Unerfreuliches und Erfreuliches

Vor einigen Tage geriet ich in eine sehr unerfreuliche Diskussion: eine Frau beschwerte sich über die Energiepolitik der Grünen und sagte daß diese Partei den Mittelstand zu Grunde richtete. Eine andere entgegnete scharf, daß es schließlich klimamäßgig Fünf nach Zwölf sei und Herr Habeck wenigstens einen Anfang machte, etwas an der bevorstehenden Katastrophe zu ändern. Leider fühlte ich mich dann berufen, auch noch meinen Senf dazu zu geben und sagte, daß die sogenannten erneuerbaren Energien alles nur noch schlimmer machten, zumal dafür Regenwälder in Südamerika abgeholzt würden, um an das Lithium in der Erde zu kommen. Eine Vierte fuhr mich an, daß Atomenergie ja wohl auch keine Alternative sei. Da konnte ich mal wieder sehen, wohin solche Gespräche führen – zu nichts als schlechten Gefühlen. Natürlich habe ich noch nie was für Atomenergie übrig gehabt. Ich glaube nicht an diese ganzen technokratischen Lösungen, sie haben in der Vergangenheit bereits zu immer neuen Problemen geführt: von der Dampfmaschine zu den Verbrennungsmotoren, von Kohlenöfen zu Ölheizungen, von der Energie durch Atomkraftwerke zu der durch gigantische Windmühlen, die massenweise Vögel und Insekten schreddern, die Landschaft verschandeln und für die Rohstoffe aus anderen Ländern beschafft werden müssen, indem enorm viel Land und die Lebensgrundlage von Indigenen zerstört werden. Ich glaube, es ist ein gigantischer Bewusstseinswandel nötig, egal ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht, weil wir so einfach nicht weiterleben können. Die Frage, die sich mir stellt, ist: Brauchen wir den ganzen Krempel, mit dem wir uns umgeben und der Strom und Ressourcen frisst, um glücklich zu sein und mit allen anderen Wesen in Einklang zu leben?

Aber wie ich mal wieder sehen konnte, führen solche Gespräche zu nichts. Keine konnte die andere überzeugen. Jede war natürlich der Meinung, daß sie recht hat. Und keine erkennt das gesamte Bild, auch die Wissenschaftler nicht, weil auch die alle nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit erkennen können und sich von daher nicht einig sind. Die notwendige Veränderung wird meines Erachtens auch nicht von oben verordnet werden können. Die Geschichte zeigt, daß jeder Versuch, eine paradiesische Gesellschaft zu schaffen, direkt in die Hölle geführt hat: nach der französischen Revolution in das Terrorregime von Robespierre und Saint Just, nach der russischen Revolution zum  Stalinismus, nach Mao Tse Tungs Langem Marsch zur Kulturrevolution. Es funktioniert eben einfach nicht, wenn  man Menschen eine Ideologie überstülpt. Oder anders gesagt: niemand kann wissen, was für die Anderen gut ist. Eine wirklich lebensförderliche Veränderung kann nur von unten und durch kleine Gemeinschaften geschehen, in denen jeder eine Stimme hat und jedem zugehört wird.

Es gab aber auch Erfreuliches: am Sonntag gingen J. und ich im Klabautermann am Hafen von Lippe essen. Dort gibt es leckere Fischgerichte. Davor gingen wir spazieren und anschließend genossen wir den schönen Abendhimmel und die milde Luft. Wir hatten ein gutes Gespräch und ich freue mich, daß ich wieder ein entspanntes Verhältnis zu meinem Ex-Mann habe.

Und am Mittwoch fand ein sehr schöner Kräuterkurs mit einer Gruppe von Kindergärtnerinnen statt (sie selber mögen die Berufsbezeichnung Erzieherin genauso wenig wie ich): lauter interessierte und offene Frauen, gute Gespräche und fröhliche Stimmung.

Heute hat es zu meiner Freude ordentlich gegossen:

 

Endlich Regen

Ich wurde gefragt, warum ich unsere Außenministerin Kriegsministerin nenne. Ganz einfach deshalb, weil sie dermaßen penetrant für Deutschlands Beteiligung an diesem Krieg eintritt („schwere Waffen für die Ukraine“). Ja, ich weiß, daß Frau Lamprecht Verteidigungministerin ist.

Heute fuhr ich nach Kiel. An der Tür des Bäckers hing ein Schild, auf dem erklärt wurde, daß die Läden aus Protest gegen die durch die Decke gehenden Energiepreise dunkel bleiben. Tatsächlich brannte nur ein einziges schummriges Licht über dem Tresen. Später sah ich, daß andere Bäcker es ebenso hielten. Mir soll es recht sein, solange ich noch erkennen kann, was ich kaufen will. Und logischerweise müssen die Bäcker Angst haben, daß sie bald den Strom für ihre Öfen nicht mehr bezahlen können und Brot so teuer wird, daß die Leute Billigbrot beim Discounter kaufen.

Als ich auf dem Markt war, fing es an zu regnen und das steigerte sich zu einem ordentlichen Guss. Ich freute mich so, daß ich den ganzen Heimweg die wenigen Lieder sang, die ich zum Thema Wasser kenne: „Es regnet, es regnet, die Erde wird nass“ und „The river is flowing“ auf Englisch und Deutsch. Am Montag haben B. und ich ein Ritual gemacht, um Regen zu rufen. Danach habe ich täglich aus lauter Sehnsucht nach Regen den Regenradar aufgerufen, obwohl ich mich bisher immer darüber lustig gemacht habe. Und der Regenradar sagte 90%igen Regen voraus, der dann nicht kam. So ist das mit den Modellrechnungen. Eigentlich finde ich es ja schön, daß es eben nicht möglich ist, etwas mit Sicherheit vorherzusagen. Das wissen wir doch aus der Chaosforschung: der bekannte Schmetterlingseffekt. Deshalb lagen ja auch die Modellierer mit ihrer Vorhersage von Millionen Coronatoten so gründlich daneben. Und möglicherweise liegen sie auch mit der Vorhersage von den Kipppunkten durch den Klimawandel daneben. Es bleibt spannend.

Bevor ich mich auf den Heimweg machte, fuhr ich noch durch die Waschanlage, weil ich den Anblick meines vollständig von Staub überzogenen Autos nicht mehr ertragen konnte. Das will schon was heißen. Normalerweise fahre ich nur einmal im Frühling und einmal vor dem Winter zum Autowaschen.

Schachtelhalm

Ich habe erfahren, daß sowohl die anthroposophische als auch die Traditionelle chinesische Medizin Schachtelhalm zur Behandlung von Grauem Star benutzt. Ich habe heute einen OP-Termin für Oktober bekommen, aber bis dahin mache ich den Versuch, die Linsentrübung auf andere Weise zu behandeln. Schachtelhalm macht sehr viel Sinn. Er besteht aus extrem viel Kieselsäure, die eine Lichtträgerin ist und eine enge Beziehung zum Auge hat. Außerdem wächst hinter dem Haus seit zwei Jahren massenweise Schachtelhalm. Ich sage den Teilnehmerinnen meiner Kräuterkurse immer, sie sollen auf Pflanzen achten, die vermehrt in ihrem Umkreis wachsen. Seltsamerweise habe ich selbst das dieses Mal nicht getan. Erst B. hat mich auf diese Idee gebracht.

Leider ist der richtige Erntezeitpunkt vorbei, deshalb kaufte ich das Kraut heute am Kräuterstand. Ich musste eine Weile warten und hörte die Leidensgeschichte einer Kundin mit an. Während der Kräutermann ihr einen Tee mischte, sprach ich sie an, entschuldigte mich für die Einmischung und empfahl ihr die liebe Inke, die nicht nur mir, sondern so vielen Menschen geholfen hat, die ich zu ihr geschickt habe: www.inke-kruse.de

Der Kräutermann mischte die Teepflanzen mit den Händen. Er trug keine Plastikhandschuhe, wie das mittlerweile bei vielen Verkäufern üblich ist. Ich sah ihm fasziniert zu, wie er mit den Händen in die Holzschale ging und die Pflanzeteile hindurch rieseln ließ. Das sah so liebevoll, so zärtlich aus, daß mir ganz warm ums Herz wurde. Er hat eine Beziehung zu den Pflanzen und das macht einen wesentlichen Teil der Heilwirkung aus, oder wie die TCM-Ärztin Marianne Ruoff es sinngemäß mal gesagt hat (laut Wolf-Dieter Storl): Es sind nicht allein die Inhaltsstoffe, sondern auch das Chi der Pflanze, was heilt. Und ich bin überzeugt, auch das Chi der Person, die die Pflanzenmedizin zubereitet.

Als ich dran war, sagte ich ihm, wie gut mir gefallen hätte, daß er mit beiden Händen in der Teemischung war und auf diese Weise seine Energie hineingegeben hätte. Das hat ihn gefreut.

Wasserhanf

Gestern ging ich über das abgeerntete Rapsfeld und stand plötzlich vor einer Wasserhanfpflanze, an deren Blüten ein Kohlweißling naschte. Das fand ich ziemlich erstaunlich: das Feld ist mit Glyphosat getränkt und durch den anhaltenden Regenmangel völlig ausgedörrt. Wasserhanf, auch Wasserdost und Kunigundenkraut genannt, liebt aber feuchte Standorte, wie der Name verrät. Außerdem sind alle Wasserhanfpflanzen in meinem Umkreis längst verblüht. Diese aber blühte und hatte sogar noch geschlossene Knospen. Wahrscheinlich ist der Samen mit dem Wind hierher gekommen, aber daß er sich hier auch zu einer Pflanze entwickeln konnte, ist schon erstaunlich. Wasserhanf ist eine meiner liebsten Heilpflanzen. Wegen der in ihr enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide, die in großer Menge die Leber schädigen können, ist er in Verruf geraten wie so viele andere altbewährte Heilpflanzen. Aber wie immer: die Dosis macht das Gift. Wolf-Dieter Storl hat einen sehr differenzierten Essay zum Thema in seinem auch sonst lesenswerten Buch Einsichten und Weitblicke geschrieben.

Bald werden große Maschinen mit gigantischen Pflugscharen dieses Feld umpflügen und damit auch den Wasserhanf vernichten. Ich hockte mich also zu der Pflanze und sagte ihr, daß ich sie gern ausgraben und in meinen Garten nehmen wolle. Normalerweise rate ich den Teilnehmerinnen meiner Kräuterkurse davon ab Pflanzen auszugraben. Aber in diesem Falle fand ich das richtig und die Pflanze schien auch keine Einwände zu haben. Ich holte die Grabgabel und mühte mich ab, damit in den knochentrockenen und fast steinharten Boden zu kommen. Jetzt steht der Wasserhanf in meinem Garten und als ich ihn heute besuchte, sah er ganz gut aus.

Die erste Herbstzeitlose ist da

Ich lese gerade ein Buch, das mir meine Tochter geliehen hat: The Psychology of Totalitarianism von Mattias Desmet, einem belgischen Psychoanalytiker, leider noch nicht auf Deutsch erhältlich. Es geht darin um den sich immer deutlicher abzeichnenden globalen Trend zur totalen Kontrolle der Bevölkerung, der mit dem C-Thema rasant an Fahrt aufgenommen hat. Er beschreibt, wie Wissenschaft früher einen offenen und neugierigen Geist zur Voraussetzung hatte (Beispiel Galileos Beobachtung von Pendelbewegungen) und mittlerweile zur Ideologie verkommen ist. Er führt viele erschreckende Beispiele von Schlampigkeit und Betrug bei wissenschaftlichen Studien an, ganz besonders krass im Feld der Medizin. Und er zeigt auf, wie das mechanistische Weltbild, das eigentlich schon seit ca. 100 Jahren durch Einstein und Heisenberg widerlegt ist, immer noch das bestimmende ist. Als er auf die Tierversuche zu sprechen kam, ohne die die heutige Medizin nicht wäre, überkam mich das Entsetzen über die Art, wie meinesgleichen mit unseren Brüdern und Schwestern umgeht. Ich dachte an Christian Drosten, den Chef-Corona-Berater unserer alten Regierung, der in einem Radiointerview mal völlig nüchtern beschrieb, wie Rhesusaffen mit dem C-Virus infiziert und dann getötet werden, um ihre Lungen zu obduzieren. Er sprach darüber so, als ob es das Natürlichste der Welt sei, Tiere für die Wissenschaft zu quälen. Da wusste ich, daß ich diesem Mann nicht vertrauen kann. Jedes Medikament, jeder Impfstoff, die meisten medizinischen Verfahren und Diagnosemethoden sind an Tieren getestet worden. Und die Menge der auf diese Weise aufs Grausamste behandelten Tiere nimmt von Jahr zu Jahr zu. Wer also Medikamente nimmt oder sich irgendwelchen medizinischen Verfahren unterwirft, trägt indirekt mit Verantwortung für das unbeschreibliche und unerträgliche Leid dieser Lebewesen. Ich will hier keinem Schuldgefühle machen – auch ich habe in meinem Leben schon Medikamente genommen, bin davon jedoch immer mehr abgekommen – aber es scheint mir wichtig, das zu wissen. Diese Art von Medizin kann nicht wirklich heilen, sie kann nichts Gutes bewirken, letztlich schafft sie nur ganz mieses Karma.

99 Luftballons

Die Empörung über die Aussage der deutschen Kriegsministerin, sie werde solange an der Seite der Ukraine bleiben, wie die sie brauchte, „egal was meine Wähler denken“, ist groß. Ich habe sie mir gerade im Zusammenhang angehört und finde so gar nicht so empörend. Daß Frau Baerbock ziemlich heiß darauf ist, die Russen fertig zu machen, egal um welchen Preis, ist seit einigen Monaten bekannt. Und daß ihr ihre Wähler egal sind, ist nur ausgesprochen, was sonst kein Regierender je so offen gesagt hat, obwohl es ein Faktum ist. Wahlen dienen eben nicht dem Wohl der Bürger sondern den Interessen der Herrschenden und derer, die hinter ihnen stehen. Es ist kein Geheimnis, daß Regierungen eine große Verachtung für ihre Bürger hegen und Bürger eine ebenso große Verachtung für ihre Regierungen. Im Falle des Ukrainekrieges, der von unserer Kriegsministerin als Freiheitskampf des Westens hochgejubelt wird, steht ganz klar die USA dahinter. Da kann eine dann auch schon mal die vor der Wahl getroffene Zusage, sich für die Freiheit von Julian Assange einzusetzen, unter den Tisch fallen lassen und den Mann weiterhin im Gefängnis vergammeln lassen, denn man will ja die USA nicht mit solchen Banalitäten wie der Freiheit einer Person verärgern, deren „Verbrechen“ darin besteht, daß sie die Kriegsverbrechen der USA aufgedeckt hat.

Die Russen fertig machen wollte bekanntermaßen schon mal ein Mann aus Deutschland. Der ist damit vor 77 Jahren krachend gescheitert. Die Leidtragenden waren auch damals die Bürger, sowohl auf russischer wie auf deutscher Seite. Vielleicht mal aus der Geschichte lernen?

Ich habe Hoffnung, daß es immer mehr Menschen auffällt, daß ein böses Spiel mit uns gespielt wird. Außerdem zeigt dieses Geschehen, daß Frauen eben nicht automatisch die besseren, empathischeren Führungspersönlichkeiten abgeben. Das sage ich als Frau und Feministin. Es ist wohl kaum möglich, in einem patriarchalen System in eine Führungsposition zu kommen, wenn eine sich nicht an die Spielregeln hält. Und daß Frau Baerbock eine „Young Global Leadership“-Schulung beim Weltwirtschaftsforum des Herrn Schwab durchlaufen hat, spricht für sich selbst.

Ich muss ab und zu an Nenas Lied 99 Luftballons aus den 80er Jahren denken: https://www.youtube.com/watch?v=Fpu5a0Bl8eY

Neulich habe ich es mal wieder gehört und finde, es passt gut in die heutige Zeit. Ich bin nie eine richtige Fanin von Nena gewesen, hatte aber auch nichts gegen ihre Musik. Je älter sie wird, desto besser gefällt sie mir mit ihrer Klarheit und Unerschrockenheit. Die Frau hat Eier!

Gendern

Nachtrag zu meinem letzten Post: um ehrlich zu sein, bin ich natürlich zu dem Arzt gegangen, zu dem ich eigentlich nie wieder gehen wollte, weil ich Hilfe brauchte und sie mir von ihm erhoffte. Daß er was kann, habe ich ja schon einige Male erlebt. Die Einsicht, daß ich mit allen reden können müsste, gerade in heutigen Zeiten, kam danach.

Seit einiger Zeit mache ich mir Gedanken über das Gendern. Ich lege schon Wert darauf, als Frau angesprochen zu werden und wenn auf der Homepage einer neu gegründeten Genossenschaft als ein Grundprinzip „Brüderlichkeit“ angegeben wird, deute ich das so, daß diese Leute keine Frauen dabei haben wollen. Andrerseits nimmt das Gendern mittlerweile Ausmaße an, die ich nur noch krampfhaft finde. Dann schickte mir meine Tochter den Artikel eines Linguisten zum Thema, der auf den Nachdenkseiten erschienen ist (an dieser Stelle eine Empfehlung für die Nachdenkseiten: da gibt es zwar auch Meinungsjournalismus, aber man hat hier die Möglichkeit, einige Dinge zu erfahren, die in den Leitmedien einfach nicht auftauchen, z. B. eine kritische Berichterstattung zum Krieg in der Ukraine und wie es dazu kam).

Die Argumente von Ralf Vogel gefallen mir. Ich wiederhole sie jetzt nicht, man kann sie ja nachlesen. Sprache ist sehr persönlich und sie muss frei sein. Wenn man Menschen bestimmte Worte aus Gründen der politischen Korrektheit vorschreibt, dann heißt das noch lange nicht, daß sie auch so denken. Ich benutze gern gelegentlich Kraftworte, man kann sie auch vulgär nennen. Das mag eine Folge der strengen Erziehung meiner Eltern sein, die sehr viel Wert auf kultiviertes Sprechen legten. Auf jeden Fall macht mir eine deftige Ausdrucksweise oft Freude. Wahrscheinlich gefällt das nicht jedem. Aber ich werde verstanden und das ist die Hauptsache.

Und das muss ich auch anderen zugestehen. Ralf Vogel mag nicht gendern. Das verstehe ich, auch wenn es mich betrübt, daß er wieder zum generischen Maskulinum übergegangen ist. Ich fände es sehr reizvoll, zur Abwechslung mal das generische Femininum zu nehmen, schon deshalb, weil in den meisten weiblichen Begriffen der männliche enthalten ist. Beispiel: Mitarbeiter-in. Aber dafür ist wahrscheinlich die Zeit noch nicht gekommen.

So wie Ralf Vogel sich die Freiheit nimmt, überwiegend die männliche Form zu benutzen, kann ich mir die Freiheit nehmen, so zu sprechen, wie es mir gefällt. Da kommt dann öfter die weibliche Form vor, schon deshalb, weil ich als junge Frau noch erlebt habe, daß Frauen Menschen zweiter Klasse waren. Beispiel: als junge verheiratete Frau brauchte ich die Erlaubnis meines damaligen Ehemannes, um arbeiten und mein eigenes Geld verdienen zu dürfen. Dieses Gesetz wurde 1979 aufgehoben. Sprache ist lebendig und kann nicht von oben diktiert werden. Ich halte es mit Pippi Langstrumpf und mache mir die Sprache so, wie sie mir gefällt. Das heißt, daß ich dann schon mal Worte wie Körperin (habe ich von Ilan Stephani übernommen) oder Planetin benutze, einfach weil es mir Spaß macht. Überhaupt liebe ich Sprache. Ich mag die deutsche Sprache für ihre Präzision, aber auch im Englischen und Französischen mache ich immer wieder schöne und spannende Entdeckungen. Wie öde, wenn sich alle nur noch politisch korrekt ausdrücken.

Übrigens Pippi Langstrumpf: diese Bücher habe ich als Kind sehr gemocht. Und mich hat nicht im mindesten gestört, daß ihr Vater Negerkönig war. In den neuen Ausgaben hat man aus dem Negerkönig eine Südseekönig gemacht. Wahrscheinlich rotiert Astrid Lindgren in ihrem Grab, vielleicht steht sie auch über all dem Irrsinn. Es gab ja mal Zeiten, da war das Wort Neger keineswegs diskriminierend. Die Schwarzen nannten sich ja selbst „negroes“ und das heißt einfach nur Schwarzer. Wenn heute einer von People of Colour spricht, ist damit keineswegs garantiert, daß er frei von Rassismus ist. Was man Pippi Langstrumpf mit dem Südseekönig angetan hat, ist eine Form von Zensur. Konsequenterweise müsste dann die ganze Bibel umgeschrieben werden, denn da wimmelt es nur so von frauenverachtenden und sonstwie diskriminierenden Ausdrücken.

Ich bette gleich meine Körperin zur Ruhe und wünsche allen Menschen lustvolles Spielen mit Sprache.

 

Vergehen

Für viele Menschen stellt das Alter ein Problem dar. So ist es zumindest in unserer Kultur. Menschen sind nur dann attraktiv und etwas wert, wenn sie jung und leistungsfähig sind. Vor Jahren war ich mal Koreferentin bei einem Workshop zum Thema Wechseljahre. Da gab es mehrere Frauen, denen es extrem wichtig war, ihre Leistungsfähigkeit zu behalten. Aber das Leben ist nicht so. Alles, was wird, muss auch wieder vergehen. Die Analogie dazu findet sich im Jahreskreis: zur Wintersonnenwende wird das neue Licht geboren, das Feuerkind, das wachsende Licht der Sonne, die im Frühling alles wachsen und gedeihen lässt. Sie Sommersonnenwende ist dann der Wendepunkt, an dem alles Lebendige sich wieder seinem Ende zuneigt. Das Licht wird Tag für Tag weniger, die Kraft der Pflanzen zieht sich in die Wurzeln, in die Erde zurück, um dort zu träumen und sich auf eine neue Geburt vorzubereiten. Dieses zyklische Geschehen wird symbolisch im achtspeichigen Rad abgebildet (die acht Speichen für die vier Sonnen- und die vier Mondfeste) und wir können es mit unseren Sinnen in der Natur wahrnehmen. Die alten Mythen von Persephone und Inanna und ihrem Abstieg in die Unterwelt erzählen diese ewige Geschichte. Leben verwandelt sich ständig, Tod führt in neues Leben, Leben führt in den Tod.

Meine Mutter hat sich gewünscht, eines Tages tot umzufallen. Ihr Vorbild war dabei Udo Jürgens, der bei einem Spaziergang gestürzt und nicht wieder aufgestanden ist. Dieser Wunsch wurde meiner Mutter nicht erfüllt. Sie musste das allmähliche Vergehen ertragen und hat sich damit sehr schwer getan. Auch ich kann mittlerweile nicht mehr ignorieren, daß ich älter werde. Als ich vor einigen Jahren keine Lust mehr hatte, meine Haare alle paar Wochen mit Henna zu färben, fiel es mehr noch recht leicht, das nachwachsende Grau zu akzeptieren. Mittlerweile habe ich von Menschen, die mich noch mit hennaroten Haaren gekannt haben, öfter wohlwollende Kommentare gehört. Auch daß meine Haut nicht mehr so straff ist, die Geheimratsecken größer werden und meine Gelenke öfter schmerzen, kann ich hinnehmen. Aber jetzt habe ich eine Linsentrübung des rechten Auges und da ist das Akzeptieren schon schwerer. Ja, ich weiß, daß man das heute mit einer ambulanten OP beheben kann und kenne etliche Leute, die das problemlos hinter sich gebracht haben, u. a. meine Eltern und eine ehemalige Arbeitskollegin, die erheblich jünger als ich war. Ich habe soviel für meine Augen getan und damit die Entwicklung meiner beginnenden Weitsichtigkeit lange hinausgezögert. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß ich in entspanntem Zustand und bei gutem Licht keine Lesebrille brauchte. Damit ist jetzt Schluss. Ich werde die Schulmedizin in Anspruch nehmen müssen, wenn ich nicht weiterhin durch einen irritierenden Schleier sehen will.

Pflanzen nehmen das Vergehen klaglos hin

Wie berichtet, wollte ich nie wieder zu dem Arzt gehen, der mir mit seiner energetischen Methode einige Male sehr geholfen hat, weil er mich vor über einem Jahr so streng zurechtgewiesen hatte, weil ich mich nicht „impfen “ lassen wollte. Und nun bin ich vor wenigen Tagen wieder bei ihm gewesen. Diese Entscheidung kam nicht plötzlich. Ich wollte endlich diesen sich immer weiter ausbreitenden roten Ring auf meinem Rücken, der vielleicht Anzeichen einer Borreliose war, loswerden. Außerdem hatte ich seit einiger Zeit Schmerzen in der Kreuzbeinregion und den Hüftgelenken, die meine Osteopathin nur kurzfristig lindern konnte. Na ja, und ich hoffte natürlich, daß er mir den grauen Star wegzaubern könnte. Ich wappnete mich also in Erwartung einer neuen Zurechtweisung wegen der „Impfung“ (für mich ist das nach wie vor ein gentherapeutischer Menschenversuch) und ließ mir einen Termin geben. Es war ein sehr angenehmer Kontakt, ich musste keine Maske tragen, wir haben sogar gelacht, meinen Hüftgelenken geht es wieder gut und der rote Ring ist zwar immer noch nicht ganz weg, aber wohl keine Borreliose. Meinem rechten Auge konnte er nicht helfen, hat aber meine Selbstdiagnose bestätigt.

Ich war trotzdem sehr zufrieden, auch mit mir selbst. Weil ich in den letzten Monaten begriffen habe, daß es wichtig ist, mit allen zu reden, auch und gerade mit denen, die mein Weltbild nicht teilen. Der Umgang mit dem C-Virus hat eine so tiefe Spaltung sichtbar gemacht und verstärkt. Ich glaube, daß es jetzt wichtig ist, diese Spaltung zu heilen. „Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden“ hat die kluge Rosa Luxemburg mal gesagt. Diesem Satz nicht nur zuzustimmen sondern ihn auch zu leben, ist nicht einfach. Wer weiß schon, was richtig ist. Übrigens ist der Vorsatz mit allen zu reden natürlich sehr hoch gegriffen. Ich kann es ja langsam angehen lassen.

Letzte Nacht saß ich im Garten und sah in den Sternenhimmel. Die hellen Sommernächte sind vorbei und die Milchstraße ist wieder zu sehen. Ich hörte dem Wind zu: welche Informationen weht er heran? Es war so still und ich fühlte mich so zu Hause und alles war gut, auch das Altwerden, das Vergehen. Leben geht immer weiter, nur die Erscheinungsformen verändern sich.

On the road again

So hieß ein Bluessong der Gruppe Canned Heat und so fühle ich mich oft in dieser Zeit: ständig unterwegs. Ein paar Tage war ich in Flensburg und wir besuchten einen schönen See, an dem wir dieses lauschige Plätzchen fanden. Auf dem Weg zu mir machten wir einen Abstecher nach Schleswig, weil ich K. und M. die beiden Hexen im Schleswiger Dom zeigen wollte:

 

Die beiden heißen Frigga (die auf dem Besen) und Freya (auf dem Katzentier). Man fragt sich natürlich, was zwei offensichtlich gut gelaunte nackte Mädels in einer ehrwürdigen Kirche im protestantischen Norden machen. Meine Theorie: die Maler haben es für sicherer gehalten, in dem christlichen Ambiente noch die alten Göttinnen unterzubringen. Man weiß ja nicht. ob die sich sonst vielleicht rächen, weil ein gefolterter Mann am Kreuz sie von ihrem angestammten Platz verdrängt hat. Jedenfalls freue ich mich über sie.

Dann waren wir in Haithabu, der nachgebildeten Wikingersiedlung an der Schlei. Das war eine große Enttäuschung: sehr teurer Eintritt, für den ein paar Hütten und ein Boot ohne jegliche Erklärung geboten wurden, eine Toilette für Frauen und Behinderte mit Wickeltisch und eine für Männer (nicht behindertengerecht, was an der schmalen Tür zu erkennen war). Was machen behinderte Männer oder Väter, die ihrem Kind die Windeln wechseln wollen? Wirft ein schlechtes Licht auf die Planer dieser Einrichtung. Das Museum war sehr nüchtern und karg, das Café machte gerade Feierabend. Wir wurden auf das große Café unten an der Straße geschickt, wo wir für ziemlich viel Geld Kaffee und Kuchen bekamen. Immerhin schmeckte der Kuchen.

Dann fuhr ich nach Münster und stand auf der Hinfahrt ab Hamburg dreimal im Stau. Aber Fahren mit der Deutschen Bahn ist auch keine Option mehr, weil da mittlerweile wohl kaum noch was einigermaßen gut läuft. Ich bin also wieder aufs Auto umgestiegen. In Münster traf ich mich mit meinem Bruder und meiner Schwägerin. Es ging um das Konto meiner Mutter. Am nächsten Tag ging es wieder nach Hause, dieses Mal ohne Stau.

Auf meinem Rücken hat sich vor Wochen ein seltsamer tiefroter Fleck gebildet, der sich erst ausbreitete und etwas blasser wurde, daraus entstand dann ein großer roter Ring, der an ein Erythema migrans (Wanderröte) erinnerte. Ich hatte schon mal eines, das aber etwas anders aussah und sich damals nicht als Beginn einer Borreliose herausstellte. Dann dachte ich an einen Hautpilz und behandelte mich nacheinander mit allen antimykotischen Mitteln, die mir einfielen: starker Ringelblumentee, Apfelessig, Knoblauchsaft, Lavendelöl und zum Schluss Teebaumöl – ohne sichtbare Besserung. Schließlich ging ich zum Arzt. Ich hatte mir vorgenommen, auch für den Fall, daß er darin ein Borreliosesymptom sehen würde, kein Antibiotikum zu nehmen, aber ich wollte wenigsten wissen, was das ist. Nun, ich weiß es immer noch nicht. Der Arzt gab zu, daß auch er ahnungslos sei und schlug vor, ich solle das Ding weiter beobachten. Er fand eine prophylaktische  Antibiotikagabe nicht sinnvoll, was für ihn spricht. Ich vermute, daß mich da irgendein Insekt gestochen und einen Erreger reingebracht hat, auf den mein gutes Immunsystem deutlich reagiert. Ich schaue es mir jeden Tag mit Hilfe von zwei Spiegeln an und nehme Kardenwurzeltinktur, die ich im Februar zubereitet habe. Das kann nicht schaden.

Apropos Krankheit, ich möchte auf ein sehr schönes Buch von Kerstin Chavent hinweisen, das vor einiger Zeit in der Zeitung Demokratischer Widerstand empfohlen wurde: Die Waffen niederlegen – die Botschaft der Krebszellen verstehen. Der Titel hat mich elektrisiert und es geht um viel mehr als um die persönliche Krebserfahrung der Autorin. Es geht um unser Gesundheitssystem, das diesen Namen wirklich gar nicht verdient und darum, die Verantwortung für die eigene Heilung wieder zu sich selbst zurück zu nehmen. Während des Lesens habe ich mehrmals zurückgeblättert um nach dem Erscheinungsdatum zu schauen. Denn es war, als beschriebe die Autorin die letzen zweieinhalb Jahre mit ihrer grotesken Entmündigung der Bürger*innen. Aber nein, das Buch ist vor dem öffentlichen Auftritt des Virus erschienen.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf das Blog von Cambra Skadé, die mich mal wieder sehr erfreut hat: https://cambraskade.blog/2022/08/12/der-tanz-dieser-zeit/

„Der Stamm der Lebensliebenden“ – ja, dem fühle ich mich auch zugehörig. Vor einigen Tagen telefonierte ich mit einer ehemaligen Teilnehmerin meiner Kräuterkurse, die ich lange nicht gesehen habe und es stellte sich heraus, daß auch sie diesem Stamm angehört. Ebenso Charles Eisenstein, der ein neues Buch herausgegeben hat: The Coronation, zum C-Thema natürlich.

 

Traum

Frühstück in Münster

Heute Nacht träumte ich, daß mein Auto nicht auf dem Platz stand, auf dem ich es abgestellt zu haben meinte. Besorgt, daß es geklaut worden war, machte ich mich auf die Suche und erlebte dabei einige seltsame Sachen. Ich wachte auf, ohne das Auto gefunden zu haben und war sehr erleichtert, daß alles nur ein Traum gewesen war. Mit der Gewissheit , daß mein Auto vorm Haus stand, schlief ich wieder ein. Als ich dann morgens dabei war, mein Frühstück vorzubereiten, erinnerte ich mich an den Traum und dabei fiel mir ein, daß ich mit genau diesem Auto durch die Gegend gefahren war, um es zu suchen. Im Traum ist mir das gar nicht aufgefallen. Das war noch absurder als der Klassiker, daß eine ihre Brille sucht, die sie die ganze Zeit auf der Nase hat.

In den letzten Wochen war ich sehr beschäftigt. Ich war mit meiner Tochter in Münster und wir haben angefangen, die Sachen meiner Mutter zu sortieren und die Papiere zu sichten. Wir haben viel getan, es uns aber auch gut gehen lassen. Ich bin wie beim letzten Mal mit dem Auto gefahren, weil die Deutsche Bahn immer chaotischer wird. Man weiß nie, ob man überhaupt ankommt und eine massive Verspätung ist mittlerweile die Regel. Die Bahn ist genauso kaputtgespart worden wie das sogenannte Gesundheitswesen und ich habe den starken Verdacht, daß das Absicht ist. Die Bahn macht übrigens Reklame damit, daß sie klimafreundlich fährt. Was dabei aber nicht erwähnt wird, ist der Umstand, daß die Zugfahrer teilweise mit Flugzeugen zurücktransportiert werden. Ich habe übrigens immer stärkere Zweifel an der Geschichte vom menschengemachten Klimawandel. Damit ich richtig verstanden werde: es gibt einen Klimawandel, das merken wir alle. Aber haben wir ihn verursacht? Es gibt Wissenschaftler, die das anders sehen und mir hat vor einiger Zeit ein Essay von Wolf-Dieter Storl in seinem Buch Einsichten und Weitblicke eine neue Perspektive eröffnet. Es wird ja heute gern gesagt, man solle auf die Wissenschaftler hören. Aber wir haben bereits beim C-Thema gesehen, daß die Wissenschaftler keineswegs einer Meinung sind. Allerdings wurden diejenigen unter ihnen, die das Leitnarrativ vom supergefährlichen Virus und der Notwendigkeit einer „Impfung“ mit einem experimentellen gentechnisch hergestellten Stoff anzweifelten, aus dem öffentlichen Diskurs gekickt, bedroht und öffentlich diffamiert. Zurück zum Klimawandel: die Erde hat wie jeder lebendige Organismus Zyklen, das war auch in der Vergangenheit so. Richtig gefährlich finde ich die technokratischen Ideen diesen Wandel aufzuhalten, z. B. die Reduktion von CO2 oder die Verdunkelung der Sonne. Ohne CO2 gibt es keine grünen Pflanzen, ohne grüne Pflanzen gibt es keine Luft zum Atmen.

Egal aber, ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht: Es ist keine gute Sache, Kohle, Erdöl und Uran aus der Erde zu holen, weil damit unglaublich viel Zerstörung verbunden ist. Und mittels Fracking Gas zu gewinnen, ist natürlich das Allerletzte. „Keep it in the ground“, haben die First Nations, auf deren Gelände sich Uran befindet, immer wieder zu Recht gemahnt.

Gestern ist die neue Brennstoff mit sehr interessanten und ermutigenden Artikeln gekommen. Da wird etwa erzählt, welche Rolle Thérésa Cabarrus bei der Beendigung der Schreckensherrschaft von Robespierre, St. Just und Couthon nach der französischen Revolution gespielt hat. Davon habe ich im Geschichtsunterricht nichts gehört. Oder der Artikel über den Wétiko (auch Wendigo genannt), eine Wesenheit, die manchmal von Menschen Besitz ergreift und sie zu unersättlichen Ungeheuern macht. Die Indigenen Nordamerikas haben den weißen Siedlern die Diagnose gestellt, kollektiv von diesem soziopathischen Monster besessen zu sein und alles zu zerstören. Das ist die allerschlimmste Pandemie. Wie immer werden im Brennstoff klare Worte gefunden und ich muss an dieser Stelle den Herausgeber und Mitautor Heini Staudinger loben, der sich nicht scheut, heiße Themen offen anzusprechen. Der hat wirklich Eier! Diese Zeitschrift gibt es auch online: https://brennstoff.com/ausgaben/ansteckungsgefahr/

Die Oya, die ich solange so gern gelesen und empfohlen habe, hat dagegen eine enttäuschende Entwicklung gemacht. Das C-Thema wird seit zwei Jahren irgendwie krampfhaft vermieden. Außerdem kommen in ihr jetzt häufiger junge woke Autor*innen zu Wort. Dieses Woke-Sein ist ja voll im Trend; ich finde es nur unangenehm und glaube kaum, daß unser Leben dadurch besser wird. Mal schaun, wie es weitergeht.

Schuldzuweisung

Nachdem ich von mehreren Menschen in meinem Umfeld davon gehört habe, habe ich mir heute das Interview mit der südafrikanischen Außenministerin zum Krieg in der Ukraine angesehen. Sehr toll, wie die Frau auf freundliche, aber sehr klare Weise dem Drängen des Journalisten widersteht, Russland als Schuldigen am Krieg zu brandmarken und sich an Sanktionen zu beteiligen: https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal-update/g7-suedafrika-verlangt-diplomatische-loesung-100.html

Dagegen sieht ihr Interviewpartner mit seinem ständigen Insistieren und seinen manipulativen Fragen richtig alt aus. So eine Außenministerin wünsche ich mir für Deutschland! Sie hat so recht mit ihrer Aussage, daß die Sanktionen gegen Russland vor allem die kleine Leute in aller Welt treffen. Auch wir in Deutschland werden von unserem Energieminister ständig eingenordet, daß wir uns warm anziehen müssen, daß alles knapp werden wird, daß wir uns auf harte Zeiten einstellen müssen. Was soll das eigentlich? Angeblich soll Russland bestraft werden und ihr bestraft uns!

Mit dem Bedürfnis, einen Schuldigen zu finden und an den Prangerzu stellen, haben wir es in den letzten Jahren deutlicher denn je zu tun, jedenfalls erscheint es mir so. Da waren z. B. diejenigen schuld am Andauern der Pandemie, die sich der sogenannten Impfung verweigerten. Oder die, die keine Masken trugen, die Quarantäne nicht einhielten, sich nicht an den Lockdown hielten usw. Jetzt steht Russland am Pranger und alle, die dabei nicht mitmachen, werden gedisst. Wem dienen Schuldzuweisungen? Ich glaube, wenn man einen Schuldigen benennt, ist man selbst fein raus und muss sich seine eigene Rolle im bösen Spiel nicht mehr ansehen. Dann kann man sich auf der Seite der Guten fühlen. Aber hilft das weiter? Hört davon der Krieg auf? Müssen wir dann im nächsten Winter nicht frieren? Verpisst sich dann das Virus auf Nimmerwiedersehen?

Rutger Bregmann sagt in seinem wunderbaren Buch Im Grunde gut – eine neue Geschichte der Menschheit: Wenn man von Menschen denkt, daß sie schlecht sind, dann werden sie genau das auch sein.

Es könnte ein revolutionärer Akt sein, Menschen für grundsätzlich gut zu halten.

Plagen

Jede Person, die einen Garten betreut, kennt das: es gibt Tiere, die gern mitessen, was eine gesät hat und hegt und pflegt. Da kann dann schon mal Verzweiflung aufkommen, wenn die Nacktschnecken nach stundenlangem Dauerregen sämtliche Buschbohnenpflanzen vernichtet haben oder das Damwild nachts den Garten aufsucht und alles futtert, was eine selbst gern essen würde. Dieses Jahr kamen bei mir dann die Kartoffelkäfer dazu, mit denen ich in den mehr als zwanzig Gartenjahren bisher noch keine Bekanntschaft gemacht hatte. Ich befragte meine Gartenbücher, das Internet und eine Gärtnerin am Biogemüsestand auf dem Kieler Blüchermarkt. Sie riet mir, mit Neem zu spritzen. Es klang so, als habe sie damit reichlich Erfahrung.

Nun habe ich  mittlerweile längst gelernt, daß das Etikett Bio keine Garantie dafür ist, daß man andere Lebewesen respektiert. Ich halte es  sogar für möglich, daß sehr kleine Betriebe ihr Land oder ihre Tiere manchmal besser behandeln als solche, die sich eine Biozertifizierung leisten können. So nehmen z. B. auch viele Demeterbetriebe, die ja den allerbesten Ruf haben, die Kälbchen nach wenigen Tagen ihren Müttern weg. Und ein Geflügelhalter, der mehrere Tausend Hennen hält, kann in meinen Augen keine artgerechte Tierhaltung garantieren.

Die Idee, die Kartoffelkäferlarven mit Neempräparaten zu vergiften, finde ich aus mehreren Gründen nicht akzeptabel: ich möchte gern wissen, warum sie bei plötzlich auftreten. Wolf-Dieter Storl sagt dazu, daß gesunde Pflanzen kaum davon betroffen sind und daß es am Boden liegen könnte. Also möchte ich gern wissen, wie ich dem Boden helfen kann, gesund zu werden. Ein weiterer Grund ist, daß ich keine Tiere töte, nur weil sie mein Gemüse und meine Früchte essen. Das steht mir einfach nicht zu. Sie haben ja wie alle Wesen eine Aufgabe, auch wenn ich die nicht immer in ihrer Komplexität verstehen kann. Schnecken sammle ich jeden Abend und bringe sie weg. Ich rede sogar mit ihnen, freundlich natürlich. Das kostet ein wenig Zeit, aber dabei sehe ich dann auch, wie es den Pflanzen so geht. Und da ich in diesem Jahr eine gigantische Erdbeerernte habe, die Früchte reichlich verschenke, wochenlang täglich gegessen, zweimal Erdbeertorte gebacken habe und mittlerweile keine Erdbeeren mehr sehen kann, dürfen die Schnecken sich auch gern darüber hermachen. Es gibt noch einen dritten Grund: wenn im morphogenetischen Feld die Botschaft auftaucht, daß sogenannte Schädlinge massenweise vernichtet werden, entwickelt die Natur Ausgleichstrategien, etwa die Entwicklung von Resistenzen gegen Gifte oder eine Vervielfachung des Nachwuchses. Denn Leben möchte leben. Möglicherweise sind die Nacktschnecken erst deshalb zu einem so großen Problem geworden, weil sie so brutal verfolgt werden.

Ich habe jetzt die Erde unter den Kartoffelpflanzen mit Wurmfarn gemulcht. Ob das was bewirkt, wird sich zeigen. Es soll abwehrend, jedoch nicht tödlich wirken. Mal schaun.

 

Gestern habe ich nochmal einen Beitrag des afrikanischen Philosphen Báyò Akòmoláfé in der Oya #66 gelesen, den ich ziemlich gut finde. Über diesen Autor bin ich übrigens auf das großartige Buch The Holy Wild – A Heathen Bible for the Untamed Woman von Danielle Dulsky gekommen (habe ich an anderer Stelle drüber geschrieben). Báyò Akòmoláfé zitiert ein afrikanisches Sprichwort: When times are urgent, let us slow down (Wenn die Zeit drängt, lass uns langsam machen). Das finde ich ein großartiges Motto und kann es mir jeden Tag mindesten dreimal selbst sagen. Denn ich neige, wie wohl viele Menschen in meinem Umkreis dazu, nach schnellen Lösungen zu suchen, wenn ein Problem auftritt, siehe oben das Problem mit den Tieren im Garten. Ich zitiere ihn mal: „Der Klimawandel hat uns einen Schlag versetzt, also müssen wir zurückschlagen: wir wurden vom reichen 1 Prozent der Weltbevölkerung ausgebeutet, also müssen wir dafür sorgen, daß das Blatt sich wendet; afrikanische Kinder versagen bei einfachen Rechenaufgaben und sind schlecht in der Schule, also schicken wir ihnen Laptops und Geld, um Schulpulte anzuschaffen; die Menschen im Globalen Süden leben von weniger als 1 Dollar pro Tag, also gründen wir Entwicklungshilfeprogramme, und bis diese soweit sind, bieten wir diesen Menschen Kredite an; und wenn uns Traurigkeit überkommt , müssen wir schnell ‚darüber hinwegkommen’… Diese Reaktionsmuster lassen uns einen inneren Monolog aufrecchterhalten, bei dem wir uns selbst immerzu von unserer eigenen Handlungsmacht erzählen. Wir behandeln die Welt, als würde sie sich um uns drehen, als wären wir dazu gemaccht, sie zu reparieren…“

Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden: das ganze C-Thema mit dem Lockdown-, Masken- und Impfaktivismus gehört zu den aktuellsten Bespielen. Oder Putin hat die Ukraine angegriffen, also müssen wir jetzt schwere Waffen liefern und die Russen vernichten. Ich glaube, es wäre gut, uns allmählich darüber bewusst zu werden, daß wir keine Kontrolle über die Welt haben und alle unsere Kontrollversuche vor allem Schaden anrichten, ob es jetzt um den Klimawandel geht (an dessen menschengemachter Ursache ich immer mehr zweifle). Oder anders gesagt: wir sind doch nur ein Teil des großen Ganzen. Wie wäre es also, einfach mal die Dinge sich selbst zu überlassen? Ja, wie gesagt: das kann ich mir immer wieder selbst sagen.

Das wurde gestern aus den vielen Johannisbeeren – sehr lecker!