisiger Nordwind.

Ein Merkmal von totalitären Systemen ist ihre völlgie Humorlosigkeit. Da ist doch Lachen eine subversive Handlung! Hier gibt es was zu lachen: https://www.dankefueralles.de/

Mut und Klarheit

Heute Morgen vor dem Frühstück hatte ich den Impuls in meinen Briefkasten zu gucken. Normalerweise ist da nichts um diese Zeit, aber heute fand ich den oben stehenden Brief.

Die Klarheit und den Mut unseres mittlerweile ehemaligen Bürgermeister kann ich nur bewundern. Ich rief ihn denn auch an, um meine Hochachtung und meinen Dank für diesen konsequenten Schritt auszusprechen. Ich finde es so ermutigend, daß es solche Menschen gibt, die nicht der mittlerweile zwei Jahre andauernden Angstpropaganda auf den Leim gehen. Ansonsten müsste ich verzweifeln.

Gestern sah ich mir im Rahmen des Online-Kongresses Die Reise deines Lebens ein Interview mit dem Traumatherapeuten Gopal Norbert Klein an. Sehr interessant. Er beschreibt ausführlich, wie es in Gemeinschaften und anderen Organisationen sowie Partnerschaften irgendwann unweigerlich zu heftigen Konflikten kommt, die er auf die fortgesetzte Traumatisierung unserer Gesellschaft zurückführt. Gut gefallen hat mir auch, daß er von Einstufungen wie z. B. narzisstische Persönlichkeit, die ja zur Zeit ziemlich en vogue ist, nichts hält. Er sieht diese und alle anderen Persönlichkeitsstörungen als Traumafolge und ist überzeugt, daß letztendlich alles auf unsere Unfähigkeit zu wirklichem Kontakt zurückzuführen ist. Wirklicher Kontakt ist das, was ein Mensch braucht wie Luft und Nahrung, wir erleben aber in unserer Kultur in der Regel Pseudokontakte, die oberflächlich bleiben und nicht satt machen. Dann müssen Ersatzbefriedigungen her wie Fernsehen und andere Ablenkungen, Suchtmittel, sexueller und Machtmissbrauch usw. Ich finde mich in seiner Beschreibung der Kontaktstörung durchaus wieder. Zwar habe ich in meinem Leben schon Momente mit in die Tiefe gehenden und sehr erfüllenden Kontakten erlebt, aber ich kenne auch meine eigene Angst vor tiefem Kontakt. Es gibt da eine Ambivalenz in mir: ich sehne mich nach tiefen Kontakt, aber wenn er greifbar nah ist, scheue ich oft davor zurück. Wichtig ist zu wissen, daß es sich hier nicht um individuelles Versagen handelt, sondern um eine Folge unserer kulturellen Konditionierung und daß wir in früher Kindheit in der Regel die Erfahrung gemacht haben, daß wir so, wie wir sind, nicht richtig sind. Ich glaube, das kennt wohl (fast) jede und jeder. Er sagte auch, daß diese tief eingeprägten Traumafolgen dazu führen, daß die meisten Menschen sich das derzeitige Coronaregime gefallen lassen, das Angstnarrativ übernehmen und nicht in der Lage sind zu sehen, was für ein böses Spiel hier gespielt wird.

Erdenwesen

Heute war ich in Kiel und habe zusammen mit ca. tausend Menschen an einem Aufzug gegen die Impfpflicht teilgenommen. Schöne Stimmung und schöne Begegnungen! Unter anderem traf ich eine Frau, die ich lange nicht gesehen habe und von der ich niemals vermutet hätte, daß sie maßnahmenkritisch ist. Jetzt weiß ich es besser. Wir hatten ein tolles Gespräch. Schön war auch, daß wir in einer Fahrgemeinschaft nach Kiel unterwegs waren. Die explodierenden Spritpreise zwingen uns dazu, neue Möglichkeiten der Fortbewegung zu finden. Jetzt muss ich mal wieder ein bisschen lästerlich sein: die Grünen haben ja bereits vor der Wahl darüber nachgedacht, das Benzin extrem teuer zu machen. Vielleicht sollen so Menschen dazu animiert werden, Elektroautos zu kaufen, für deren Lithiumbatterien man den letzten Rest Regenwald abholzen muss. Systemisch denken ist ja noch nie die Sache der Politiker*innen gewesen.

An unserem Treffpunkt auf der Reventlouwiese unweit vom Landeshaus (Foto oben) wurden Gratisexemplare der Zeitung Demokratischer Widerstand verteilt. Die kannte ich noch nicht und kann sie empfehlen. Sie beschreibt auch Hintergründe zur Entstehungsgeschichte des Ukrainekrieges und wie der Westen, namentlich die USA, eine treibende Rolle gespielt haben. All das erfährt man ja nicht aus den Mainstreammedien und ich bin dankbar für alle Informationen, die dazu beitragen, daß ich ein vollständigeres Bild bekomme. Daß Krieg in erster Linie ein riesengroßes Geschäft für einige wenige ist und deshalb auch angezettelt wird, ist mir allerdings schon lange bekannt. Und daß es immer diejenigen am härtesten trifft, die eigentlich gar nichts damit zu tun haben, ist auch nicht neu. Ich halte übrigens Wirtschaftssanktionen gegen Russland für eine ziemlich dämliche Idee. Wenn es die russischen Oligarchen und ihr Luxusleben trifft – meinetwegen. Daß aber LKW-Fahrer auf deutschen Autobahnen ohne Essen stranden, weil sie ihre Fracht nicht mehr ans Ziel bringen dürfen, ist das Allerletzte. Umso mehr freut es mich, daß sich mittlerweile eine Menge Menschen solidarisch zeigen und diese Leute mit Essen und allem Nötigen versorgen. Ich kenne auch welche, die jetzt verstärkt in russischen Läden einkaufen. Sie unterstützen damit ja nicht Putin sondern die Ladenbetreiber, die überhaupt nichts für den Krieg können. Das ist echte Solidarität und nicht das, was unsere Regierungen uns als Solidarität verkaufen.

Empfehlen kann ich wieder Judith Haferlands Online-Kongress Die Reise deines Lebens, der sich in diesem Jahr ganz dem Thema Visionen für die neue Zeit und bereits bestehenden Alternativmodellen des Zusammenlebens, Wirtschaftens und Heilens widmet. Heute ist mir ganz deutlich geworden, daß ich ganz und gar auf der Erde angekommen bin. Das war nicht immer so: als Kind habe ich immer mit einem Bein in der Anderswelt gestanden und wollte nicht so gern hierbleiben. Und es hat lange gedauert, bis ich irgendwann die bewusste Entscheidung getroffen habe: ich bin nicht ohne Grund hierher gekommen und ich will voll und ganz ein Erdenwesen sein. Das bin ich jetzt und für mich gehört Spiritualität, also die Anbindung an das Große Geheimnis oder die Schwingenden Felder oder wie eine das auch nennen mag, untrennbar dazu.

Um zu überleben ?

Es gibt Tage, da möchte ich gern in die Welt hinausschreien: „Es reicht! 7000 Jahre Patriarchat sind genug. Ihr habt genug zerstört. Es wurde genug gelitten. Ich will dieses Scheißspiel nicht mehr. Hört sofort auf!“ Dann muss ich etwas unternehmen, um aus meiner Verzweiflung herauszukommen. Am Dienstag folgte ich meiner inneren Stimme, die mir beim Aufwachen gesagt hatte, ich solle zum Wasser gehen. Ich ging also in ein Waldstück in meiner Nähe, das ich lange nicht besucht hatte. Dort gibt es einen Bach, der sich ein tiefes Bett geschaffe und keine Begradigung oder sonstige Eingriffe erfahren hat. Ich setzte mich auf einen umgestürzten Baum und sah ins Wasser, das munter dahinplätscherte und auf dem das gleißende Licht der Sonne funkelte. Dabei aß ich meine mitgebrachte Käsestulle und fühlte mich in meine Kindheit zurückversetzt, wenn wir im Wald oder auf einer Wiese picknickten. Das Plätschern des Wassers versöhnte mich für eine Zeit mit der grauenhaften Weltlage. Als ich noch in Ostholstein wohnte, gab es unweit unseres Hauses einen Berg, der mir ein heiliger Platz war. Dort gab es hohe Buchen und in einer befand sich ein großes Nest, in dem Jahr für Jahr ein Kolkrabenpaar brütete. Ich habe eine besondere Beziehung zu Raben, die ich erst hier in Schleswig-Holstein kennenlernen durfte und freute mich, wenn sie über mir kreisten und ihre variantenreichen Rufe hören ließen. Am Fuß des Berges gibt es einen Bach, in dem ich krabbengroße weiße Krebse entdeckte. Ob es die wohl immer noch gibt? Ich weiß, daß der Bach, an dem ich mein Brot aß, kein sauberes Wasser mehr führt. Er ist wie das meiste Wasser bei uns mit Ackergiften belastet. Dennoch: es ist Wasser und solange es so munter fließt, ist es noch lebendig.

Heute las ich einen kurzen Text von Charles Eisenstein (The Spirituality of ……) und fand darin folgende Worte: My main message to the environmental movement is to shift the narrtive away from our own destruction. From “Change or we won’t survive,” to “Change or we will continue to lose what is beautiful and sacred.” It is a shift into love. (Meine Hauptbotschaft zur Umweltbewegung ist, daß wir uns vom Narrativ unserer eigenen Zerstörung wegbewegen. Von „Ändert euch, sonst werden wir nicht überleben“ hin zu „Verändert euch sonst werden wir weiterhin das verlieren, was schön und heilig ist.“ Das ist ein Wechsel hin zur Liebe.) Damit spricht er mir aus der Seele. Denn Überleben ist nicht das, was ich will. Überleben kann ja auch in einer Betonwelt oder einer digitalen Diktatur oder in anderen vorstellbaren Horrorwelten möglich sein. Überleben um jeden Preis ist nicht mein Ding. Ich werde ohnehin irgendwann sterben, vielleicht morgen, vielleicht erst in dreißig Jahren. Wer weiß. Der Zeitpunkt meines Todes ist nichts, was mich groß beschäftigt. Ich habe keine Angst vorm Tod und schon lange auch keine Angst mehr vor Krankheit. Aber in der Zeitspanne, die mir noch auf dieser schönen Planetin bleibt, möchte ich meine Lebendigkeit voll auskosten und dazu gehört untrennbar auch die Lebendigkeit der mehr-als-menschlichen Welt: Pflanzen, Tiere, Wasser, Steine, Wolken….

Um mich herum erkranken Menschen an Covid und das auf fast identische Art: akuter Beginn mit Fieber, Muskelschmerzen, Schnupfen, Husten, manchmal Kopf- oder Halsschmerzen, nach drei Tagen lassen die Symptome nach, nach ca. fünf bis sechs Tagen sind die Menschen wieder weitgehend gesund. Die Hälfte ist geimpft, die andere nicht. Ich habe mit einigen gesprochen, auch aus meiner eigenen Familie und alle erzählen, es habe sich ähnlich wie eine Grippe angefühlt. Und bei allen war der Schnelltest erst ab dem vierten Tag positiv. Wem also hilft der Test? Unschwer zu erraten: in erster Linie den Herstellerfirmen, danach den Testzentren, die wie Pilze im Spätsommer aus dem Boden schießen. Plastikmüll ohne Ende. Und die deutsche Gründlichkeit zeigt sich mal wieder von ihrer berüchtigsten Seite: während alle europäischen Länder ihre Coronamaßnahmen aufgehoben oder erheblich gelockert haben, gelten in Deutschland noch Masken- und Testpflicht für die meisten Unternehmungen. Ich weiß schon, warum ich die Tests meide wie der Teufel das Weihwasser.

Wer etwas sehr Differenziertes zum Krieg in der Ukraine und Putin lesen möchte, dem kann ich diesen Artikel sehr ans Herz legen: https://www.heise.de/tp/features/Schlussbilanz-eines-Putin-Verstehers-6541148.html?seite=all

Und der Innsbrucker Arzt, Psychoneuroimmunologe und Psychotherapeut Christian Schubert gibt hier ein Interview zu den Maßnahmen, das ich sehr treffend finde: https://multipolar-magazin.de/artikel/die-massnahmen-toeten-mehr-menschen-als-covid-19. Menschen wie ihn hätte ich gern als Gesundheitsminister.

Meer

Am Samstagmorgen rief I. an und fragte, ob ich Lust auf einen Spaziergang an der Kieler Förde hätte. Ich fuhr in die Stadt, holte sie am Bahnhof ab und wir entschieden uns dann erst mal dafür, zum Blé noir zu fahren, da wir dort draußen im Sonnenschein Kaffee trinken durften. Wir sind zwar noch weit von dänischen Verhältnissen entfernt, aber es war trotzdem sehr schön.

Gestern war ich wieder in Kiel zum Standing with the earth, das von Freundin K. an jedem letzten Sonntag im Monat im Hiroshimapark veranstaltet wird. Als wir ankamen, näherten sich uns zwei von den schönen Kanadagänsen, die dort zu Hause sind. Sie kamen so nah, daß ich sie hätte berühren können und sahen uns mit ihren glänzenden schwarzen Augen an. Das berührte mich sehr, auch wenn ich glaube, daß sie weniger aus Zuneigung als aus Hoffnung auf etwas Leckeres so nah kamen.

Seit einiger Zeit wache ich morgens oft sehr früh auf und kann dann nicht mehr einschlafen. MIr ist schon klar, daß es beunruhigende Gedanken sind, die mich aufwecken. Heute während allmählich der Morgen dämmerte, hatte ich ein klares Bild vom Meer und wusste, daß ich dahin fahren würde. Seit dem Wochenende haben wir hier endlich nach den langen grauen und nassen Monaten klaren blauen Himmel. Das hilft natürlich auch der Stimmung. Ich fuhr also ans Meer und ging meinen gewohnten Gang oberhalb des Strandes vorbei an dem kleinen Biotop, in dem das ganze Jahr ein paar Hochlandrinder mit zottigem Fell und großen Hörnern weiden. Die würdigten mich wie immer keines Blickes. Zurück ging ich unten am Strand, der sehr breit war wie nach jedem Sturm. Die Ostsee hat weder Ebbe noch Flut, aber Sturm treibt das Meer von der Küste weg und wenn sich das Wetter wieder beruhigt hat, kommt das Wasser mit voller Kraft zurück und reißt immer mehr von den Steilküsten weg. Mitten im Seetang leuchtete mich eine kleine Huflattichblütensonne an. Dann fand ich fast direkt an der Wasserlinie ein Peacesymbol, das ein Mensch dort aus Steinen gelegt hatte, und freute mich darüber. Solche Aktionen sind kleine magische Handlungen, die einen Wunsch ins Bewusstseinsfeld der Erde bringen. Ich setzte mich auf eine Bank und sprach zum Meer, erzählte ihm von meinen Sorgen und Befürchtungen und dem Ensetzen, das mir angesichts der Weltlage in den Knochen sitzt. Und ich bat um Hilfe und Weisung. Dann fuhr ich gestärkt und ermutigt wieder nach Hause.

Ich lese gerade ein interessantes Buch: Unplugging the Patriarchy von Lucia René. Es ist mehr als zehn Jahre alt, aber völlig aktuell. Lucia René ist eine nordamerikanische Mystikerin, die sich sehr gründlich mit den zerstörerischen Kräften auf unserer Planetin und dem zugrundeliegenden Muster befasst hat und deren Erforschung als spirituelle Reise schildert. Sehr spannend, sehr beunruhigend, aber auch ermutigend.

Und eine Empfehlung: Judith Haferland hat eine neuen Online-Kongress auf die Beine gestellt: https://www.diereisedeineslebens.de. Heute habe ich das Interview mit Sabine Lichtenfels, einer der Begründerinnen von Tamera in Portugal, gesehen und es gefiel mir sehr gut. Gut finde ich auch den neuen Artikel ihres Lebensgefährten Dieter Duhm zum Coronathema: https://www.tamera.org/de/artikel-corona-aufklaerung-und-korrektur/

Und zum Thema Putin und der Invasion in die Ukraine passt der alte Spruch „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“. Wind hat die ganze Zeit der Westen gesät, indem er Putin gebasht und zum Bösen gemacht hat. Nein, er ist kein lieber Junge, aber das sind die westlichen Charaktermasken auch nicht. Sie haben ihm die NATO entgegen anderer Absprachen direkt vor die Tür gesetzt und ihn fortwährend dämonisiert. Tja, statt Gas aus Russland gibt es jetzt Frackinggas aus den USA. Na toll! Und wo ich schon dabei bin: neulich las ich in der Welt, daß in Südamerika gerade großflächig Regenwälder abgeholzt werden, um Lithium für die Batterien der Elektroautos, für die unsere grüne Außenministerin im Wahlkampf so geworben hat (damit die statt der Benziner in Zukunft unsere Straßen verstopfen), aus der Erde zu holen. Die Grünen, meine Güte, was für ein erbärmlicher Abstieg einer Partei, die sich mal als Umwelt- und Friedenspartei gegründet hat. Aber das ist wohl der Preis dafür, wenn man regieren will.

Normal

Am Freitag bin ich nach Flensburg gefahren. Die beiden Bonner waren in der Nacht schon angekommen. Seit über einer Woche stürmt es hier heftig. Dazwischen gibt es immer ein paar Stunden Windstille, dann geht das Sausen und Zerren des Sturms wieder los. Ist es einer oder eine ganze Horde von Stürmen? Jedenfalls gingen wir in einer Wind- und Regenpause in die Stadt. Als wir den Bioladen verließen, trieb der Sturm schon wieder den Regen vor sich her.

Am Samstag schien uns zum Frühstück die Sonne auf den Küchentisch und wir fuhren nach Dänemark. Nur der arme M. musste arbeiten. Sonderburg ist eine kleine Stadt mit hübschen kleinen Häuschen. Am Strand in der Nähe des Schlosses fanden wir einen Imbiss mit angeschlossenem Zelt. Da gab es erst mal einen Hot Dog. Das ist weder ökologisch noch sonstwie korrekt, aber da kann ich keine Rücksicht drauf nehmen. Hot Dogs gehören für mich zu Dänemark wie Croissants zu Frankreich und das English Breakfast zu England. Wir mampften also unsere Hot Dogs, während außen an der durchsichtigen Plastikplane der Regen herunterströmte. Wir waren umgeben von Menschen, die dasselbe machten wie wir. Keine Masken, kein Mindestabstand, kein Schnelltest, alles war entspannt. Nur ein Schild mit den bekannten Regeln hing an der Tür wie ein Relikt aus ungemütlichen Zeiten.

Die meisten Läden hatten schon geschlossen, hier nimmt man es mit dem freien Samstagnachmittag wohl genauer als bei uns. Aber wir fanden auf dem Rückweg ein Café, das sich als sehr ansprechend und gemütlich erwies. Es war gut besetzt, wir fanden aber sofort einen passenden Tisch und es gab leckeren Kuchen und guten Kaffee. Wieder alles ohne Maske. Nur das einsame und offensichtlich weitgehend ungenutzte Desinfektionsmittel am Eingang war Zeuge einer sehr seltsamen und sehr verrückten Zeit. Es war alles so normal, anders kann ich es gar nicht ausdrücken. Und das Normale war so schön. Obwohl es irgendwie pervers ist, für einen Hot Dog und den Besuch eines Cafés knapp 40 km nach Dänemark zu fahren, hat uns dieser Ausflug alle glücklich gemacht.

Seit gestern bin ich wieder zu Hause, habe aber erst heute gesehen, daß der tote Ahorn im Knick vom Sturm aus der Erde gerissen wurde und mit ihm ein Holunder, der mit seinen Wurzeln eng verbunden war. Das ist ein bisschen traurig, weil der Ahorn in den letzten Jahren dicht mit Efeu umrankt worden ist und etwas von einem Wächterbaum hatte. Er diente vielen Vögeln als Heimat und die Amseln holten sich im Winter die Beeren.

Mein Imkerverein hat sein letztes Treffen unter 2G-Bedingungen stattfinden lassen. Ungeimpfte Menschen waren also ausgeschlossen und das nehme ich durchaus als Statement. Aber was soll ich meine Energie damit verschwenden mich zu ärgern. Man findet heute ja neue Möglichkeiten, auch ich, die ich so ein Gewohnheitstier bin. Ich habe mich nämlich mit einem Imker aus meinem Verein getroffen, der mir seine neuentwickelte Bienenbehausung vorführte und erklärte. Er hat mir seine Zeit geschenkt und schien Freude daran zu haben. Und ich habe ein neues Modell kennengelernt, das wahrscheinlich nicht nur den Bienen, sondern auch mir gut gefallen wird. Es ist schön, daß es Menschen gibt, die genau hinsehen, was die Bienen und die Imker brauchen, damit es beiden gut miteinander geht und diese Erkenntnisse dann auch umsetzen.