Gurus

Vor mehr als einem Jahr habe ich mich von meinem Kundalini-Yoga-Kurs abgemeldet, an dem ich 17 Jahre teilgenommen hatte. Der Anlass war die 2G-Regelung, die mich vom Yoga ausschloss. Ich fing dann im letzten Sommer mit Hatha-Yoga in meiner Nähe an, was mir neue Erfahrungen bescherte. Gleichzeitig wurde meine Sehnsucht nach Kundalini-Yoga immer größer: mir fehlten das Mantrasingen und die Meditationen, die besondere Atmosphäre und die ruhige und besondere Art meines Yogalehrers. Am letzten Donnerstag ging ich das erste Mal wieder zu ihm und es war einfach schön. Während wir unsere Übungen machten, standen die Glastüren wegen des schwülen Wetters weit auf und dann kam endlich das Gewitter. Ich genoss das Rauschen des Regens nach all den Wochen der extremen Trockenheit, ich genoss die Mantras und die Kriya (Übungsreihe) und fuhr mit einem satten und wohligen Gefühl nach Hause.

Es regnete dann auch das ganze Wochenende, das ich bei K. und M. in Flensburg verbrachte, und ich freute mich: endlich Wasser! Meine Regentonnen sind wieder voll, der Garten ist gut getränkt, alle Pflanzen sehen gut aus. Mein Sohn kam für zwei Tage vorbei. Als er das üppige Basilikum vor der Haustür entdeckte, schlug er vor, ligurisches Pesto zu machen. Wir sahen uns einen kleinen Film mit der Köchin Samin Nosrat an, in dem sie von einer italienischen Frau im Pestomachen unterwiesen wurde – im Mörser. Mein Sohn mörserte die Zedernüsse (Ersatz für Pinienkerne), das Basilikum und Salz, während ich den Pecorino rieb. Nicht alles sind Originalzutaten; wir nahmen halt, was da war. Dann kam noch Olivenöl dazu. Ich habe nie ein so gutes Pesto gegessen. Ich kaufe kein Pesto im Glas, weil da immer Sachen drin sind, die ich nicht essen möchte und die da auch nicht reingehören, z. B. Verdickungsmittel. Im Frühjahr leiste ich mir ab und zu Bärlauchpesto vom Freiburger Olivenstand auf dem Markt, was selbstgemacht und ziemlich lecker ist. Aber dieses hatte ein besonders feines Aroma, sicher wegen der Frische, ich vermute aber, daß auch die Zubereitung im Mörser statt mit dem Pürierstab den Unterschied machte. Der Kontakt mit dem Metall lässt das Basilikum oxydieren.

Eine kleine Wildwiese auf dem Balkon in Flensburg, die von Insekten besucht wird

Beim Yoga kam die Rede auf Yogi Bhajan. Das ist der Mann, der Kundalini-Yoga in den Westen gebracht hat. Vor einigen Jahren wurde, ausgelöst durch das Buch einer seiner Schülerinnen, bekannt, daß er sie und wohl auch andere Frauen sexuell missbraucht hat. Seitdem wird dieses Thema in der Kundalini-Yoga-Szene aufgearbeitet. Wer sich dafür interessiert, kann sich ein Interview mit dem Hamburger Yogalehrer Satya Singh ansehen, daß ich sehr gut finde: www.youtube.com/watch?v=ctf58WV2MTQ. Mir gefällt Satya Singhs ruhige, reflektierte und ehrliche Art. Außerdem hat er Humor. Und mir gefällt, wie mit den Enthüllungen um Yogi Bhajan umgegangen wird. Hier scheint wirkliche Aufarbeitung stattzufinden, was ja sonst nicht üblich ist, siehe Missbrauchsfällte in der katholischen Kirche, um nur ein Beispiel zu nennen.

Daß ein Lehrer, Therapeut oder sich in einer vergleichbaren Machtposition befindende Mensch seine Schülerinnen, Klientinnen missbraucht, ist nicht neu und auch nicht selten. Ich weiß es aus der Körpertherapeutenszene und habe Frauen gekannt, die persönlich betroffen waren, ebenso Therapeuten, die ihre Klientinnen missbraucht haben. Ich selbst war nicht betroffen. Im Kundalini-Yoga gibt es klare Regeln, wie Sexualität zu gestalten ist: in einer lebenslänglich monogamen Beziehung, einmal im Monat. Nun, für Yogi Bhajan galten diese Regeln ganz offensichtlich nicht. Ich finde es immer höchst verdächtig, wenn Menschen Regeln für sexuelles Verhalten aufstellen. In unserem Kulturkreis hat das die katholische Kirche in der beginnenden Neuzeit gemacht (Missionarsstellung, Monogamie). In meiner Jugend war es noch üblich, unverheiratete Frauen zu ächten, die schwanger wurden. Die Männer, die sie geschwängert hatten, wurden aber nicht geächtet. Mir ist von meinem Vater eingebläut worden, daß mein Leben als sexuelles Wesen vorbei wäre, wenn ich vor der Ehe schwanger würde, weil mich dann kein Mann mehr ansehen würde.

Im Laufe meines bald 70jährigen Lebens habe ich das gelernt: der Versuch, Sexualität zu regulieren und zu tabuisieren, funktioniert nicht. Der Trieb ist eine gewaltige Kraft, die sich nicht in Ketten legen lässt. Irgendwann brechen die lange unterdrückten Bedürfnisse durch und suchen Erfüllung. Die Strategien, mit der diese wilde Kraft gezähmt werden soll, haben in den letzten zweitausend Jahren aber zu erheblichen Störungen bei Männern und Frauen ungeführt, zu Verzerrungen des sexuellen Verhaltens. Da ist viel Heilungsarbeit notwendig. Ich lese gerade das Buch Sacred Sex von Vivian Dittmar, das mir meine Tochter geschenkt hat. Ich mag die Art, wie sie sich dieses Themas annimmt. Sie ist so klar, so freundlich und sie verzichtet gänzlich auf Schuldzuweisungen an die Männer. Sehr angenehm!

Buchweizen

Siebenschläfer

Viele Male habe ich das neu gelernte Regenlied an einem meiner Lieblingsplätze im Wald gesungen und ab und zu kam ein kleiner Schauer runter. Wenigstens etwas, aber nicht genug. Mein neuer Gartenschlauch hat sich als besser als das Gießkannenschleppen erwiesen, war aber auch nicht genug. Denn um wirklich mehr als 1 cm Erde zu durchnässen, müsste ich mindestens eine halbe Stunde die Düse gedrückt halten und dazu fehlen mir Geduld und Muskelkraft. Also habe ich jetzt einen Rasensprenger gekauft. Der ist nun wirklich eine effektive Sache: ich lasse ihn alle paar Tage eine Stunde laufen und die Gemüsebeete sind dann wirklich so nass, daß sich sogar die Nacktschnecken wieder raustrauen. Die habe ich freundlich begrüßt; schließlich lege ich Wert auf gute Nachbarschaft. Anfangs musste ich erst mal ziemlich mit der richtigen Einstellung experimentieren, bis nicht mehr mein Auto und meine Fensterscheiben geduscht wurden, sondern der Flecken Erde, um den es geht.

Heute kamen dann mit viel Wind die Gewitterwolken aus dem Westen und brachten ergiebige Mengen Regen, sogar mit Hagel. Ich habe Johannisbeeren geerntet und musste diese Tätigkeit einige Male unterbrechen. Aber ich habe mich über das viele Wasser gefreut und es darf gern noch mehr kommen.

Gestern saß ich mit einem Freund im Garten. Er bot mir seine Hilfe an. Ich fragte, wobei er mir denn helfen wolle. Er wolle die Baumscheiben der Obstbäume von Wildwuchs befreien, sie durchhacken und mulchen, sagte er. Ich sah ihn vor meinem inneren Auge mit der Hacke tabula rasa machen und bekam einen Schreck. „Das lass mal sein“, sagte ich. Dann hätte ich eben nur kleine Äpfel, meinte er. Nun hatte ich in den vergangenen Jahren nie etwas an der Größe meine Äpfel auszusetzen. Er ist kein Laie, was Gartenarbeit angeht und hat gelernt, was jeder Gärtner lernt: daß Obstbäume eine freie Baumscheibe brauchen. Dahinter steckt wohl der Darwinsche Glaubenssatz, daß in der Natur alles auf Konkurrenz basiert und der Stärkere gewinnt, also in diesem Fall das Unkraut. Möglicherweise ist es sogar sinnvoll, junge Bäume in der Anfangszeit mit einer wildwuchsfreien Umgebung zu unterstützen. Meine Bäume sind aber mittlerweile mehr als zehn Jahre alt. Ich habe mich von den Büchern Sepp Holzers Permakultur und Biotop mit Mensch von Gerda und Eduard Kleber inspirieren lassen. Kann ich jedem, der sich für Permakultur interessiert, wärmstens empfehlen. Ihnen folgend habe ich Pflanzen unter die Bäume gesetzt, die deren Gesundheit unterstützen:  Gundermann, Veilchen, Primeln, Schlüsselblumen, Walderdbeeren, dazu eine Braunwurz, die sich in meinem Gemüsegarten angesiedelt hatte. Einige sind von selbst gekommen: eine Stockrose, mehrere Königskerzen, Brennnesseln, Storchschnabel, Lichtnelke, Johanniskraut, Habichtskraut. Neben den genannten Büchern ist aber vor allem die freie wilde Natur meine Lehrerin: da kommt auch keiner und legt wildkrautfreie Baumscheiben an. Es macht auch niemand im Winter Obstbaumschnitte bei den wildwachsenden Apfel- und Kirschbäumen. Die dürfen alle so wachsen, wie es ihnen beliebt.

Alles hinterfragen, ist eines meiner Lieblingsmottos. Keine Wahrheit gilt ewig. So habe ich auch vor langer Zeit gelernt, daß die Beete im Herbst oder Winter umgegraben werden müssen, wegen der Frostgare und der kosmischen Einflüsse. So stand es in den biologisch-dynamischen Gartenbüchern, nach denen ich mich so gut ich konnte richtete. Ich kam allerdings mit dem Graben kaum hinterher. Irgendwann habe ich das Umgraben dann aufgegeben, nicht nur, um mir die Arbeit leichter zu machen, sondern auch aus der Überlegung heraus, daß ich mit dieser Aktion die Bodenschichten gründlich durcheinanderbringe und all die kleinen Wesen in der Erde massiv störe. Im Frühling lockere ich die Beete mit der Grabgabel, wo es nötig ist und hacke sie durch. Im Herbst säe ich Phacelia, Senf und Klee auf die abgeernteten Beete und mulche mit Laub. Einiges friert ab, den Rest hacke ich unter.

In meinem letzten Garten in Ostholstein haben mein Exmann und ich jeden Winter die alten Apfelbäume beschnitten. Das war ziemlich viel Arbeit und hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt. Wenn wir zuviel geschnitten hatten, entwickelten sich Wassertriebe, eine Stressreaktion des Baumes. Hier habe ich damit gar nicht erst angefangen. Sepp Holzers Argumente gegen den Obstbaumschnitt haben mich überzeugt. Die Bäume wissen besser als ich, wie sie wachsen wollen. Ich gebe ihnen ab und zu Kompost, Brennnesseljauche und Wasser und freue mich über sie, dafür bekomme ich Äpfel, Zwetschen und Quitten.

Je länger ich hier lebe und Zeit im Garten verbringe, desto mehr spricht er zu mir und sagt mir, was zu tun ist. Das geschieht in Form von Eingebungen, z. B. hat mir neulich eine innere Stimme gesagt, daß der Kompost mal eine ordentliche Dusche gebrauchen könnte.

Johanniskraut

Gestern hörte ich in einen Podcast von John Kempf rein, in dem er Charles Eisenstein interviewt: regenerativeagriculturepodcast.com/episodes/episode-86-charles-eisenstein/. John Kempf ist Amish und befasst sich mit regenerativer Landwirtschaft. Ich dachte immer, daß sich die Amish von aller neumodischen Technologie fernhalten. Aber da lag ich wohl ziemlich daneben. Charles Eisenstein spricht darüber, daß die Trauer über den Verlust so vieler Arten ihn zum Umweltschützer gemacht haben. Beide kommen dann auf die Glühwürmchen zu sprechen. John Kempf berichtet, daß auch in seiner Region die Glühwürmchen selten geworden sind, obwohl er das Privileg habe, in einer pestizidfreien Umgebung zu leben. Ich habe zum letzten Mal Glühwürmchen 2006 im Pfälzer Wald gesehen und heute ertappe ich mich ab und zu dabei, daß ich mir wieder Mücken auf der Windschutzscheibe wünsche. Immerhin sehe ich jetzt häufiger Marienkäfer, die sich über die reichlich anwesenden Blattläuse auf den dicken Bohnen hermachen. Ich glaube, daß ein angstmotivierter Umweltschutz nicht nur wirkungslos sondern kontraproduktiv ist. Heilung kommt durch die Liebe zum Lebendigen, zum Wilden, zum Freien.

 

Gemeinde

Gestern gingen etwa 20 Menschen aus meiner Gemeinde mit mir durch die Landschaft, um wilde Pflanzen zu entdecken. Der Kultur- und Sozialausschuss der Gemeinevertretung hatte mich gefragt, ob ich sowas mal veranstalten könne. Es hat Spaß gemacht und die Stimmung war gut. Es waren auch zwei Kinder da, darauf war ich nicht vorbereitet, aber es gab kein Problem. Nach eineinhalb Stunden kamen wir auf die Streuobstwiese, die zwischen zwei Waldstücken liegt. Dort wartete die Bürgermeisterin mit Kaffee und Kuchen auf uns. Alles war unter einem der Apfelbäume auf Klapptischen arrangiert worden; sie hatte sich richtig Mühe gegeben. Wir alle freuten uns und sagten ihr das auch.

Ich habe wieder ein paar Leute kennengelernt, hatte ein paar angenehme Gespräche und fühlte mich als Teil der Gruppe. Mehrere sagten: „Wir leben hier im Paradies“, als wir durch die Landschaft streunten. Genau so sehe ich das auch und es ist doch gut, daß Menschen das wahrnehmen und schätzen. Man hütet und beschützt, was man schön findet und liebt.

Mittlerweile haben immer mehr Leute eine Pflanzenapp auf ihrem Smartphone. Ich sagte zu Beginn, warum ich Pflanzenapps nicht empfehle: sie sind praktisch, ohne Zweifel. Aber wenn die App den Namen der Pflanze, vielleicht auch noch die Heilwirkungen gemeldet hat, wird es vom Gehirn in eine Schublade gepackt. Schulade auf, Schublade zu! Aber wer eine Pflanze in der Tiefe kennenlernen will, der braucht dafür alle seine Sinne. Ich finde, daß Apps dumm machen, ebenso wie Navis, weil sie uns von unseren Sinnen abschneiden und abhängig machen. Was macht ihr, wenn der Strom wirklich ausfällt ohne eure Apps und Navis? Ich habe ihnen das aber freundlich gesagt und nichts verboten, das steht mir auch gar nicht zu.

Auf dem Heimweg fuhr ich fast mit dem Fahrrad über eine ausgewachsene Ringelnatter, die sich über die Straße schlängelte. Und am Vortag war ich wieder am Unkentümpel im Wald und habe ihre zauberhaften Laute gehört. Der Garten ist voller Bienen und Hummeln. Ich kann mich über Insektenmangel nicht beklagen. Neulich las oder hörte ich irgendwo, daß man schon mit einem ganze kleinen Fleckchen Erde den Insekten etwas Gutes tun kann, auch auf dem Balkon. Das kann ich bestätigen.

Dieses schöne Bilsenkraut wächst ohne mein Zutun im Möhren-und-Zwiebelbeet. Es ist hier sehr trocken und das kann man auch sehen. Aber ich habe mir einen Gartenschlauch für den Gemüsegarten gekauft, weil ich das Gießkannenschleppen leid war. Eine echte Erleichterung! Und der Rest des Gartens kommt noch klar. Ich singe so oft wie möglich das Regenlied.

Heute habe ich Erbsen geernet. Ich liebe Erbsen, aber ich habe sie dieses Jahr zum ersten Mal nach langer Zeit wieder im Garten. Sie sollten sich eigentlich um die Sonnenblumen ranken, die ich in der Mitte gesät hatte. Aber die Erbsenpflanzen wuchsen schneller und jetzt müssen die Sonnenblumen sich durch das Gewirr aus Erbsenpflanzen arbeiten. Ich brauchte ziemlich lange, um die reifen Schoten zu pflücken und musste zwischen Bücken und Hocken abwechseln, weil es sonst  zu anstrengend geworden wäre. Ich bin keine geübte Erbsenpflückerin, aber nach dieser Aktion verstehe ich, daß frisches Gemüse angemessen bezahlt werden muss.

Körper

Zum Thema Mensch als Herdentier ist mir etwas kürzlich Erlebtes eingefallen: letzte Woche traf ich mich mit K. nach dem Markt zum gemeinsamen Mittagessen. Sie saß schon in einem der Strandkörbe vor dem Restaurant, als ich kam und lud mich ein, mich neben sie zu setzen. Da saßen wir dann zu dritt – ihre kleine Hündin war mit dabei – auf engem Raum. Wenn ich nachdenke, ist K. die einzige meiner Freundinnen, mit der es oft einen engen Körperkontakt gibt. Wir können miteinander kuscheln, uns streicheln, an den Händen halten. Das geht von ihr aus; sie ist ein sehr körperlicher Mensch. Ich mag das gern und unsere Gespräche haben durch diesen engen Kontakt eine andere Qualität als solche, bei denen man sich gegenüber sitzt. Von mir aus suche ich aber solche Erfahrungen nicht; es kommt mir einfach nicht in den Sinn, wohl weil ich nicht mit allzuviel Körperlichkeit aufgewachsen bin. Allerdings umarme ich gern und oft Menschen und lasse mich auch gern umarmen.

Während meiner Körpertherapiezeit lernte ich, daß Menschen in unserem Kulturkreis sich in der Regel nur mit dem oberen Teil des Oberkörpers umarmen. Eine Ganzkörperumarmung, bei der ein enger Kontakt vom Brustkorb über den Bauch bis zu den Genitalien entsteht, ist eigentlich nur Liebespartnern vorbehalten. Das hat wohl seinen Ursprung in der körper- und sexualfeindlichen Konditionierung durch die Kirchen. Ich stimme Ilan Stephani zu, die einmal sagte, daß durch eine Umarmung viel mehr und viel umfassendere Informationen übertragen werden als durch das Internet. Und ich bin davon überzeugt, daß sich unser seelischer, geistiger und körperlicher Gesundheitszustand enorm verbessern würde, wenn wir wieder mehr Körperlichkeit zulassen könnten.

Natürlich gibt es Menschen, mit denen ich keinen intensiven Körperkontakt wünsche. Und ich kann mir vorstellen, daß solche, die schwere Missbrauchserfahrungen gemacht haben, davor zurückschrecken. Es geht also nicht darum, Körperkontakt zum Dogma zu machen, sondern fühlen zu lernen, wann ich ihn wünsche und wann nicht und das dann auch klar zu äußern.

Ein weiteres Beispiel: vor einiger Zeit saß ich mit mehreren Menschen auf einer Bank. Ich fühlte plötzlich, daß mein Oberschenkel und der meines Nachbarn zu meiner Rechten sich deutlich berührten. Reflexartig wollte ich mein Bein etwas mehr zu mir rücken, tat es aber nicht, weil ich spürte, wie gut sich diese Berührung anfühlte. Ich saß also still da und genoss einfach und musste innerlich grinsen, weil es sich irgendwie verboten und gleichzeitig genussvoll anfühlte. Für mich sind solche Erlebnisse echte Lernerfahrungen, weil sie mich daran erinnern, was eigentlich normal und wohltuend ist: Kontakt.

Dazu gehört auch echter Augenkontakt. Nach Wilhelm Reich macht sich die früheste Störung im Augensegment als Blockierung bemerkbar. Mein Körpertherapeut J., dem ich soviel verdanke, hat mit diesem Segment angefangen und ich erinnere mich an Sitzung um Sitzung, in der ich liegend mit lautem Aah den Ausatem in meiner Vorstellung durch die Augen geschickt habe, während er verspannte Muskeln an meinem Kopf und Nacken bearbeitete. Das war anstrengend, aber irgendwann nach vielen Wochen geschah etwas, was ich mir nicht hätte ausmalen können: ich sah plötzlich alles um mich herum gleichzeitig ohne den sonst üblichen Fokus; ich fühlte mich dabei als Teil des Großen Ganzen und gleichzeitig wurde mein Denken weit und frei. Wenn ich Menschen davon erzählt habe, bin ich allerdings schnell an meine Grenzen gekommen, weil meine Gesprächspartner sich in der Regel diese Art des Sehens nicht vorstellen konnten. Man muss es selbst erfahren; es ist nicht wirklich zu beschreiben. Aber wohl viele kennen diese Momente, wo zwei sich ansehen und dabei etwas im Inneren geschieht, als wenn ein Blitz eindringt, ein plötzliches Erkennen. Das kann nur geschehen, wenn der Filter, den wir gewöhnlich vor den Augen haben, für einen Moment verschwunden ist.

 

Die Schönheit der Wiese

Heute Morgen saß ich an meinem gewohnten Platz und sah auf die ungemähte Wiese, auf der so einiges an Wildkräutern blüht (leider schaffte ich es nicht, das auf dem Foto festzuhalten). Ich sah die unterschiedlichen Grassorten mit ihren filigranen Blüten und dachte, wie es sich für sie wohl anfühlen mag, wenn der Wind sie bewegt und nebenbei für die Bestäubung sorgt. Mir fiel auch ein, wie schön ich als Kind das Zittergras fand, das ich während unserer Urlaube in Tirol entdeckte.

Pflanzen wachsen besser, wenn sich andere Wesen über sie freuen. Das ist erforscht worden. Wenn die Insekten, Vögel, Eidechsen, Blindschleichen, Schlangen, all die großen und kleinen Säugetiere, die in einer Landschaft leben, Freude empfingen, dann kann das Land gedeihen. Und genauso ist es umgekehrt: Wenn das Land gedeiht, geht es allen anderen Wesen gut. Vielleicht kommt dann auch der langersehnte Regen wieder, weil die Landschaft ihn ruft. Alles ist durstig. Ich muss die große Vogeltränke jeden Tag füllen und die Bienen schlecken abends noch den letzten Rest Wasser auf. Dann gieße ich meine Gemüsebeete, die seit fünf Wochen auf Regen warten.

Ich habe nach über zwanzig Jahren wieder Wolf-Dieter Storls Buch Der Kosmos im Garten aus dem Regal genommen. Es liefert mir Inspirationen. Wie schön, daß ich endlich als Rentnerin Zeit für dieses Stück Land habe. Während meines Arbeitslebens habe ich auch viel im Garten gemacht, aber eigentlich immer unter Zeitdruck. Jetzt kann ich viel öfter sitzen und schauen und der Garten spricht zu mir und sagt, was er braucht und wo ich ihn in Ruhe lassen soll. Trotz der Dürre sieht vieles noch gut aus. Ich lerne gerade ein neues Wasserlied und werde damit den Regen rufen.

Im Rahmen des Impfausleitungskongresses von Alina Lessenich habe ich mir ein paar sehr schöne Interviews angesehen. Nicht, daß ich eine Ausleitung brauche, aber ich habe mich angemeldet, weil es einige Sprecher zu interessanten Themen gab und weil es einfach gut tut von Ärzten zu wissen, die den Horror der letzten drei Jahre nicht mitgemacht haben und sich ernsthaft bemühen, den Menschen zu helfen, die jetzt unter den Nebenwirkungen der „Impfung“ leiden. Daß die Spikeproteine auch auf Ungespritzte übertragen werden, war mir bereits länger bekannt; auch meine Ärztin hatte das bestätigt. Und da gibt es mittlerweile Möglichkeiten, die loszuwerden. Sehr gut hat mir die amerikanische Gynäkologin Christine Northrup gefallen, deren Klassiker Frauenkörper – Frauenweisheit ich vor vielen Jahren gelesen habe. Sie sagte übrigens, daß mindestens eine Charge der „Impfstoffe“ lediglich physiologische Kochsalzlösung enthielt. Man kann das an der Chargennummer erkennen; es gibt wohl eine Stelle, an die Menschen sich in dieser Angelegenheit wenden können. Bereits im Herbst 2021 erfuhr ich von den wirkstofffreien Chargen durch eine Mikrobiologin, die von entsprechenden Entdeckungen durch mit der Untersuchung der „Impfstoffe“ beauftragte Labore erzählte. Da kann sich nun jede selbst einen Reim draus machen.

Richtig begeistert hat mich das gestrige Interview mit Christian Schubert, Professor für Psychoneuroimmunologie. Er hat sich in den letzten drei Jahren einen Namen als „Covidiot“ gemacht, das heißt also: er hatte den Mut und die Standhaftigkeit, sich gegen sämtliche Maßnahmen auszusprechen. In seinen Augen sind Lockdowns, Schulschließungen, social distancing, Masken und die systematische Angstmache effektive Mittel, um das Immunsystem von Menschen herunterzufahren. Daß es auch anders geht, hat Schweden gezeigt. Dort wurden Menschen während der sogenannten Pandemie würdig behandelt und das Resultat ist eine wesentlich geringere Sterblichkeit als in Deutschland, einem der Länder mit den härtesten Maßnahmen. Hier gibt es weitere Infos dazu: blog.bastian-barucker.de/schweden-gotzsche/. Christian Schubert beschreibt sehr schlüssig, was anhaltende Angst im Körper macht und daß alles noch verschärft wird, wenn man dem Herdentier Mensch Kontakt verbietet und es zwingt, eine Maske zu tragen. Daß die Maßnahmen höchst ungesund sind und das Immunsystem eher schwächen, könnte eigentlich jeder wissen, der ein wenig nachdenkt. Aber mir gefällt, wie er dazu den medizinischen Hintergrund liefert. Zum Beispiel wird bei chronischer Angst das Nebennierenrindenhormon Cortisol, ein Stresshormon, nicht mehr gebildet, was dann den Körper anfällig für Entzündungen macht. Gut gefallen hat mir auch, daß er die Panikmache der anderen Seite kritisiert: wenn also impfkritische Ärzte den Teufel an die Wand malen und sagen, daß innerhalb weniger Jahre alle „Geimpften“ sterben werden. Denn selbst wenn mittlerweile immer mehr Impfschäden ans Licht kommen, macht es immer noch einen Unterschied, ob einer mit Angst oder mit Vertrauen auf die Abläufe in seinem Körper schaut. Die Psyche spielt eine sehr große Rolle und wirkt bis in unsere DNA hinein.

Christian Schubert nennt die Dinge unerschrocken beim Namen. Er nennt die Menschen, die uns in den letzten drei Jahren gequält haben, krank. Er glaubt auch, daß das Coronavirus ein im Labor manipuliertes Virus ist;  dafür gibt es wohl Hinweise. Auch diese Menschen, die Viren und Bakterien so manipulieren, daß sie geeignet sind großen Schaden anzurichten, z. B. als Biowaffe, nennt er krank. Und unsere Schulmedizin ebenso. Die Menschen müssten von der Schulmedizin befreit werden, fordert er. Und eine Beziehung zwischen Arzt und Patient, die nicht auf Augenhöhe und mit Respekt stattfindet, ist einfach unakzeptabel. So sehe ich das auch.

Nachbars Kater zu Besuch

Hexen

Am letzten Wochenende machten I. und ich eine kleine Tour durchs Dosenmoor bei Neumünster. Dort entdeckte ich eine Pflanze, die ich noch nie gesehen habe und die an Calla erinnerte. Tatsächlich ist es eine Callaart, die Schlangenwurz, die an so speziellen Orten wie eben Mooren wächst. Ein paar Tage vorher war ich bei J., der mir ein recht großes Stück Land zeigte, das die Stiftung Naturschutz gekauft hat. Es war gerade frisch durchgegrubbert und etliche Mulden für Teiche angelegt worden. Ich vermute, daß dort ebenso wie bei Stodthagen ganzjährig Rinder leben und die Teiche Lebensraum für diverse Tiere bieten sollen. Über der gegrubberten rohen Erde stiegen Lerchen laut singend auf und nieder und von dem Entzücken darüber habe ich den Rest des Tages gezehrt. Lerchen gehörten zu den Sommern meiner Kindheit: wenn wir Oma und Opa in den Ferien in Uslar besuchten, hörte und sah ich immer die Lerchen über den damals noch reichlich vorhandenen Wiesen. Diese Vögel sind für mich der Inbegriff schierer Lebensfreude; ihr jubelnder Gesang ist so schön! Ich glaube, die Natur regeneriert sich sehr schnell wieder, wenn wir sie in Ruhe lassen. Gestern habe ich auf Kerstin Chavents Blog bewusstseinimwandel.blogspot.com den Post Gesundheit gelesen, den ich klar und klug finde. Ein Zitat daraus:

Alles, was die Natur braucht, ist, dass wir sie in Ruhe lassen. Hören wir also auf damit, ständig in die natürlichen Prozesse einzugreifen und es Fortschritt zu nennen. Nehmen wir die Finger aus dem Spiel und lassen wir die Natur machen, so, wie sie es Milliarden Jahre ohne uns getan hat. Sie braucht nicht unser Know How. Sie hat ihre eigene Intelligenz, ihre eigene Biologie, ihre eigene Sprache des Lebens: bio-logos. Lernen wir, diese Sprache erneut zu verstehen.

Ich bin im bereits erwähnten Buch Caliban und die Hexe von Silvia Federici mittlerweile beim Kapitel über Hexenverfolgungen. Ich verstehe immer mehr, wie und warum es dazu kam, daß in der beginnenden Neuzeit eine systematische und durchaus geplante Abwertung des Weiblichen ihren Anfang nahm und wem das dienen sollte. Bis dahin konnten Frauen zumindest in Mitteleuropa noch relativ selbstbestimmt leben. Sie konnten Berufe ergreifen, die man später als Männerberufe bezeichnete. So gab es Baumeisterinnen, die in den geheimnisvollen Bauhütten arbeiteten, ebenso waren Frauen Mitglieder in Handwerkergilden. Und dann nahmen die Herrschenden, also die Reichen und die Kirchen, den Frauen nach und nach alles: ihre Selbstbestimmung, die Entscheidung, ob sie Kinder bekommen wollten oder nicht, das Heilwissen, Wissen um Verhütung und Schwangerschaftsabbrüche, ihre sexuelle Selbstbestimmung. Ihr Lebenszweck war von dem Zeitpunkt an Gebärmaschine zu sein, die dem Staat neue Arbeitskräfte lieferte. Das Frauenbild, mit dem ich noch aufgewachsen bin, nahm in dieser Zeit seinen Anfang: Frauen seien emotional, könnten nicht logisch denken, hätten in Führungspositionen nichts zu suchen, seien da, um Mann und Kinder zu versorgen. Frauen sind systematisch seelisch und geistig verstümmelt geworden. Sie wurden für minderwertig befunden, galten als unperfekte Geschöpfe, die Männer mit Magie verführten und verdarben. Die Männer, die diese Behauptungen aufgestellt und durchgesetzt haben, waren von Frauen geboren worden. Also – anders kann ich es nicht verstehen – mussten sie sich selbst hassen und verabscheuen, wenn sie Frauen hassten und verabscheuten. Unsere Körper tragen diese traumatischen Erfahrungen in ihrer DNA. Es wird Zeit brauchen, diese Verzerrungen unserer Lebendigkeit zu heilen, unsere freie und wilde Kraft wieder zu entfalten.

Vielleicht würden sich ohne diese Geschichte extremer Gewalt gegenüber Frauen die ganzen derzeitigen Fragen, ob eine oder einer Mann oder Frau oder irgendwas anderes sein will, gar nicht stellen. Ich bin übrigens zweimal gefragt worden, ob ich ein Mann hätte sein wollen: einmal von dem Therapeuten, der mich während meiner Körpertherapieausbildung begleitete und vom Leiter einer Selbsterfahrungsgruppe. Nein, ich wollte nie ein Mann sein, aber ich wollte auch keine von den reduzierten Frauen sein, die ich in meiner Kindheit und Jugend erlebt habe. Aber diese Fragen zeigen, daß ich offensichtlich nicht den Klischees dieser Männer von Frauen entsprach.

Die Methoden, mit denen damals wie heute gearbeitet wird, um Menschen umzuformen und gefügig für Herrschaft zu machen, haben sich nicht wesentlich geändert. Das haben die letzten drei Jahre deutlich gezeigt. Das Hauptmittel ist das Erzeugen von Angst, dann das Diffamieren von Menschen, die ein anderes als das Herrschaftsnarrativ erzählen. Heute verbrennt man nicht mehr auf Scheiterhaufen, dafür lässt man Leute, deren „Verbrechen“ darin besteht, die Wahrheit verbreitet zu haben, im Gefängnis vergammeln wie Julian Assange. Oder man diffamiert sie, verhindert, daß sie öffentlich auftreten können wie z. B. Daniele Ganser, zensiert ihre Äußerungen im Internet und verbreitet Lügen über sie.

Ich bin all den Frauen so dankbar, die sich daran gemacht haben, das große Thema Hexenverfolgungen zu bearbeiten. Pionierinnen waren Frauen wie Starhawk und Mary Daly und soviele andere, daß ich sie gar nicht aufzählen kann. Nun liegt es an uns, uns unsere Lebendigkeit, unser Heilwissen, unsere freie Sexualität wieder zurückzuholen. Ich glaube übrigens, daß davon auch die Männer profitieren werden. Aber um ihre eigene Heilung müssen sie sich natürlich selbst kümmern.

 

Freispruch

Heute fand der Prozess gegen Sucharit Bhakdi am Amtsgericht Plön statt. Professor Bhakdi ist in den letzten drei Jahren als unermüdlicher und mutiger Mahner vor den mRNA-„Impfstoffen“ weiten Kreisen bekannt geworden. Obwohl er heftigen Gegenwind von der Seite bekam, die auf Biegen und Brechen die gentechnische Behandlung in die Körper der Menschen bringen wollte, hörte er nicht auf sich zu Wort zu melden. Er verstand es auch, die Wirkungsweise dieser fragwürdigen Behandlung verständlich zu machen. Bevor ich genau wusste, wie sie funktionierte, stand für mich schon fest, daß ich mir diese Injektion auf gar keinen Fall geben lassen würde, einfach deshalb, weil ich durch Erfahrungen mit meinen Kindern zur Impfskeptikerin geworden bin. Aber dank Professor Bhakdi konnte ich verstehen, was genau in unseren Körpern geschieht, wenn er die Information bekommt, ununterbrochen Spike-Proteine zu bilden. Die Institutionen, die uns beherrschen und professionell die öffentliche Meinung manipulieren, konnten solche kritische Stimmen nicht akzeptieren. Einen Rausschmiss hat Professor Bhakdi nicht riskiert, da er bereits in Pension ist, aber man hat versucht, ihm Volksverhetzung und Antisemitismus anzuhängen, um seinen Ruf nachhaltig zu schädigen. Der Vorwurf des Antisemitismus geht auf ein Interview zurück, daß Bhakdi Kai Stuht im April 2021 unter dem Titel Die Impfung! Die Hölle auf Erden! gegeben hat. Kann man im Netz noch auf Kai Stuhts Seite finden.

Ich bin Professor Bhakdi im Sommer 2021 begegnet und habe ein paar Worte mit ihm gewechselt. Dabei habe ich ihn als sehr reflektierten und freundlichen Menschen kennengelernt.

Heute Morgen bin ich zu seinem Prozess gefahren. Obwohl ich früh losgefahren war – ich habe keinen weiten Weg – war die Straße, an der sich das Amtsgericht befindet, schon vollgeparkt und auf den Bürgersteigen bewegten sich Menschenmengen Richtung Gericht. Dort befand sich auch schon Polizei, die so ausgerüstet war, als erwarte sie eine Schlacht. Wie einer der Anwälte später der Presse mitteilte, hatte man es für nötig befunden, für diesen Tag ein Sondereinsatzkommando zu bestellen. Wir waren mehrere Hundert, kamen natürlich nicht in den Gerichtssaal und hielten dann draußen bei leichtem Regen die Stellung, um unsere Solidarität zu zeigen und das Geschehen mit freundlicher Energie zu unterstützen. Es gab viele Treffen mit bekannten Menschen, viele Umarmungen und gute Gespräche. Als Bhakdi und seine Frau Karina Reiss auf Fahrrädern ankamen, wurde begeistert geklatscht und im Chor „Danke“ gerufen.

Ich blieb etwa zwei Stunden da und ging zu meinem entfernt geparkten Auto, als der Regen stärker wurde. Den Rest habe ich dann aus dem Internet erfahren. Schon am Mittag zeichnete es sich ab, daß es auf einen Freispruch hinauslief. Nur die Oberstaatsanwältin versuchte noch ein paar Nebelkerzen zu werfen, konnte aber den Richter nicht überzeugen.

Passenderweise lese ich gerade das Buch Caliban und die Hexe der italienischstämmigen Philosophin Silvia Federici. Sie beleuchtet die Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit im Zusammenhang mit der Entstehung des Kapitalismus und bestätigt nicht nur die Erkenntnisse von Heinsohn und Steiger (Die Vernichtung der weisen Frauen), sondern stellt das Ganze in einen noch umfangreicheren historischen Kontext. Man hat damals von staatlicher Seite dafür gesorgt, daß das Heilwissen der Frauen, speziell der Hebammen, aufs Brutalste zurückgedrängt wurde und zeitgleich das Begleiten von Gebärenden zur Aufgabe von Männern gemacht. Es ging darum, den Frauen die Selbstbestimmung über ihren Körper wegzunehmen und sie zu Gebärmaschinen zu machen, die den Staat mit Arbeitskräften und Soldaten versorgten. Heute ist es, zumindest in Europa, nicht mehr üblich, Frauen zu verbrennen, aber die Selbstbestimmung über unsere Körper liegt immer noch weitgehend in den Händen von „Experten“. Es liegt an uns, uns das Wissen um körperliche und seelische Heilung wieder zurückzuholen. Das bringt uns wieder in Verbindung mit uns selbst und den großen schwingenden Feldern, die am Grunde von allem wirken.  Es gibt uns Selbstwirksamkeit und Eigenmacht und nebenbei würde es das sogenannte Gesundheitssystem, das eine riesige Goldgrube für einige wenige Superreiche ist, aushungern, Tierversuche beenden, die Verseuchung des Wassers und der Erde mit Antibiotika und Hormonen stoppen. Der erste Schritt dazu ist, die eigene Wahrnehmung wieder zu kultivieren und ihr ohne Wenn und Aber zu glauben.

Unken

Gestern bekam ich Besuch von H., der sich gerade in Deutschland aufhält. Wir machten einen langen Spaziergang zum Selenter See und aßen köstlichen Schokoladenkuchen im Badehaus. Ich freute mich über den reichlich am See vorhandenen Baldrian, der kurz vor der Blüte steht, die Bachnelkenwurzpflanzen mit ihren hübschen rosafarbenen Blüten und das bittere Schaumkraut, das ähnlich wie Brunnenkresse schmeckt. Wenn eine die Augen aufmacht, kann sie soviel Schönheit und Vielfalt entdecken. Wir hatten gute Gespräche über Gemeinschaften und die Notwendigkeit, lebensfördernde Strukturen von unten entstehen zu lassen. Und darüber, wie schwer und gleichzeitig notwendig es in diesen Zeiten der Spaltung ist, miteinander im Gespräch zu sein und es auszuhalten, daß die Sichtweisen oft weit auseinander gehen.

Eine meiner Mitwahlhelferinnen hat mir beschrieben, wie ich im nahegelegenen Wald zu einem Tümpel komme, in dem Rotbauchunken leben. Ich habe den seltsamen Ruf dieser Tiere zum ersten Mal 2009 in Mecklenburg-Vorpommern in der Nähe der Boitiner Steinkreise gehört und seitdem bin ich hinter ihnen her. K. nennt den Ruf „mystisch“, was ich ziemlich passend finde. Ich kann ihn gar nicht beschreiben, aber er geht mir jedes Mal, wenn ich ihn höre, ans Herz. Unken brauchen natürliche stehende Gewässer und die sind selten geworden. Somit gehören sie zu den Wesen, die durch unsere Zivilisation bedroht sind. Vor einigen Jahren waren L. und ich bei einem von der Stiftung Naturschutz arrangierten „Froschkonzert“ in Stodthagen. Das hat mir nicht gefallen: es waren sehr viele Menschen da und man holte Unken aus dem Wasser und packte sie in Plexiglasgefäße, damit man sie genau ansehen konnte. Da strampelten die kleinen Tiere dann herum und ich konnte buchstäblich ihre Panik fühlen. Ich verstehe durchaus das Bedürfnis sie ansehen zu wollen. Aber sie tun mir so leid und ich habe einen immer größeren Widerwillen gegen die Selbstverständlichkeit, mit der wir uns anderer Lebewesen bemächtigen. L. und ich bewegten uns von der Menschenansammlung weg zu einem anderen Tümpel, wo wir allein waren. Man pfiff uns zurück mit der fadenscheinigen Begründung, daß Kühe auf der Weide seien und wir uns daher mit unseren Alleingängen in Gefahr begäben.

Heute am Spätnachmittag machte ich mich auf den Weg. Ich ließ das Fahrrad am Waldrand zurück und ging den beschriebenen Weg, dachte ich jedenfalls. Aber ich kam nicht zum Tümpel. Da folgte ich meinem inneren Kompass, verließ die Wege und ging einfach querfeldein. Nach einer Weile hörte ich durch das ständige Sausen des Windes in den Bäumen ein anderes Geräusch und dann stand ich am Teich und hörte die  melancholischen Rufe der Unken. So schön! So besonders!

Heute habe ich die letzten Holzscheite aufgestapelt. Eine Kröte hatte sich darunter verkrochen und suchte nach einem neuen Unterschlupf. Ich fühlte den Impuls, sie hochzunehmen und an einen Platz zu bringen, der mir passend erschien. Aber ich gab diesem Impuls glücklicherweise nicht nach. Irgendetwas sagte mir, daß die Kröte ihren Platz viel besser selbst finden würde. So war es auch: sie kroch unter die Zinkbadewanne am Schuppen. Manchmal greife ich aber ein: heute Morgen rettete ich einen Spatz, der im Gewächshaus gegen die Glasscheiben flog. Ich nahm seinen kleinen leichten Körper in beide Hände und als ich sie wieder öffnete, flog er in die Freiheit.

Wahl

Es ist schon lustig, daß eine, die so gar nichts für die repräsentative Demokratie übrig hat, in den Wahlvorstand berufen wird. Genau das ist mir, der jahrzehntelang überzeugten Nichtwählerin (tatsächlich habe ich nur zweimal in meinem Leben gewählt) geschehen. Ich bekam vom Amt einen Brief mit der Aufforderung, die Funktion der stellvertretenden Wahlvorsteherin für die Kreis- und Gemeindewahl zu übernehmen. Gut, warum nicht! Ist vielleicht eine interessante Erfahrung. Ohnehin glaube ich, daß auf Kommunalebene noch andere Dinge möglich sind als in höheren Etagen, wo die Lobbyisten ein- und ausgehen, Politik und Kapital eng verflochten sind und Korruption zur Normalität gehört, wie wir zur Zeit so deutlich vorgeführt bekommen.

Erstmal musste ich eine Schulung besuchen. Die dauerte etwas mehr als zwei Stunden, in denen ein 97seitiges Buch durchgearbeitet wurde, glücklicherweise in sehr großer Schrift und mit vielen Beispielen von gültigen und ungültigen Wahlzetteln. Nach der Schulung hatte ich Zweifel, daß ich zu dieser Aufgabe in der Lage sein würde. Alles wirkte überaus kompliziert. Aber glücklicherweise war ich nicht allein und hatte ein Frau an der Seite, die sich sehr viel besser auskannte. Insgesamt waren wir acht Frauen, seltsamerweise keine Männer dabei. Vier machten die Frühschicht, vier die Spätschicht.

Wir hatten nicht viel zu tun. Ab und zu kamen Menschen zum Wählen. Manche brauchten kleine Anweisungen, z. B. auf welche Weise der Wahlzettel zusammenzufalten sei. Manche blieben eine Weile da um zu schnacken. Einer bot an, für uns neuen Kaffee zu kochen, was wir annahmen. Für uns gab es belegte Brötchen, für die Kinder Süßigkeiten. Draußen schien die Sonne und ich fing zwischendurch Wespen und Bienen, die sich in den Saal verirrt hatten, und ließ sie nach draußen. Alles war sehr entspannt.

Um 18:00 kam die Frühschicht wieder ins Wahllokal und die Stimmenauszählung begann. Gleichzeitig füllte sich auch der Raum mit den Kandidaten und anderen Dorfbewohnern, die die Ergebnisse mitbekommen wollten. Die Wahlzettel wurden nach einem sinnvollen System auf Stapel gepackt. Als wir an die Stimmenauszählung gingen, wurde  es mucksmäuschenstill im Saal. Das war der anstrengende Teil der ganzen Veranstaltung, weil viele Stimmen, wenn sie nicht en bloc für eine Partei gegeben worden waren, einzeln ausgezählt werden mussten. Dabei mussten wir immer wieder unsere Ergebnisse auf den Zähllisten vergleichen. Aber das Ganze hat auch Spaß gemacht und ich habe neue Leute kennengelernt.

Ganz in meiner Nähe an einem blühenden Rapsfeld: gut gemeint, aber leider Massentierhaltung

Gegen 20:30 fuhr ich mit dem Fahrrad nach Hause, froh mich wieder bewegen zu können. Übrigens Fahrrad: ich fahre weiterhin konsequent mindestens zweimal in der Woche eine Runde und meine Kondition ist mittlerweile so gut, daß ich die Gangschaltung kaum noch benutzen muss.

Ich möchte nochmal Kerstin Chavent empfehlen. Vor längerer Zeit hatte ich über ihr tolles Buch Die Waffen niederlegen geschrieben. Sie schreibt öfter für Rubikon, das mittlerweile in Manova umbenannt wurde. Kürzlich war sie zusammen mit neun weiteren Journalisten aus Alternativ- und Leitmedien in Tamera, um zu erforschen, wie man Frieden in die Welt bringen könne. Über ihr Blog kommt ihr auf die Manovaseite: https://bewusstseinimwandel.blogspot.com/. Der Eintrag heißt „Abenteuer Mensch“ und ist vom 7. Mai. Mir gefallen ihr freies Denken, ihre teilweise sehr persönlichen Mitteilungen und die Art, wie sie ihre Krebserkrankung als lebensverändernde Erfahrung genutzt hat, indem sie die Botschaft der Krankheit entschlüsselt und angenommen hat.

Der Frühling ist da und bis auf zwei warme Tage ist es immer noch recht kalt. Trotzdem habe ich heute die Tomaten in den Garten gepflanzt, weil sie auf meiner Küchenfensterbank so hoch gewachsen waren, daß die umzuknicken drohten. Ich habe ihnen gut zugeredet, daß sie bitte durchhalten mögen, auch wenn die Nächte wieder kühl werden. Die Bienen fliegen und kommen mit dicken Pollenhosen heim. Vor einigen Wochen lagen morgens immer viele tote Bienen vor dem Flugloch, darunter auffällig viele Drohnen. Da habe ich mir Sorgen gemacht, aber mittlerweile machen sie einen gesunden Eindruck. Die Zwetsche ist verblüht, die Apfelbäume tragen ihr weißes Blütenkleid und die Wiese ist mit Blütenblättern bestreut, das Quittenbäumchen hat gerade seine schönen großen Blüten geöffnet und an den Johannisbeersträuchern hängen schon grüne Früchte. Jetzt ist die Zeit, wo alles am schnellsten wächst und ich gar nicht hinterher komme mit alldem, was getan werde möchte. Seit Ende April sind die Schwalben wieder da, weniger als im letzten Jahr und leider ist kein Rauchschwalbenpärchen in das Nest im Holzschuppen eingezogen. Dafür habe ich auf einem der Lagerhäuser des Guts ein Turmfalkenpärchen entdeckt.